Dinarisches Gebirge
Das Dinarische Gebirge (auch als Dinarische Alpen bezeichnet) ist ein südosteuropäisches Gebirgssystem, das sich an die Ostalpen anschließt. Ihr Hauptteil besteht aus den Dinariden (auch Dinarisches Gebirge (i.e.S.) genannt). Gegen die Alpen wird am Postojna Pass eine konventionelle Abgrenzung gezogen. Heute werden aufgrund geologischer Erkenntnisse auch noch Julischen Alpen ins dinarische Orogen eingereiht . Sie bilden damit einen 700 km NNW – SSO streichenden, meridional zw. 46° – 42° N liegenden Bogen im westlichen Balkan. Im NW (Krainer Schneeberg - Notranjski Snežnik und Gorski Kotar-Risnjak 1535 m) ist das Gebirge relativ schmal (50 km) und hat Mittelgebirgscharakter. Nach SO gewinnt es an Breite und Höhe. Im Scharnier der Prokletije erreicht das ausgedehnteste und unwegsamste Gebirge der Balkanhalbinsel seine größte Höhen- (2694 m; ohne Julische Alpen) und Breitenerstreckung (350 km).
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Lage
Das Dinarische Gebirge ist ein südöstlicher Ausläufer der Alpen. Es schließt sich an die Julischen Alpen in Nordostitalien und Slowenien an und verläuft über die Balkanhalbinsel (Kroatien (insb. Region Dalmatien), Bosnien-Herzegowina und insb. Montenegro) bis zum Drin in Nordalbanien. Hier geht es in die nordalbanischen Alpen über.
Höchste Erhebung ist der Jezercë im Prokletijemassiv in Albanien mit 2.694 m.
Merkmale
Das Dinarische Gebirge zählt zu den höchsten und steilsten Gebirgen Europas. Es besteht größtenteils aus Kalkstein und ist durch seine starke Verkarstung gekennzeichnet, die zwischen Dalmatien und Bosnien besonders ausgeprägt ist. Der montenegrinisch-nordalbanische Raum ist die ausgeprägteste Hochgebirgsregion der Balkanhalbinsel, alpine Formen sind nur hier typisch ausgebildet. Ausgedehnteste alpine Gebirge ist das Prokletije. Hier wurde sogar das breite Haupttal des Lims im Pleitsozän zu einem Trogtal umgestaltet. Weitere Talgletscher waren ausnahmslos in Seitentälern gebildet. Die pleistozäne Vergletscherung war in den Dinariden in ganz Südeuropa am intensivsten . P
Prägendes Kennzeichnen ist aber die Verkarstung, da in den tektonisch jüngeren äußeren Dinariden Kalksteine dominieren. Geomorphologische und hydrologische ‚Phänomene’ machten die Dinariden damit zum klassischen UG des Karstes. Karstforschung beherrschte, auch ökonomisch begründet, naturwissenschaftlich-geographische Inhalte in Exjugoslawien. Die Pionierarbeiten, der Karstforschung nach Roglić: „rich in general ideas and poor in real analysis“ entwickelte Jovan Cvijić (1893, 1924, 1961) aus den Betrachtungen der Formen die er in den Dinariden fand und deren Terminologie er auf weltweite Phänomäne des Kartes ausweitete (z.B. in China, Kuba, Vietnam, Philippinen etc.)
Jovan Cvijićs Idee einer geologisch-morphologischen determinierten Klassifizierung in Mero- und Holokarst, führte subsequent zu klimatypologischer Differenzierung. Das Begriffspaar ergänzen die Termine „bedeckter“ und „nackter“ Karst äquivalent vom vegetationskundlich- physiognomischen Aspekt. Typlokalität des Holokarstes sind Herzegowina und West-Montenegro. Hierzu gehört der Orjen mit der Bucht von Kotor. Historische, kulturelle und sozioökonomische Auswirkungen der sterilen ‚Steinwüste’ sind in der Behinderung gesellschaftlichen Fortschritts und ökonomischer Verkümmerung manifestiert.
Plattentektonik
Das Dinarische Gebirge entstand ebenso wie die Zentralalpen durch die Kollision der afrikanisch-arabischen und der eurasischen Platte im Oligozän, die sich bis heute fortsetzt. Das strukturelle System der Dinariden ist damit Teil der perimediterranen alpinen Ketten, deren Kontinuität aufgrund plioquartärer Tektonik, dem Generator der heutigen geologischen Strukturen unterbrochen ist. Durch die paläografische und strukturelle Einheit mit den Helleniden, werden diese als dianrisch-hellenidisches Orogen zusammengefaßt. Die morfostrukturelle, geotektonische und geomorphologische Einheit des Dinarischen Gebirges (serbo.kroat. Dinarsko gorje, Dinaridi) ist ein Teilstück der jungalpidischen Gebirgssysteme.
Vegetation
Die Vegetation großer Ökosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsgürtel) ist ökologisch, chorologisch, floristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch Relief und den Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren ergeben, erfolgt innerhalb dieser Horione eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Teilung . Die Balkanhalbinsel Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane-, sowie zirkumboreale Region zu ordnen. BECK-MANNAGETTA (1901) und ADAMOVIĆ (1907) teilten die westliche sowie östliche zentrale Balkanhalbinsel in zwei Phytohorione, illyrisch und moesisch (nach den röm. Provinzen Illyria und Moesia). Als Subhorione der mitteleuropäischen Florenregion, ist Illyrien mit basophilen, Moesien mit azidophilen Typen verbunden.
Die reich-gegliederte Küste Dalmatiens gehört zur adriatischen Provinz der mediterranen Florenregion. Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich während tertiärer, glazialer und postglazialer Phasen. Rezent sind keine alten mesozoischen Vertreter vorhanden (wie z.B. in den Floren Ostasiens oder Argentiniens). Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit der Kreide bekannt (z.B. Quercus, Fagus, Castanea, Alnus, Salix). Die thermophilere tertiäre Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Adiantum capillusveneris), Gattungen (Dioscorea) und Familien (Gesneraceae) überlebt hat. Außertropische tertiäre Formen sind dagegen reichlich vertreten (z.B. Platanus, Aesculus, Scopolia, Sibiraea, Thelygonum, Picea omorika, Pinus peuce, Forsythia europaea, Syringa vulgaris). Durch die isolierte Stellung, die nächsten Verwandten sind zumeist in Ostasien oder dem vorderen Orient zu finden und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle paläoendemischen Tertiärrelikte ökologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher Vegetations-geographischer Einheiten. Seit dem Tertiär erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, dies unabhängig arktoalpiner Einflüsse.
Die Grenze zwischen den florenhistorisch determinierten alpinen- und oromediterranen Systemen stimmt außerdem mit den Gebieten der stärksten pleistozänen Vereisung der Gebirge überein. Die südliche Grenze der arktoalpinen Gemeinschaften ist zugleich auch die nördliche Grenze der Hochgebirgspflanzen südlicher Herkunft.
Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt der Dinariden zu Alpen und Pyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen macht die komplexen Dinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential.
Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen: Petteria, Halacsya, Haberlea, Jankaea. Endemiten sind: Picea omorika (Serbien, Bosnien), Pinus peuce (Gebirge zwischen 41°-43° N), Saxifraga ferdinandi-coburgii, Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord Albanien), Oxytropis prenja, Acer heldreichii, Forsythia europaea (Nord Albanien, Kosovo), Moltkia petrea, Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord Albanien), Ramonda serbica, Amphoricarpos neumayeri (Orjen), Cicerbita pancicii, Lilium jankae, Dioscorea balcanica (Montenegro, Nord Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind: Ostrya carpinifolia, Juglans regia, Syringa vulgaris, Corylus colurna, Aesculus hippocastanum etc. Reliktische Pflanzengesellschaften finden sich zumeist in Schluchten, die der Flora als Refugium dienten. Eiserne Tor (Donau), Neretva, Drina, Tara, Cijevna, Morača, Vikos Aoos, Radika etc. sind die bekanntesten.
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