Deutsche Gebärdensprache

Deutsche Gebärdensprache
Gesprochen in: Deutschland
Sprecher: ca. 50 000
Linguistische
Klassifikation:
Offizieller Status
Amtssprache in: -
Sprachcodes
ISO 639-1: -
ISO 639-2: sgn sgn
SIL: gsg

Die Deutsche Gebärdensprache (abgekürzt DGS) ist die Sprache, in der deutsche taube und schwerhörige Personen untereinander kommunizieren. Die Wörter der Sprache nennen sich Gebärden. Diese Sprachgemeinschaft umfasst ungefähr 100.000 Menschen, die auch hörende Benutzer einschließen.

DGS ist eine eigenständige Sprache, deren Grammatik von derjenigen der deutschen Lautsprache verschieden ist; z. B. werden adverbielle Bestimmungen der Zeit meistens am Satzanfang, Verben dagegen am Ende des Satzes gebärdet.

Es gibt auch ein eigenes System "Lautsprachbegleitende(r) Gebärden" (LBG), auch "gebärdetes Deutsch" genannt, das ganz der Grammatik der deutschen Sprache folgt, von vielen DGS-Benutzern aber als "falsch" empfunden wird - man stelle sich vor, deutsche Wörter plötzlich im englischen Satzbau zu verwenden.

DGS ist wie andere Gebärdensprachen auch eine visuelle Sprache, die neben Körperhaltung und Mimik vor allem Gebärden verwendet, um Sachverhalte auszudrücken. Gebärden unterscheiden sich durch Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung voneinander. Auffallender Unterschied zu Lautsprachen ist, dass Gebärdensprachen räumlich sind: Personen und Orte können in einem Gespräch sozusagen in der Luft platziert werden, und je nach der Bewegungsrichtung von Gebärden zwischen diesen "Raumpunkten" ändert sich die Bedeutung. Als Hilfsmittel zum Buchstabieren von Eigennamen oder Vokabeln, deren Gebärden einer der oder beide Gesprächspartner (noch) nicht kennen, dient das Fingeralphabet.

Von den Anhängern des Oralismus wurde die Gebärdensprache tauber Kinder über mehr als 175 Jahre lang unterdrückt, weil man glaubte, sie behindere das Erlernen der schwereren Lautsprache. Kinder, die beim kommunikativen Gebrauch der Hände ertappt wurden, erhielten in einigen Schulen Stockschläge auf die Hände oder wurden mit Spielverbot und Nachtischentzug bestraft. Ihnen wurde beigebracht, sich für den Gebrauch der Gebärden zu schämen. Eltern wurden dazu angehalten, mit Kindern nur in der Lautsprache zu kommunizieren. In einigen Schulen wurde und wird jetzt noch das Gebärden lediglich toleriert, die Lehrern wenden diese Sprache aber im Unterricht nicht an. Die Antipathie gegen die Gebärdensprache hat sich heutzutage gemildert. Sie ist jetzt in Deutschland als Sprache anerkannt (was bedeutet, dass Gehörlose jetzt ein Recht auf Dolmetscher haben). Die rechtliche Anerkennung der DGS in Deutschland erfolgte 2002 mit dem Sozialgesetzbuch IX.

Aufgrund dieser Vergangenheit ist die DGS noch nicht landesweit standardisiert. Es gibt regionale Dialekte. Oft wird die Gebärdensprachgrammatik mit der Grammatik der deutschen Sprache vermischt; es entsteht eine Art Mischmasch von DGS und gebärdetem Deutsch.

Es gibt Wörterbücher mit Fotos oder CD-ROMs mit Videoclips von Gebärden. Die Grammatik der Deutschen Gebärdensprache ist noch nicht vollkommen geschrieben. Um die DGS schriftlich niederlegen zu können, wurden verschiedene Notationssysteme wie die Deutsche GebärdenSchrift und HamNoSys geschaffen.

Siehe auch

Weblinks

See also: Deutsche Gebärdensprache, Deutschland, Deutschschweizer Gebärdensprache, Dolmetscher, Fingeralphabet, Gebärdensprache, Gehörlosigkeit, Geschichte der Gebärdensprachen, Grammatik