Deutschland 1945–1949
Die Zeit zwischen 1945 und 1949, vom Kriegsende und der totalen Niederlage NS-Deutschlands bis zur Gründung zweier neuer deutscher Staaten und damit dem Beginn der 40jährigen Spaltung Deutschlands, zählt zu den "kompliziertesten Abschnitten der deutschen Geschichte...einem interdependenten Prozess, an dem alle Weltmächte beteiligt waren." (Lutz Niethammer)
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Die Lage nach Kriegsende
Allgemein galt: die Staatsorganisation des Deutschen Reiches war bereits vor dem "Zusammenbruch" stark zerfallen, nach Zerschlagung der oberen Reichsbehörden und der NS-Parteiorganisation durch die Siegermächte war die Bevölkerung ("dies unglückselige Volk", Th. Mann, 1945) und nachgeordnete Verwaltung weitgehend auf Selbstorganisation zurückgeworfen. Zusammen mit den großen Wanderungsbewegungungen von Vertriebenen und Flüchtlingen trug der Zerfall der deutschen Wirtschaftsräume zum allgemeinen sozialen Elend bei. Auch konnten oder wollten sich die verschiedenen Besatzungsmächte zunächst nicht auf eine gemeinsame Politik einigen, die Briten organisierten Nordwestdeutschland z. B. eher zentralistisch, die Amerikaner gingen in Süddeutschland eher föderalistisch vor, die Franzosen verfolgten ganz eigene Ziele. In der sowjetischen besetzten Zone standen lange Zeit intensive Industriedemontagen (Reparationsmaßnahmen) im Vordergrund: immerhin hatte die Sowjetunion den höchsten Blut- und Materialzoll beim Kampf gegen Hitler-Deutschland zahlen müssen - allein elf Millionen sowjetische Soldaten waren gefallen.
Die verschiedenen Strategien befanden sich bei den Alliierten jeweils teilweise bereits seit 1941 in der Ausarbeitung (vgl. auch Atlantik-Charta, Casablanca-Konferenz, Konferenz von Teheran, Erklärung von Jalta). Trotzdem wurden die wechselhaften Ergebnisse der Besatzungspolitik lange als reine Provisorien betrachtet, sowohl von den Besatzungsmächten, als auch von der betroffenen deutschen Bevölkerung. Erst mit der verstärkten Konfrontation der weltpolitischen Blöcke wurde aus Vorläufigem - vor allem aus der deutschen Teilung - zunehmend scheinbar Endgültiges. Ein formaler Friedensvertrag ist niemals abgeschlossen worden.
Details
thumb|300px|Die vier BesatzungszonenCa. 1000 Selbstmorde in Berlin im Mai 1945. Von ehemals 4,3 Mio. Einwohnern zählte man noch 2,3 Mio in der weitgehend zerstörten Stadt. Am 14. Mai erschien aber bereits wieder die erste Zeitung: die "Neue Rundschau", herausgegeben von den sowjetischen Militärbehörden. Ab 21. Mai wurde auch wieder Radio aus Berlin gesendet. Durch Zwangsrekrutierung von Räumungskräften gelang den Sowjets die Räumung der Straßen binnen 14 Tagen. Bis Juli leitete General Schukow und sein Stadtkommandant Berlin. Schwarzmärkte in der Brunnenstraße, am Potsdamer Platz und am Bahnhof Zoo kamen auf.
Am 29. Mai wurde die Meldepflicht für alle Frauen zwischen 15 und 65 Jahren in Berlin eingeführt. Arbeit als "Trümmerfrau" brachte bessere Lebensmittelkarten ein.
Männer als Helfer waren eher selten: in den letzten Wochen vor dem Kriegsende ergaben sich allein den Amerikanern vier Millionen deutsche Soldaten, 1,3 Millionen davon wurden in den sogenannten Rheinwiesen-Lagern interniert, logistische Probleme der Versorgung dieser Gefangenenmassen resultierten: etwa 10.000 deutsche Kriegsgefangene starben in den improvisierten Freilicht-Lagern. Ab Juli 1945 wurden die Gefangenen auch unter britische und französische Aufsicht gestellt. Über 700.000 Kriegsgefangenen stellten die USA den Franzosen zum Wiederaufbau ihres Landes zur Verfügung, einige mussten unter harten Bedingungen im Bergbau arbeiten. Viele konnten erst 1948 in die Heimat zurückkehren. Insgesamt befanden sich 1945 elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft, fünf Millionen von ihnen kamen recht schnell wieder in Freiheit. Vor allem in sowjetischer Kriegsgefangenschaft aber waren die Überlebensaussichten schlecht, für einige Gefangene kam die "Kriegsheimkehr" hier erst 1956.
Hilfe für Berliner Kinder organisierte die britische Landverschickungsaktion "Stork". Hilfe kam außerdem aus der Schweiz, aus Schweden und von amerikanischen Quäkern.
Im Berliner Magistrat war Ferdinand Sauerbruch für das Gesundheitswesen und Hans Scharoun für das Bauwesen zuständig, acht andere wichtige Posten wurden von Kommunisten besetzt. Am 10. Juni ließen die sowjetischen Behörden wieder Parteien zu.
Im Berliner Westsektor wurden die Zeitungen "Tagesspiegel" und "Kurier" zugelassen. In der "Femina-Bar" Westberlins nehmen es amerikanische Soldaten nicht so genau mit dem offiziellen Gebot der "Non-Fraternization". Eine Flasche gepanschten Korns ging in Berliner Lokalen für 900 Reichsmark schwarz über die Theke. Bald setzte sich die Zigaretten-Währung gegenüber den entwerteten deutschen Banknoten durch - zumindest inoffiziell. Auch dies war teilweise eine Spätfolge der verantwortunglosen Finanzpolitik des Dritten Reiches, welche für Rüstung und Krieg die umlaufende Geldmenge aufgebläht hatte.
Am 6. Oktober 1945 erschien in München die erste Nummer der Süddeutschen Zeitung. Sie wurde auf den eingeschmolzenen Druckplatten von Hitlers "Mein Kampf" gedruckt, erschien zunächst nur zweimal in der Woche und umfasste vier Seiten. In den Westzonen mussten Zeitungen bis in die späten Vierziger Jahre lizensiert sein, d. h. es sollte verhindert werden, dass ehemalige Nazis, extreme Nationalisten oder Demokratiegegner wieder publizistisch tätig wurden. Die erste Ausgabe des "Neuen Deutschland" erschien im April 1946 im Ostsektor Berlins. In Ostdeutschland sicherte die sowjetische Militäradministration (SMAD) die Linientreue der Publikationen über Materialzuteilungen. Nur KPD/SED-nahe Blätter erhielten Druckpapier.
Die allgemeine Versorgungslage war vorerst schlecht: die Durchschnittsversorgung pro Tag erreichte z. B. in Bayern gerade 1000 Kalorien. Die "Cooperative for American Remittances" (CARE) schickte Versorgungs-Pakete.
Potsdamer Konferenz
thumb|300px|left|Stalin in Potsdam (in weißer Uniform). Rechts neben ihm der sowj. Außenminister MolotowBereits am 5. Juni 1945 wurde von den Siegermächten USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich die Aufteilung des Deutschen Reiches in vier Besatzungszonen und Groß-Berlins in vier Sektoren beschlossen. Erste Tendenzen einer Spaltung Deutschlands zeigten sich.
Anfang Juli 1945 zogen amerikanische Truppen in ihren Sektor Berlins ein. Mitte Juli waren Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin in Deutschland. Das Abkommen von Potsdam wurde zwischen ihnen am 2. August 1945 verabschiedet. Man beschloss u. a. die Demokratisierung Deutschlands, die Dezentralisierung seiner Wirtschaft, die Einrichtung eines gemeinsamen Alliierten Kontrollrates (ab 30. August), die Entmilitarisierung und Entnazifizierung des Landes, die Einrichtung eines Internationalen Militärtribunals (siehe weiter bei Nürnberger Prozesse), die Abtrennung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie. Damit verlor Deutschland ein Viertel seines Territoriums (Grenzen von 1937), verlor die Provinzen Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Aus diesen Gebieten strömten allein bis Oktober 1946 fast 10 Millionen Flüchtlinge in die Besatzungszonen.
Die Forderung nach einem "ausgeglichenen Wirtschaftsleben in ganz Deutschland" wurde schon bald durch die Auseinanderentwicklung der Wirtschaftsverhältnisse in Ost- und Westzonen (auch eine Folge der zunehmenden Konfrontation der politischen Blöcke im beginnenden "Kalten Krieg") Makulatur.
Über die sowjetischen Reparationsforderungen kam es bei der Konferenz bereits zu einem ersten Eklat mit den USA. Die Feierlichkeiten zum Sieg über Japan begingen die Alliierten aber noch gemeinsam vor dem Brandenburger Tor.
Notzeit und Wiederaufbau
Eine eigentliche "Stunde Null" gab es für die deutsche Wirtschaft nicht: Deutschland lag keineswegs zur Gänze in Trümmern. Der Historiker Niethammer formuliert es kühl: "...in der Bilanz hatten die Bomber die deutsche Industrie nicht ausgelöscht, sondern ihre Expansion im Krieg abrasiert, die Menschen- und Qualifikationsverluste des Krieges wurden durch den Zuzug aus dem Osten und die Leistungsbereitschaft der auf ein elementares Existenzniveau herabgedrückten Bevölkerung mehr als ausgewogen."
Immerhin war jedoch ein Viertel aller Wohnungen zerstört worden, in vielen Städten gar über 50 Prozent.
Mitte 1947 stellte US-Außenminister George Marshall in Harvard sein Wirtschaftsförderungsprogramm für Europa vor; die Maßnahmen des Marshall-Plans griffen auch bald in Deutschland, wobei diese Wirkung eher psychologische als rein materielle Gründe hatte. Bis 1950 wurde im Westen bereits wieder das Niveau des Bruttosozialproduktes von 1936 erreicht. Vom Plan einer Re-Agrarisierung Deutschlands (Morgenthau-Plan) war man schnell abgekommen, als deutlich wurde, dass die Wirtschaft ganz Europas unter der De-Industrialisierung Deutschlands zu leiden gehabt hätte.
Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) hatte dagegen forcierte Demontage zu verkraften - allein von 1945 bis Ende 1946 wurden 1000 Betriebe abgebaut, bis März 1947 fast 12.000 Kilometer Schienen demontiert. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) etablierte sich ab Frühjahr 1948 die Planwirtschaft. Im Gegensatz zur Praxis der Westzonen diente die "Entnazifizierung" in der SBZ auch zu massiven Enteignungen und gesellschaftlichen Umverteilungen und Umstrukturierungen (Bodenreform ab September 1945 u. a.). Trotzdem sollte sich die SBZ als spätere DDR zu einem der relativ wohlhabenderen Ländern des Ostblocks entwickeln, welches allerdings stets dem ökonomischen Niveau der Westzonen, bzw. der späteren Bundesrepublik hinterher hinkte.
Details
Mitte 1947 waren bereits wieder alle Berliner U-Bahn-Strecken in Betrieb. Die Taxinutzung war vorerst noch alliiertem Personal vorbehalten. Noch vor der Währungsreform eröffnete das Berliner Warenhaus Hertie wieder. Zahlreiche Umtauschstellen hatten großen Zulauf, u. a. wurde hier auch mit selbst angebautem Tabak ("Strunken") gehandelt. Waffen und Militärgüter wurden zivil umgenutzt, aus Flugzeugreifen wurden so z. B. Schuhsohlen. Bis August 1947 trafen 450.000 entlassene Kriegsgefangene in der ehemaligen Reichshauptstadt ein, 120.000 blieben.
Hausbrandprobleme im kalten Winter 1947: Heizmaterial wurde knapp. In Berlin und anderen Städten wurden Straßenbäume zu Heizzwecken gefällt. 1946/47 waren auch vielerorts die Vorkriegs- und Kriegsvorräte an Lebens- und Betriebsmittel aufgebraucht, die Lage war daher teilweise kritischer als noch 1945.
[[Bild:DCP_1385.JPG|thumb|left|VW-Käfer (1949)]]Im ehemaligen KdF-Werk in Wolfsburg wurden unter britischer Regie von 1945 bis Ende 1946 trotz Versorgungsengpässen und zerstörter Verkehrsinfrastruktur schon wieder fast 10.000 Volkswagen hergestellt, 1948 dann fast 20.000 Einheiten produziert. Ungefähr ein Viertel der Wagen ging in den Export, der Hersteller löste Opel als größten deutschen Automobilproduzenten ab.
1,7 Mio Flüchtlinge und Vertriebene ließen sich in der Nachkriegszeit allein in Bayern nieder, ihr Anteil an der dortigen Wohnbevölkerung betrug zeitweise 20 Prozent. Die Wirkung dieser Bevölkerungsbewegung auf die Sozialstruktur war dabei recht uneinheitlich. Einerseits wurden vormals religiös und sozial weitgehend homogene Gebiete durchmischt, progressive Tendenzen waren zu beobachten - so stammten nicht wenige Jungunternehmer und Fachkräfte der späteren Bundesrepublik aus den Vertriebenenkohorten. Andererseits brachten etwa Vertriebene aus den Ostgebieten oft eine eher konservativ-ländliche Kultur mit; einige restaurative Tendenzen Westdeutschlands in den 1950er Jahren (Heimatfilm, apolitische Familienzentrierung u. a.) können zum Teil darauf zurückgeführt werden. Die erbrachten Integrationsleistungen bleiben jedoch bemerkenswert, vor allem in Anbetracht späteren (Teil-)Versagens von Integrationspolitiken - siehe beispielsweise die "Integration" der sogenannten Gastarbeiter ab den 1970er Jahren.
[[Bild:Dresden1945.jpg|thumb|250px|right|Dresden 1945]]Die britische Zone hatte am 1. April 1947 einen Bevölkerungszuwachs von 3,67 Millionen gegenüber 19,8 Millionen Einwohnern in der Vorkriegszeit zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl der US-Zone vergrößerte sich um 3,25 Millionen, die der sowjetischen Zone um 3,16 Millionen. Die französische Zone nahm dagegen nur wenige Flüchtlinge auf.
Für Gesamtdeutschland galt: "Über ein Drittel des Volkes war nun direkt oder über Familienangehörige indirekt von der Entnazifizierung betroffen, fast ein Viertel betrug der Anteil der Flüchtlinge und sonstigen Zwangsmobilen, größer noch war die Zahl derer, die infolge des Krieges Verwandte verloren oder ihre Habe eingebüßt hatten." (L. Niethammer)
"Entnazifizierung" und "Reeducation"
thumb|right|Das Entnazifizierungs-GesetzAmerikanischen Truppen fielen 1945 die Mitgliederkarteien der NSDAP (8,5 Mio. Parteigenossen) aus dem Braunen Haus in München in die Hände: eine Voraussetzung für die spätere sogenannte "Entnazifizierung".
Bei den Entnazifizierungs-Prozessen in den Westsektoren kamen viele alte NS-Parteimitglieder zunehmend glimpflich davon. Im Ostsektor fand 1947 der Sachsenhausen-Prozess gegen Nazi-Verbrecher statt; gleichzeitig nutzten die Sowjets das Lager für eigene Zwecke weiter, bis 1949 starben hier 12.000 Gefangene, u. a. der bekannte Film- und Theater-Schauspieler Heinrich George. Unliebsame Sozialdemokraten, Liberale und Konservative waren neben ehemaligen Nazis inhaftiert. Das "Speziallager Nr.7" Sachsenhausen blieb bis 1950 die größte Haftstätte der Ostzone.
Stufen der Verschuldung bei Entnazifizierungs-Prozessen waren ab 12. Oktober 1946: "Hauptschuldige", "Belastete", "Minderbelastete", "Mitläufer". Seit Januar 1946 betrieb der Alliierte Kontrollrat die systematische Entfernung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern und Führungspositionen. Bis 1950 wurden in den Westzonen in über sechs Millionen Verfahren fast 1700 Personen als Hauptschuldige, 23.000 als Belastete, 150.000 als Minderbelastete und 1,6 Millionen als Mitläufer eingestuft. Im Osten waren bis März 1948 520.000 Entlassungen aus politischen Gründen vorgenommen worden. Im Frühjahr 1948 lief auch in West- wie Ostzone die "heiße Phase" der Entnazifizierung aus.
Eine Art Entnazifizierung der öffentlichen Kultur sollte in verschiedenen besetzten Zonen die Reeducation leisten: eine Aufklärung über den Nationalsozialismus und die entgegengesetzten Ziele der Demokratie, vermittelt beispielweise über Literatur, Film, Vorträge und Kunstausstellungen. Zugrunde lag eine gewisse Angst der Alliierten, bei den Deutschen würde es sich um ein Volk im Banne einer kollektiven Nazi-Gehirnwäsche handeln, und wohl auch der Schock über die Greuel der NS-Vernichtungslager. Tatsächlich legten die meisten Deutschen die Nazi-Ideologie - wenn sie denn wirklich bis zum bitteren Ende daran geglaubt hatten - erstaunlich schnell ab, waren auch mit ihren Alltagsproblemen mehr als genug beschäftigt. Außerdem wurden gerade jüngere Deutsche nach den Jahren der NS-Isolation von sich aus neugierig auf ausländische Kultur. Die Hinweise der Ewiggestrigen auf die schönen Autobahnen, den straffen Arbeitsdienst und andere angebliche "Vorzüge" der Hitler-Herrschaft gab es daneben natürlich auch. Leider waren nicht wenige der so Gesonnenen Lehrer (vor 1945 ein Berufsstand mit 90 Prozent NS-Parteigenossen) und konnten es im Westen auch oft bleiben.
Die Reeducation hatte sich zunächst auch die Reform des sehr hierarchischen deutschen Bildungssystems zum Ziel gesetzt (vgl. etwa das Reform- und Laborschulkonzept eines John Dewey). Dies unterblieb bekanntlich weitgehend und ist so bis in die Gegenwart ein Problem des deutschen Schulsystems.
Politik
Ähnlich der Wirtschaftspolitik verfolgten die Siegermächte auch bei der politischen Neuorganisation ganz verschiedene Strategien. So ließen die Sowjets zunächst rasch neue Parteigründungungen zu - die deutschen Kommunisten waren durch Verfolgung und stalinistische Säuberung vorerst noch geschwächt, die sozialistische Einheitspartei wurde erst um 1948 zur endgültig gleichgeschalteten Kaderpartei - während z. B. in der französisch besetzten Zone (Saargebiet u. a.) der politische Wiederaufbau lange nicht im Vordergrund stand - zum Verhalten Frankreichs im Alliierten Kontrollrat siehe hier.
Viele deutsche politische Kräfte versuchten eine Anknüpfung an die demokratischen Traditionen der Weimarer Republik, unter Umgehung der Schwächen dieses Systems. Selbst in eher bürgerlichen Parteien setzte man anfangs noch auf gemäßigte Formen des Sozialismus, war vor allem skeptisch gegenüber der in den NS-Rüstungsapparat verstrickt gewesenen Großindustrie (vgl. auch Ahlener Programm der CDU von 1947). Auch die Vertreter des sogenannten Ordoliberalismus, wichtige Anreger der späteren "sozialen Marktwirtschaft" Westdeutschlands, wandten sich vehement gegen Kartelle, Monopole und Oligopole. Die KPD suchte im Gegenzug zunächst noch ein antifaschistisches Bündnis mit bürgerlich-demokratischen Kräften. In den Westzonen fanden bald die traditionelle Arbeiterpartei SPD und die neugegründeten konservativeren christlichen Parteien (CDU und CSU, teilweise Erben der Weimarer Zentrumspartei, dabei allerdings nicht konfessionell gebunden) den größten Zuspruch der Wähler.
Details
| Land | Gründung |
| Württemberg-Baden | bis 7. August 1945 |
| Hessen | ab 16. September 1945 |
| Schleswig-Holstein | 23. August 1946 |
| Nordrhein-Westfalen | 23. August 1946 |
| Rheinland-Pfalz | 30. August 1946 |
| Niedersachsen | 1. November 1946 |
| Land Bremen | bis 22. Januar 1947 |
Parteien wurden im amerikanisch besetzten Bayern im Januar 1946 wieder zugelassen, zuerst die KPD, dann die SPD, schließlich CSU und FDP.
Im selben Jahr kam es zur politischen Auseinandersetzung um die Zusammenschliessung von SPD und KPD. Kurt Schumacher und 82 Prozent der Westberliner Sozialdemokraten wandten sich dagegen; im April 1946 wurde die Fusion im Ostsektor trotzdem durchgeführt.
Erste freie Wahlen in Berlin 1947: 48 Prozent der Stimmen entfielen auf die SPD, nur 19 Prozent der Stimmen Gesamtberlins gingen an die Fusionspartei SED. Danach mied die SED wirklich freie Wahlen, die anderen in der SBZ zugelassenen Parteien (LDPD u. a.) wurden nach und nach gleichgeschaltet, wurden zu stalinistischen Blockparteien.
Die SPD der Westzonen unter Schumacher war zunächst noch gegen eine unumwundene Westintegration, gleichfalls aber antikommunistisch eingestellt, auch wenn sich die Partei immer noch als marxistisch verstand. Angestrebt wurde ein neutrales Deutschland zwischen den Blöcken des Kapitalismus und Kommunismus.
Bei den ersten Nachkriegs-Wahlen in Bayern (zur verfassungsgebenden Versammlung) trat auch noch eine Königs- und Heimatpartei an, die KPD erhielt wenig mehr als fünf Prozent. Auch in der britischen Zone traten ausgesprochen rechtskonservative Parteien an. Wirtschaftsminister in Bayern war 1945/46 Ludwig Erhard, später ein wichtiger Protagonist der Währungsreform und Marktwirtschaft in den Westzonen und in der jungen Bundesrepublik Deutschland, deren zweiter Kanzler er wurde.
Anfang 1947 wurden britisch und amerikanisch besetzte Zonen wirtschaftlich zur Bizone zusammengeschlossen, später folgt auch die administrative Annäherung, der Weg zum Westdeutschen Teilstaat war vorgezeichnet, wenn viele westdeutsche Politiker auch noch Widerstand dagegen setzten (siehe dazu auch: Koblenzer Beschlüsse).
Am 25. Februar 1947 beschloss der Alliierte Kontrollrat die Auflösung Preußens ("Die Wurzel allen Übels." Churchill in Teheran 1943). Bis dahin existierte Preußen mit seinen Provinzen neben den neugegründeten elf Ländern fort. Die sowjetisch besetzte Zone bestand zunächst noch aus fünf Ländern.
Von einer Versammlung der Ministerpräsidenten der deutschen Länder 1947 - es sollte vor allem eine Regelung zur Überwindung der schlechten Versorgungslage gefunden werden - reisten die Teilnehmer aus der Ostzone vorzeitig ab, da die Erörterung einer deutschen Zentralregierung von den Westmächten nicht gewünscht wurde. Um diese Zeit sprach auch der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht vor der Münchener Feldherrnhalle, forderte nochmals zur gesamtdeutschen Einführung des sozialistischen Systems auf. Kurz darauf: beim Bizonalen Wirtschaftsrat in Frankfurt/Main am 25. Juni 1947 war bereits der junge Franz Josef Strauß von der CSU vertreten.
Von der Ostzone aus baute der junge Erich Honecker derweil die Organisation der Freien Deutschen Jugend auf, vertrieb durch sozialistische Propaganda bald christliche Jugendgruppen. Ende 1947 wurden die Sektorengrenzen Berlins erstmals gekennzeichnet.
Blockade Berlins, Luftbrücke, zwei deutsche Staaten
thumb|300px|Die Berliner SektorenAm 16. Juni 1948 verließ die sowjetische Delegation die Kommandantur in Berlin-Dahlem. Die Annahme und der Umtausch der angekündigten neuen Westwährung wurde im Sowjetsektor verboten. Bereits im März 1948 hatten die sowjetischen Vertreter aus Protest gegen die Londoner Sechsmächtekonferenz den Alliierten Kontrollrat verlassen, der damit endgültig seine Funktion verlor.
20. Juni 1948: Währungsreform in Westdeutschland. Drei Tage später sperrten die Sowjets die Zufahrten nach Berlin, die Blockade des Westteils der ehemaligen Reichshauptstadt begann. Die Absichten der UdSSR lagen darin, die Westmächte aus Berlin zu verdrängen und die Gründung eines westdeutschen Teilstaates zu verhindern. Erreicht wurde damit schließlich das Gegenteil; außerdem empfanden die Westberliner und auch die Westdeutschen in dieser Situation "den Ami" (Amerikaner) und "den Tommy" (Briten) immer weniger als Besatzer denn als befreundete Mächte.
24. Juni: Sperrung aller Zufahrtstraßen nach Berlin durch die sowjetischen Behörden, Unterbindung des Interzonenverkehrs. Im Westsektor gab es nur noch zwei Stunden am Tag Strom. Die Berliner Luftbrücke wurde von Amerikanern und Briten eingerichtet, bald landete alle zwei Minuten ein Transportflugzeug im Westsektor, die meisten in Tempelhof. Moderne Radartechnik ermöglichte die enge Taktung. Trotzdem stürzten im Verlauf der Aktion insgesamt mehr als 70 Maschinen ab.
Am 1. Juli 1948 übergaben die Westmächte den Ministerpräsidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung. Auf der Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die Gründung einer Bundesrepublik Deutschland beschlossen.
Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein Sachverständigenausschuss für Verfassungsfragen die Grundlage für die Arbeit des Parlamentarischen Rates. Dieser trat am 1. September 1948 in Bonn zusammen und erarbeitete dort das Grundgesetz.
Am 12. Mai 1949 wurde die Blockade Berlins nach elf Monaten aufgehoben. US-Kommandant Lucius D. Clay verließ nach gelungener Mission Berlin. Zur Abschiedsfeier sprach Ernst Reuter, auch der Präsident des Parlamentarischen Rates Konrad Adenauer, bald darauf der der erste Kanzler Westdeutschlands, war angereist.
Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Ein vollkommen souveräner deutscher Staat war damit noch nicht gegeben: Außenpolitik, Außenhandel und andere Ressorts unterstanden vorerst noch alliierter Kontrolle.
7. Oktober 1949: Fackelzug anlässlich der Gründung der DDR. Wilhelm Pieck wurde Präsident des neuen Staates.
Kultur
Kultur der Nachkriegszeit: aus der Kriegsgefangenenzeitschrift "Der Ruf", in der u. a. Alfred Andersch und Hans Werner Richter schrieben, ging der Schriftstellerzirkel "Gruppe 47" hervor. Zu deren frühen Mitgliedern zählten auch Wolfdietrich Schnurre und Günter Eich, später kamen Ilse Aichinger, Heinrich Böll, Walter Jens, Wolfgang Koeppen, Siegfried Lenz, Peter Weiss und andere dazu. Eine bekannte Schriftstellerin der unmittelbaren Nachkriegs-Literatur war ferner Elisabeth Langgässer; Hans Erich Nossack stieß mit seiner Beschreibung des Hamburger Bombenkriegs-Inferno noch vor 1950 auf internationales Echo - er begeisterte z. B. Jean-Paul Sartre.
In der SBZ wurde früh der "Aufbau" als die erste politisch-kulturelle Zeitschrift Nachkriegsdeutschlands überhaupt lanciert. Hier konnten zunächst auch durchaus noch nicht-stalinistische Autoren publizieren. Eine zentrale Figur der Kulturpolitik Ostdeutschlands wurde rasch Johannes R. Becher, der zunächst in der Vereinigung "Kulturbund" aktiv war.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit kam es zur Konfrontation zwischen kulturellen Protagonisten der "äußeren" und der "inneren" Emigration. Letztere wurde z. B. vom Exilanten und Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann kritisiert. Zurück nach (Ost)-Deutschland kehrten u. a. die prominenten Exilliteraten Anna Seghers (1947) und Arnold Zweig (1948), der Philosoph Ernst Bloch, der Dramatiker und Lyriker Bert Brecht (beide 1949); der Romancier Alfred Döblin siedelte sich vorübergehend in der französisch besetzten Zone an und auch die Sozialwissenschaftler und Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno kehrten vor 1950 nach Westdeutschland zurück, hatten hier in den folgenden Jahrzehnten einen nicht unerheblichen Einfluss in der intellektuellen Szene.
Zunächst wurde in literarischen Kreisen - auch wegen der Sprachmanipulation der Nazis - nach einer radikalen Sprachkritik und einem "Kahlschlag" gerufen. Die Lakonie amerikanischer Short Stories fand Eingang in die Kahlschlag- oder Trümmerliteratur. Außerdem wurden Tendenzen der modernen Weltliteratur aufgenommen, die Deutschland in der Zeit des Dritten Reiches nicht erreichen konnten: Psychoanalyse, Marxismus, Existentialismus, Surrealismus, Expressionismus. Um 1950 erschienen aber bereits wieder Gedichtbände, die die "heile Welt" verkündeten, formale Experimente (Konkrete Poesie) und Naturmagie folgten in der westdeutschen Dichtung auf die "Kahlschlag-Poesie".
In den Bildenden Künsten wurden in Westdeutschland früh die von den Nazis als "entartet" verfemten Künstler rehabilitiert, z. B. der aus der Bauhaus-Tradition stammende Willi Baumeister zum Kunstprofessor in Stuttgart berufen (1946). Man war im Westen um einen Anschluss an die internationalen Trends der modernen Malerei bemüht (Abstraktion etc.). Die herausragende Bedeutung der deutschen Kunstszene vor 1933 wurde aber nicht wieder erreicht. Im nicht völlig zerstörten Berliner Stadtschloss gab es eine Austellung moderner Kunst, der Maler Max Pechstein lehrte ebenfalls ab 1947 in Berlin.
Studenten aus sechs Nationen beteiligten sich am Wiederaufbau der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin.
1947 durfte auch der "entnazifizierte" Wilhelm Furtwängler wieder die Berliner Philharmoniker - nun im Titania-Palast - dirigieren. Im selben Jahr wurde auch das Sartre-Stück "Die Fliegen" im Hebbel-Theater aufgeführt. Gustav Gründgens inszenierte ebenfalls erneut in Berlin. Der erste DEFA-Spielfilm hatte im Admiralspalast Premiere: "Die Mörder sind unter uns", u. a. mit Hildegard Knef. Auch Operettenaufführungen und Revuen im Friedrichstadtpalast gab es schon zwei Jahre nach Kriegsende wieder. Das politische Kabarett erblühte wieder in Deutschland. Ein bekannter Theaterkritiker wurde in dieser Zeit der Berliner Friedrich Luft mit seiner im Radio ausgestrahlten "Stimme der Kritik". Überhaupt kam dem Rundfunk wieder eine wichtige Funktion für die Kunst zu - siehe etwa Wolfgang Borcherts Hörspiel "Draußen vor der Tür" oder den Einfluss alliierter Soldatensender (AFN etc.) auf den Unterhaltungsmusikgeschmack junger Deutscher (Jazz, Swing). In der britischen Besatzungszone wurde nach Vorbild der BBC der NWDR aufgebaut: statt staatlicher Propaganda soll objektive, unabhängige Berichterstattung gesendet werden.
Zitate
- "Das deutsche Volk muß überzeugt werden, daß es eine totale militärische Niederlage erlitten hat und daß es sich nicht der Verantwortung entziehen kann für das, was es selbst dadurch auf sich geladen hat..." (Potsdamer Konferenz, 1945)
- "Man hat zu tun mit dem deutschen Schicksal und deutscher Schuld, wenn man als Deutscher geboren ist." (Thoman Mann, 1945)
Literatur
- Lutz Niethammer: War die bürgerliche Gesellschaft in Deutschland 1945 am Ende oder am Anfang?, in: Lutz Niethammer u. a.: Bürgerliche Gesellschaft in Deutschland (1990)
- Christoph Klessmann: Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945 - 1955 (1982)
Weblinks
- Deutschland nach 1945 (bpb)
- Nachkriegszeit beim Deutschen Historischen Museum
- zu den "Wanderungsbewegungen" der Nachkriegszeit
- deutsche Automobilindustrie 1948
- Volkswagen 1940 - 1949
- Baden und Württemberg 1945 - 1952
- zum Thema Reeducation
- weitere Stichworte zur Reeducation
- zur Nachkriegsliteratur
Siehe auch
- Deutsche Geschichte
- Geschichte der DDR. Vorgeschichte 1945-1949
- Trizone
- Geschichte deutscher Länder
- Kominform
