Deutsche Teilung
Als Deutsche Teilung wird die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 und der deutsch-deutschen Wiedervereinigung 1990 bezeichnet.
Die Teilung Deutschlands war nicht zuletzt ein Produkt des Kalten Krieges. Auf mehreren Konferenzen der Anti-Hitler-Koalition des Zweiten Weltkriegs (Konferenzen in Teheran 1943, Jalta und Potsdam 1945) wurde die Zukunft Deutschlands besprochen.
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Teheran 1943
In Teheran nahmen der US-Präsident Franklin D. Roosevelt teil, der britische Premier Winston Churchill und der sowjetische Partei- und Staatschef Josef Stalin. Man einigte sich darauf, was mit Deutschland nach dem Krieg passieren sollte. Um eine Wiederholung des Krieges durch ein erneutes Erstarken Deutschlands zu verhindern, entschloss man sich Deutschland nach dem Krieg vorerst untereinander aufzuteilen.
Jalta 1945
Anders sah die Situation zwei Jahre später aus, als sich die drei im Februar 1945 in Jalta auf der Krim erneut trafen. Die Niederlage Deutschlands war nur noch eine Frage der Zeit; gleichzeitig stritten Churchill, Roosevelt und Stalin um die Zukunft der ehemaligen deutschen Satellitenstaaten in Ost- und Südosteuropa. Stalin installierte damals bereits in den von der Roten Armee besetzten Gebieten sowjethörige Regimes. Das stand nicht zuletzt in Widerspruch zur britisch-amerikanischen "Atlantik-Charta" von 1941, in der die beiden Westalliierten vereinbart hatten, Fragen des Territorium und der Staatsform nicht ohne Anhörung des betroffenen Volkes zu entscheiden.
Die etwaige Gefahr, die künftig von Deutschland ausgehen würde, wurde nicht mehr so stark wahrgenommen. An ihre Stelle trat der beginnende Ost-West-Gegensatz, der später den Namen "Kalter Krieg" erhalten sollte. Die Westalliierten änderten ihre Ziele und wollten nun ein starkes und stabiles Deutschland als Gegengewicht zu den Expansionsbestrebungen der Sowjetunion. Auch Stalin hatte kein Interesse mehr an einer Teilung Deutschlands, da er damit rechnen musste, dass kleine westdeutsche Staaten, die auch das für Reparationszwecke interessante Ruhrgebiet enthalten hätten, sich angesichts der Rote Armee im Osten Deutschlands dem Westen zuwenden würden. Offiziell hielten aber alle drei Teilnehmer der Konferenz am Ziel einer Teilung Deutschlands fest. Konkret wurde beschlossen, Deutschland gemäß den Vorschlägen der Europäischen Beratenden Kommission (EAC) in Besatzungszonen aufzuteilen. Für Deutschland als ganzes betreffende Fragen sollte ein Rat der Militärgouverneure ("Alliierter Kontrollrat") gebildet werden. Auch hierin zeigt sich, dass die Teilung Deutschlands nicht mehr oberstes Ziel der Beteiligten war.
Potsdam 1945
Auf der Konferenz von Potsdam dagegen wurde aber faktisch ein großer Schritt Richtung Teilung gemacht - unbeabsichtigt. Mittlerweile hatte Deutschland militärisch kapituliert. Man stritt nun solange über die künftige Ordnung Südosteuropas und die immer noch ungeklärte Reparationsfrage, bis abzusehen war, dass die Konferenz scheitern würde. Dieses Schauspiel wollte aber keine der drei beteiligten Nationen bieten - außerdem wollten die USA die Sowjetunion in die entstehenden Vereinten Nationen integrieren und wollten sie darum nicht demonstrativ vor den Kopf stoßen. Die Briten hingegen wähnten ihre Rolle als Weltmacht vom Fortbestehen der Koalition abhängig; denn fest ans westliche Lager gebunden, würde man schnell zum Juniorpartner der USA. Der Zusammenhalt der Anti-Hitler-Koalition war für jede der drei Seiten wesentlich.
Um also die Konferenz zu "retten", schlugen die Amerikaner eine Kompromiss in der Reparationsfrage vor. Der Streit um die Reparationen drehte sich im wesentlichen darum, dass Amerikaner und Briten nach dem sog. "First Charge Principle" erst dann Reparationen aus Deutschland abziehen wollten, wenn der Inlandsbedarf befriedigt war. Die Russen - von Kriegsschäden weit mehr betroffen als USA und Großbritannien, waren zu dieser Milde nicht bereit. Der Kompromissvorschlag der Amerikaner sah nun vor, Deutschland als Reparationsgebiet einfach zu teilen. Damit stünde es jeder Partei frei, in ihrer Besatzungszone ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Der Vorschlag wurde angenommen. Darüber hinaus stimmten die Westmächte dem Vorhaben Stalins zu, die deutschen Ostgebiete (östlich der Oder-Neiße-Linie) unter polnische und sowjetische "Verwaltung" zu stellen (de facto-Annexion), und die deutsche Bevölkerung "human" zu evakuieren. Die folgende Vertreibung soll zwar nicht unerwähnt bleiben, ist jedoch nicht wesentlich für die Deutsche Teilung und soll darum im Folgenden keine große Rolle mehr spielen.
Französische Obstruktion im Alliierten Kontrollrat
Nachdem Deutschland nun also als Wirtschaftsraum getrennt war, entwickelten sich die Zonen auch politisch separat. Das lag zu einem wesentlichen Teil daran, dass die Franzosen, die in der Konferenz von Potsdam als Verlierer des Krieges trotzdem eine eigene Besatzungszone und einen Sitz im Rat der Militärgouverneure erhalten hatten, die Zusammenarbeit im Alliierten Kontrollrat behinderten. Denn Entscheidungen des Rates mussten einstimmig getroffen werden, und Frankreich machte regen Gebrauch von seinem Vetorecht. Das hing damit zusammen, dass Frankreich erst jetzt eine Stimme in den Verhandlungen bekam - zu einem Zeitpunkt, als die wesentlichen Entscheidungen bereits getroffen waren. Um die eigenen Ziele einzubringen (keine Milde in der Frage der Reparationen, Annektion des Saarlandes durch Frankreich, Stellung des Ruhrgebiets unter internationale Herrschaft u.a.), blieb Frankreich nur eine Blockadehaltung.
Das Gremium der Militärgouverneure war also handlungsunfähig - also wanderte die Ausübung der Macht an den einzelnen Gouverneur in seiner einzelnen Zone über. Hier wurden in den drei westlichen Zonen die Grundsteine für Demokratie und Marktwirtschaft gelegt, im Osten wurde ein Weg in Richtung Sozialismus eingeschlagen (Bodenreform, Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED, wobei die Führungsrolle der KPD zukam, Verbot der bürgerlichen Parteien). Ob dahinter aber russische Taktik, sich die SBZ bzw. die spätere DDR als sozialistischen Bruderstaat quasi einzuverleiben, gesehen werden darf, ist in der gegenwärtigen Forschung stark umstritten - wahrscheinlich waren die Maßnahmen in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) nur Elemente, die Druck für Verhandlungen auf die Westmächte aufbauen sollten. Jedenfalls isolierten die Maßnahmen die SBZ wirtschaftlich so effektiv wie eine Staatsgrenze.
Der Kalte Krieg
Mit der fortschreitenden Konfrontation zwischen Ost- und West wollte schließlich keine der beiden "Lager" mehr einen Schritt zurück machen: Der Westen befürchtete, die Sowjetunion werde sich eines vereinigten Deutschlands bemächtigen, die Sowjetunion hatte Angst davor, wieder bis zur Oder zurückgedrängt zu werden. Logische Konsequenz war die Teilung.
Wichtige Schritte auf dem nun nur noch förmlichen Weg zur Teilung waren die Währungsreform 1948, die Berlin-Blockade 1949 und letztendlich die "doppelte Staatsgründung" der "Bundesrepublik Deutschland" und der "Deutschen Demokratischen Republik" 1949.
Die Bundesrepublik hat zeit ihres Bestehens die DDR nie als eigenen Staat anerkannt. Zeugnis davon ist etwa die "Hallstein-Doktrin" von 1951, die den Anspruch Westdeutschlands auf Alleinvertretung deutscher Interessen unterstreicht.
Das faktische Ende der Teilung Deutschlands wurde mit der Öffnung der Mauer 1989 eingeläutet, aber erst durch die Währungsunion und durch den im Grundgesetz der Bundesrepublik möglichen Beitritt der DDR (beschlossen durch die Volksammer der DDR 1990) zum Geltungsbereich der bundesrepublikanischen Verfassung rechtliche Wirklichkeit.
