Digitales Satellitenradio
Das Digitale Satelliten-Radio (DSR) war in Deutschland die erste Radioausstrahlung auf digitalem Wege für den Hörer.
Geschichte
Den ersten Prototyp eines Empfangsgerätes für DSR stellte die Firma Telefunken im Jahre 1982 auf der Messe HiFiVideo vor. Im Herbst 1984, nach einem Kabelpilotprojekt im gleichen Jahr, fiel die Entscheidung für dieses System.
1989, auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin startete Bundespostminister Dr. Christian Schwarz-Schilling am 24. August den Digitalen Satelliten-Rundfunk. Über die beiden Satelliten DFS 1 Kopernikus und TV SAT 2 war nun ein Paket mit 16 Hörfunkprogrammen bundesweit zu empfangen. Zum Empfang benötigte man einen speziellen DSR-Empfänger. Für ihn und für eine eventuell zusätzlich benötigte Satellitenantenne musste man anfangs deutlich mehr als 1.000 DM bezahlen.
Zum Jahresende 1994 wurde die Aussendung über den Satelliten TV SAT 2 abgeschaltet. Dadurch war das Programm nur noch über den Satelliten Kopernikus und das Breitbandkabelnetz der Telekom zu empfangen.
Gerüchte über die Abschaltung und das Auslaufen der Verträge zwischen Telekom und Programmanbietern 1996 führten dazu, dass ab 1995 die DSR-Empfänger in Baumärkten bereits für 200 DM verramscht wurden. Insgesamt wurden etwa ein- bis zweihunderttausend DSR-Hörfunkgeräte verkauft.
Am 15. Januar 1999 wurde das DSR trotz Protesten vieler Hörer abgeschaltet.
Technik
Im Gegensatz zu ADR oder DAB, die mit Datenreduzierung arbeiten, war DSR jedoch von deutlich höherer Qualität (annähernd CD-Qualität). 16 Radioprogramme wurden digital zu einem Paket gebündelt über einen Satellitentransponder ausgestrahlt und im Kabelnetz der Deutschen Telekom auf 118 MHz (Kabelkanal S2/3) weiterverbreitet.
Auch wurden zur Musik Daten übertragen: Es gab ein Sprach-/Musikbit, das die Empfänger nutzen konnten, um die Lautstärke für Sprachen und Musik getrennt einzustellen. Mitübertragen wurde die Senderkennung und die Art des Programms (Klassik, Popmusik, Kultur, ...).
Für die Übertragung wurde eine Abtastrate von 32 kHz gewählt, da dies der international vereinbarten Abtastfrequenz für digitale Tonprogramm-Übertragungsleitungen entspricht. Dadurch ergab sich eine Bandbreite von 15 kHz.
Um die Postzubringerstrecken vollständig auszunutzen, die als Übertragungsrate eine ganze vielfache Bitrate von 2,048 MBit haben, das entspricht 1,92 MBit netto, konnten bei 32 kHz Abtastrate nur 14 Bit Worte übertragen werden. Dies ergab vier Kanäle zu je 480 kBit,
Da 14 Bit bei 10 dB Sicherheitsabstand nur einen Geräuschspannungsabstand von 62 dB ergeben, wurde ein 3-Bit Skalenfaktor eingeführt und das Signal in acht 6 dB-breite Abschnitte zerlegt. So konnten die 16 Bit des originalen PCM-Signals übetragen werden. Diese 16/14 Bit Gleitkommadarstellung ermöglichte sogar die Übertragung bis zu 18 Bit pro Sample. Nur bei Vollaussteuerung (0 dB) wurden mit 15 Bit weniger übertragen. Der Skalenfaktor wurde immer für einen Tonsignalblock (entspricht 64 Samples) festgelegt und innerhalb der Paritätbits übertragen, 21 Mal pro Block. Bei der Dekodierung wurde er durch Mehrheitsentscheidung festgelegt. Ein Skalenfaktorbit von 1 invertierte das Parity Bit des entsprechenden Worts.
Auf der Satellitenstrecke wurde dieser Datenstrom BCH-kodiert, um die Redundanz zur Fehlererkennung und Fehlerkorrektur zu erhalten. 44 Bit Nutzsignal (im Einzelbit-Multiplexverfahren verschachtelt) wurden zu einem 63 Bit Block kodiert und in Rahmen zu 512 Bit Länge zusammengefasst.
Moduliert wurde dieser Bitstrom mit dem 4PSK-Verfahren. Die Kanalbreite entsprach mit 27 MHz der eines Fernsehkanals.
Zusätzlich zur Musik wurden Informationen mit 11kB/s pro Stereokanal übertragen.
Quelle: Informationsbroschüre Digitaler Hörfunk über Rundfunksatelliten des Bundesministers für Forschung und Technologie (BFMT).
