Dies irae
Dies irae (lat.: Tag des Zorns) ist der Anfang eines mittelalterlichen Hymnus vom Jüngsten Gericht, der nach der römischen Liturgie zur Totenmesse gesungen wird. Er wurde im 14. Jahrhundert in das Requiem eingefügt. Als Autor wird traditionell Thomas von Celano (* um 1190; † um 1260) angesehen, einem Freund und Biographen von Franz von Assisi; diese Zuschreibung ist allerdings umstritten.
Der Choral besteht aus 5 dreizeiligen Sequenzen. Inhaltlich orientiert er sich an einer Prophezeiung Zefanjas. Er stellt einen radikalen Bruch mit der antiken Hymnendichtung dar, unter anderem durch die Verwendung von Endreim und akzentuierender Betonung (Rhythmus) statt der älteren metrischen Versmaße, die auf Silbenlänge und -kürze beruhten. Seine Melodie wurde in älteren Vertonungen lautstark gesungen. In der Totenmesse besteht das Dies Irae zumeist aus den Teilen Dies Irae, Tuba Mirum, Liber Scriptus, Rex Tremendae, Recordare, Ingemisco, Confutatis. Komponisten verfahren mit der Anordnung der Sätze innerhalb einer Requiem-Komposition recht frei, auch der gregorianische Hymnus wird nicht immer verwendet. Zumeist hat der Dies-Irae-Satz gewaltige Dimensionen, Hector Berlioz verwendet in seinem Requiem 16 Pauken und vier Blechbläser-Chöre, die das Tuba Mirum (Posaune, wundertönend durch die grabgewölbten Hallen) plastisch darstellen. Berlioz übernahm Abschnitte der alten Melodie in der Phantastischen Symphonie, sein Dies Irae in der Grande Messe des Morts hingegen kommt ohne den Hymnus aus.
Beispiele für bekannte Dies-Irae-Sätze in Requiem-Kompositionen
- Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-Moll, KV626
- Hector Berlioz: Grande Messe des Morts, Op. 5
- Luigi Cherubini: Requiem
- Hans Werner Henze: Requiem
- Giuseppe Verdi: Requiem 1874
Beispiele für die Verwendung des Hymnus in anderen Konzertformen:
- Camille Saint-Saens in der Sinfonischen Dichtung Danse macabre
- Franz Liszt im Totentanz für Klavier und Orchester
- Eugène Ysaye in der Sonate Nr. 2 Obsession für Violine solo
- Gustav Mahler in der 2. Sinfonie
- Hector Berlioz: Symphonie fantastique op. 14 (1830) (V. Songe d'une nuit du Sabbat - Traum einer Sabbatnacht: Parodie des Dies Irae)
- Sergei Rachmaninow in der Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 (1934) für Klavier und Orchester
Beispiele für moderne Vertonungen:
- Helium Vola auf In lichter Farbe steht der Wald" (2004)
