Deutsche Sprachpflege
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Dieser Artikel enthält eine subjektive Liste von sprachlichen Erscheinungen, die in den Augen von Sprachpflegern und Puristen beispielhaft sind für "schlechtes Deutsch" oder die sogar den Verfall der deutschen Sprache verdeutlichen sollen. Die Meinungen hierüber gehen selbstverständlich auseinander. Besonderes Missfallen erregen immer wieder Einflüsse aus fremden Sprachen, wobei in der Linguistik das Thema "Fremdwort" sehr viel komplexer ist, als man auf den ersten Blick glaubt. Zur Zeit ist die Furcht vor einer "Überfremdung" des Deutschen durch Anglizismen besonders groß, während im hohen Mittelalter (um 1200) und im Barock den deutschen Sprachpflegern eher das Französische ein Dorn im Auge war.
Nach allgemeiner Auffassung von Sprachwissenschaftlern gibt es jedoch keinen Grund zur Sorge: Sprachwandel, also Veränderungen einer Sprache auf lautlicher, grammatischer, syntaktischer und lexikalischer Ebene, ist völlig normal.
| Inhaltsverzeichnis |
Substantive
(Neuwörter = Neologismen)
- Arbeitgeber – jemand, der von anderen Arbeit annimmt und dafür Lohn gibt
- Arbeitnehmer – jemand, der Arbeit abgibt und dafür Lohn nimmt
- Aufmarsch – Demonstration, sofern sie von rechtsgerichteten Gruppen durchgeführt wird (abwertend)
- Budgetierung
- Buschgeld – Gehaltszulage für Arbeitnehmer, die in die damals neuen Bundesländer überwechselten
- Entscheider
- Funktionalität – Produkte und Geräte (auch Software-Anwendungen!) besitzen gewisse Funktionen, aber keine Funktionalitäten! Im Deutschen existiert Funktionalität nur i.S.v. Ergonomie oder Benutzerfreundlichkeit, und die kann hoch oder gering sein. Funktionalitäten aber gibt es nicht.
- Leiharbeiter – verleiht man Menschen?
- sexueller Missbrauch – sind Menschen Gebrauchsgegenstände?
- Tierkörperbeseitigungsanstalt – Abdecker, Schinder
- Trainerfindungskommission
- Wettbewerber und Marktbegleiter
- Zone, drüben – DDR, BRD
Über die 'Wortungetüme' im Deutschen machte sich schon Mark Twain lustig.
Verben und deren Partizipien
- angedacht – geplant, vorgesehen
Pronome, Adverbien, Konjunktionen usw.
- nichtsdestotrotz – anstatt trotzdem oder nichtsdestoweniger
schwülstige und verhüllende Wendungen (Euphemismen), Journalistendeutsch
- Abwägungsprozesse vollziehen – abwägen
- die rote Laterne abgeben – vom letzten Platz aufsteigen
- Ausreisezentrum – Abschiebelager für Asylbewerber
- außen vor bleiben – unberücksichtigt bleiben
- Bedarf – "Es gibt noch Gesprächsbedarf", "Ich sehe Klärungsbedarf"; "Es besteht noch Klärungsbedarf" – etwas muss noch besprochen oder geklärt werden
- Das Finanzamt an den Kosten beteiligen – Verminderung eines der Steuer unterworfenen Basisbetrages durch legalen Abzug von bestimmten Ausgaben / Kosten
- freisetzen, ausstellen, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen – aus dem Beruf entlassen
- eine fußläufige Zuwegung (zum Grundstück ist gegeben) – Das Grundstück ist zu Fuß zu erreichen.
- jemand ist gekündigt – jemandem wurde das Arbeitsverhältnis gekündigt
- ins Haus stehen – bevorstehen
- es ist nicht hilfreich – es hilft nicht
- eine Nullrunde anstreben oder einlegen
- Nullwachstum und Minuswachstum
- eine Pflanzaktion absolvieren – pflanzen
- ein reichhaltiges Büffet – Tafel mit verschiedenen Speisen
- die Sorge treibt mich um – ich sorge mich
- auf Einsparpotenziale abklopfen – prüfen, wo man sparen kann
- einer Wertverbesserung zuführen – den Wert verbessern
- vor Ort – am Ort, dort (vor Ort kann nur der Bergmann sein)
Polizei- und Juristendeutsch
- sich in schamverletzender Weise zeigen – als Exhibitionist auftreten
- in erheblichem Maße am Geschlechtsteil manipulieren – onanieren
- wechselseitige Körperverletzung – Prügelei
- Notzucht – Vergewaltigung
- Lichtzeichenanlage – Ampel
- umliegend – nahe gelegen
- verbringen – bringen, transportieren "Die Verletzten wurden in ein umliegendes Krankenhaus verbracht." (Korrekt: Man verbringt den Urlaub am Meer.)
Abkürzungen und Kurzwörter
- Bundi – für Bundeswehrangehöriger, Soldat; in der DDR für: Westdeutscher ("Bundesbürger")
- H-Milch – für durch Erhitzen haltbar gemachte Milch
- O-Saft – für Orangensaft
- Ossi – für einen ehemaligen DDR-Bürger (nach der Maueröffnung; vor der Maueröffnung Bezeichnung für einen Ostfriesen)
- Ü-Eier – für Überraschungs-Eier (hohle Schokoladenfiguren in der Form und Größe eines Hühnereies, in denen sich eine Kapsel mit kleinen Spielzeugen befindet)
- V-Mann – für Verbindungsmann (geheimer Mitarbeiter der Polizei)
- Wessi – nach der Maueröffnung (selten auch davor) für eine Person aus der alten Bundesrepublik, negativ auch Besserwessi genannt. Davor in Westberlin für: Westdeutscher in den damals neun westlichen Bundesländern.
Grammatische Fehler
- auf dieses – darauf
- damals, wo – damals, als
- wegen dir, wegen mir usw. – deinetwegen, meinetwegen ... ("30 km/h- wegen uns")
- einmal mehr – noch einmal, wiederum, erneut
- in 2004 – 2004, im Jahr 2004 (auch Anglizismus)
- in Irak – im Irak
Hyperlative
Gewisse Adjektive lassen sich nicht steigern. Dazu gehören neben "schriftlich" oder "schwanger" auch folgende, die oft fälschlicherweise gesteigert anzutreffen sind:
- in keinster Weise – keinesfalls
- größtmöglichst – größtmöglich
- optimalst – optimal (lat. optimus ist bereits der Superlativ von bonus (gut))
- das einzigste – das einzige (einzig, einziger, am einzigsten? – gar nicht: einzig ist schon wenig genug, was will man da noch (weg)steigern?)
- aktuellste/aktueller wenn die Nachricht A aktueller ist als die Nachricht B, so ist A aktuell und B nicht mehr. Nur ein Ereignis kann das Aktuelle sein.
- vollste Zufriedenheit. Voller als voll oder gar am vollsten ist nicht möglich. Obwohl diese Version von Sprachwissenschaftlern bestätigt wurde, hat dennoch ein Arbeitsgericht entschieden, dass in Arbeitszeugnissen die Wertung zu unserer vollsten Zufriedenheit zulässig und gegeben erscheint und auch einklagbar ist, wenn sich der Arbeitnehmer dementsprechend verhalten hat und diese Formulierung in seinem Zeugnis wünscht. Der Unterschied zwischen "voller" und "vollster" Zufriedenheit entspricht einer ganzen Bewertungsstufe. Da Zeugnisse generell wohlwollend gehalten sein müssen, greifen Personalchefs auf solche Formulierungen zurück.
Anglizismen
Englische Wörter und Wendungen werden oft anstelle der deutschen Begriffe verwendet, wo dies von einigen als unnötig oder sogar störend empfunden wird.
- Beginner – Anfänger
- Bike – Motorrad, manchmal auch Fahrrad
- Bodyguard – Leibwächter, Personenschutz
- CD-Player – CD-Spieler
- Cent in der Aussprache Ssent anstatt Zent
- Center – Zentrum
- Choke – Starter, Drosselklappe; auch Würgebohrung bei der Schrotflinte
- City – Innenstadt
- Coach – Betreuer
- Computer – Rechner
- Cover – Hülle (beispielsweise einer CD), Abdeckung
- Dad – Papi
- Drink – (alkoholisches) Getränk
- einmal mehr – wörtliche und somit falsche Übersetzung von once more, deutsch: noch einmal, wiederum, erneut
- Event – Ereignis
- Facility Manager – Hauswart
- Family – Familie
- Flick-Collection – Flick-Sammlung
- Food, Fastfood und Nonfood – Nahrungsmittel, Schnellimbiss beziehungsweise alles andere Nichtess- und Nichttrinkbare
- Grapefruit – Pampelmuse (die in der Schweiz fast ausschließlich Grapefruit genannt wird, in Österreich ausschließlich so)
- Handy – Mobiltelefon (kein echter Anglizismus; das Wort handy bedeutet im Englischen "praktisch, nützlich; geschickt")
- Herzattacke – Herzinfarkt (Falschübersetzung von heart attack: "Attacke" bedeutet nur "Angriff", attack ist auch "Anfall")
- Highlight – Glanzpunkt, Höhepunkt
- Job (Jobsuche, Minijob, Traumjob) – Beruf, Arbeitsplatz, Arbeitsstelle
- Job killen, Jobkiller – Arbeitsplatz vernichten, Arbeitsplatzvernichter
- Keeper – Torwart
- Kid – englisch ursprünglich "Zicklein", umgangsamerikanisch für "Kind"
- Landmarke – wörtliche und somit falsche Übersetzung von landmark, deutsch: Wahrzeichen
- Look – Aussehen, Anblick
- Mainstream – Hauptrichtung
- mehr und mehr wörtliche und somit falsche Übersetzung von more and more, deutsch: immer mehr
- Newsletter – Rundbrief
- nicht wirklich – wörtliche und somit falsche Übersetzung von not really, deutsch: eigentlich nicht
- Organizer – Terminplaner
- Outplacement – Rausschmiss, Entlassung
- Party – Fest, Geselligkeit
- Penalty – Strafstoß, Elfmeter (oft noch falsch "pe'nalti" ausgesprochen statt "'pennelti")
- Pole-Position – Spitzenposition
- Ranger – Aufsichtsperson (Harzranger, Parkranger)
- Recycling – Wiederverwertung von Abfällen
- Shop – Laden
- Sinn machen – wörtliche und somit falsche Übersetzung von to make sense, deutsch: Sinn ergeben, Sinn haben
- Song – Lied
- Tapedeck – Kassettenrekorder
- Team – Arbeitsgruppe, Mannschaft
- Teamwork – Zusammenwirken in einer Arbeitsgruppe
- Timer – Kalender, Terminkalender (korrekte Übersetzung: Schaltuhr)
- Trailer – Sattelauflieger, Auflieger
- Trainer – Ausbilder
- Youngster
dazu eine nahezu beliebig fortsetzbare Liste von englischen Worten, die in die Alltagssprache eingestreut werden und teilweise auch in deutsche Grammatik gebogen werden, wie etwa gedownloaded und gegoogelt (was aber wiederum Inhalt des Dudens ist).
Siehe auch
Weblinks
- Sinnfreie Phrasen
- Deutsch-O-Mat (Kreative Sammlung deutscher Begriffe für englische Unworte)
- Zwiebelfisch-Kolumne von spiegel.de
- Wort des Jahres
- Unwort des Jahres
- Anglizismenliste des Vereins Deutsche Sprache
- täglich wechselnde Beispiele polizeilicher Stilblüten
