Diode

Die Diode (griech.: di zwei, doppelt; hodos Weg) ist ein elektronisches Bauelement mit zwei Polen, das eine unsymmetrische und nichtlineare Kennlinie besitzt. Eine Diode ist für Strom, der in eine Richtung fließt, durchlässig und für Strom, der entgegengesetzt durch den Leiter fließt, unterhalb der Durchbruchspannung ein Isolator. Hierdurch ist eine Gleichrichtung des Stroms ermöglicht, da Strom die Diode nur in eine Richtung passieren kann. - - Der Begriff Diode wird synonym für den Begriff "ungesteuerter Gleichrichter" verwendet. Allerdings wurden die wegen technischer Nachteile veralteten Selengleichrichter nicht als Dioden bezeichnet, obwohl sie es technisch betrachtet sind.

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Eine Diode in
Durchlassrichtung geschaltet

Eine Diode besitzt eine Anode und eine Kathode. Wird die Anode positiv geschaltet, lässt die Diode den Strom durch. Die Kathode ist in diesem Fall negativ geladen (Durchlassrichtung bzw. Durchflussrichtung). Oberhalb der von Material, Dotierung und Temperatur abhängigen Schwellenspannung ist der elektrische Widerstand sehr gering. Durch Umpolung, d.h. wenn die Anode negativ und die Kathode positiv geschaltet werden, sperrt (Sperrrichtung) die Diode und lässt (fast) keinen Strom durch, solange der Betrag der Spannung die Durchbruchspannung nicht übersteigt.

Dioden kann man mit einem mechanischen Rückschlagventil vergleichen, da dieses auch nur Massenfluss in eine Richtung erlaubt.

Eine Halbleiterdiode hat eine Kapazität zwischen Anode und Kathode, die von der angelegten Spannung abhängig ist.

Dioden unterscheiden sich in ihren Parametern. So haben sie unterschiedliche Schwellenspannungen, Durchschlagspannungen, Sperr- und Durchlasswiderstände und unterschiedliche Kapazitäten. Bei einigen Diodenarten (Zweirichtungsdiode, Diac; Zweirichtungs-Thyristordiode; Vierschichtdiode; Unijunction-Transistor, Zweizonentransistor, Doppelbasisdiode; Thyristor) sind sogar abschnittweise negative differentielle Widerstände erreichbar. Die Parameter von Dioden hängen vom einfallenden Licht und der Sperrschichttemperatur, sowie vor allem vom Aufbau ab.

Es gibt verschiedene Arten von Dioden für verschiedene Einsatzzwecke. Heute werden fast nur Halbleiterdioden verwendet.

Vorgänger der Halbleiterdioden in der praktischen Anwendung waren die Röhrendioden (Elektronenröhren).

Schaltzeichen für eine Diode
Schaltzeichen einer Halbleiterdiode, zwei Varianten

1904 wurde erstmals eine Röhrendiode als Gleichrichter eingesetzt. Sie bestand aus einer geheizten Kathode und einer Anode.

Die Funktionsweise der Halbleiter-Dioden basiert auf der Sperrschicht eines p-n-Übergangs. Bauformen sind die Spitzendiode (1874), die später als Detektor im Detektor-Empfänger genutzt wurde und die Flächendiode (1938).

thumb|right|Diode und Spule eines Teilchenbeschleunigers

Foto einer Auswahl von Dioden
Foto einer Auswahl von Dioden, ganz links: Brückengleichrichter
Inhaltsverzeichnis

Aufbau einer Diode

Die Grundlage der Halbleiterdiode ist ein n-p-dotierter Halbleiterkristall, dessen Leitfähigkeit abhängt von der Polung der Betriebsspannung an Anode (p-dotiert) und Katode (n-dotiert). Der p-n-Übergang (graue Fläche) ist eine Zone, die frei ist von beweglichen Ladungsträgern, da die positiven des p-Kristalls sich hier mit den negativen des n-Kristalls ausgeglichen (rekombiniert) haben. Da die ebenfalls vorhandenen ortsfesten Ladungen nicht rekombinieren können, herrscht innerhalb der Zone ein elektrisches Feld, welches einen Ladungstransport unterbindet. Dieses Feld kann durch eine von außen angelegte Spannung - je nach Polung - kompensiert werden, dann wird der p-n-Übergang leitfähig, oder es kann verstärkt werden, dann bleibt er gesperrt.

Ersatzschaltung

Für die Berechnung kann man verschieden genaue Ersatzschaltungen der Diode verwenden. Dabei wird jeweils von bestimmten Eigenschaften abstrahiert.

Formeln

Statisches Verhalten

ideale Diode

Die Shockley Formel (benannt nach William Bradford Shockley) beschreibt die Kennlinie der idealen Diode. Sie gilt bei UD ≥ 0, wird gelegentlich aber auch zur Beschreibung für die Kennlinie bei UD < 0 verwendet.
I_D = I_S(e^{U_D \over {n \cdot U_T}}-1)
Sättigungssperrstrom: I_S \approx { 10^{-12} \dots 10^{-6} A}
Emissionskoeffizient: n \approx 1 \dots 2
Temperaturspannung: U_T = {{k \cdot T} \over q} \approx {26 mV}
Wenn man die resultierende Kennlinie betrachtet, nimmt der Strom durch die Diode ID exponentiell zur angelegten Spannung zu. Ab einer Spannung von etwa 0,4V beginnt bei SI-Dioden der Strom merklich anzusteigen. Der eigentliche Betriebsbereich liegt hierbei bei einer Spannung UF (forward Voltage) von etwa 0,6V bis 0,7V. Bei Schottky- und Germanium-Dioden beginnt ein nennenswerter Strom bereits bei etwa 0,2V; der Betriebsbereich liegt bei etwa 0,3 V bis 0,4 V. Wenn man eine negative Spannung an eine Si-Diode anlegt beginnt ab etwa -50V bis -1000V die Diode ebenfalls leitend zu werden; eine Schottky-Diode bei etwa -10 V bis -200 V. Man spricht hierbei von der Durchbruchsspannung UBR der Diode, welche mit umgekehrten Vorzeichen angegeben wird. Durch spezielle Dotierungen erreicht man auch Durchbrüche unter -5V. Dieser Effekt wird für Z-Dioden verwendet.
Für Einfache Berechnungen kann die Diode als Schalter mit einen in Serie geschaltenen Bahnwiderstand RB angesehen werden, welcher ab einer Spannung von 0,4 V schließt.
Der Strom durch die Diode setzt sich hierbei aus dem Hochstromeffekt ID,D, dem Leckstrom ID,R und den Durchbruchsstrom IDBR zusammen:
I_{D} = {I_{D,D} + I_{D,R} + I_{D,BR} \,{}}

Differentieller Widerstand

Der differenzielle Widerstand ergibt sich aus der Tangente durch den Arbeitspunkt der Diode. Durch die Verwendung einer Geraden anstatt der tatsächlichen Exponentialfunktion werden die benötigten Rechenschritte wesentlich vereinfacht.
r_D = {{d{U_D}} \over {d {I_D}}} \forall A  \cdot  u_D = {{n  \cdot  U_T} \over {I_{D,A}+I_S}} {\begin{matrix} {{I_{D,A}} \gg {I_S}} \\ {\approx} \\ {} \end{matrix}} {{n \cdot U_T} \over I_{D,A}}
Arbeitspunkt: A

Bei großen Strömen wird rD sehr klein und man muss zusätzlich den Bahnwiderstand RB berücksichtigen, welcher mit rD in Serie geschalten wird.
Diese Ersatzschaltung eignet sich nur für Frequenzen von 0...10 kHz. Bei höheren Frequenzen, wie sie auch beim Ein- und Ausschalten auftreten, muss man zusätzlich die kapazitiven Eigenschaften der Diode berücksichtigen.

Temperaturabhängigkeit

Die Diodenkennlinie variiert stark mit der Temperatur. Aus der Formel für die ideale Diode ergibt sich unter Berücksichtigung der Temperatur die Formel:
I_D({U_D,T}) = I_S(T) \left( e^{{U_D} \over {n U_T(T)}}-1 \right) mit:


Dabei ist k = {1{,}38} \cdot 10^{-23} \cdot V \cdot A \cdot s \cdot K^{-1} die Boltzmannkonstante, q={1{,}602} \cdot 10^{-19} \cdot A \cdot s die Elementarladung und U_G = 1{,}12 \cdot V die Bandabstandsspannung (gap voltage) von Silizium.


Zusätzlich muss man auch die Temperaturabhängigkeit der Spannung berücksichtigen.
{{{d U_D} \over {d T}} \forall ({I_D = {const.}}}) = {{U_D - U_G - {3} \cdot {U_T}} \over T}  \begin{matrix} {T = 300 \cdot K} \\ {U_D = 0{,}7 \cdot V} \\ {\approx} \\ {} \\ {} \end{matrix} {-1{,}7 {{m V} \over K}}

Diffusionsstrom

Der Diffusionsstrom tritt im mittleren Durchlassbereich auf. Hier dominiert der Diffusionsstrom. Die Formel ergibt sich aus der idealen Diode mit:
I_{D,D} = I_S ({e^{U_D \over {n U_T}}}-1)
Bei Schottky-Dioden kann man mit der selben Formel den Emissionsstrom beschreiben.

Hochstromeffekt

Der Hochstromeffekt bewirkt eine Zunahme von n im Bereich der mittleren Ströme auf 2n bei ID→∞. {I_{D,D} ={{I_S \cdot \left(  e^{U_D \over {n \cdot U_T}-1} \right)} \over {\sqrt{ 1 + {I_S \over I_K} \cdot \left(  e^{U_D \over {n \cdot U_T}-1} \right) }}}} \approx {\begin{cases} {I_S  \cdot e^{U_D \over {n U_T}}}  & {\mbox{ wenn }{I_S \cdot {e^{U_D \over {n \cdot U_T}}}} < I_K} \\ {\sqrt{I_S \cdot I_K}} \cdot e^{ U_D \over {2 \cdot n \cdot U_T}} & {\mbox{ wenn }{I_S \cdot {e^{U_D \over {n \cdot U_T}} > I_K}}} \end{cases} }

Hierbei beschreibt der Kniestrom IK die Grenze zum Hochstrombereich.

Leckstrom (Rekombinationsstrom)

Der Leckstrom ergibt sich aus:
{I_{D,R}} ={ I_{S,R} \cdot \left( e^{ { {U_D} \over {n_R \cdot U_T} }-1} \right) \cdot \left( {\left( 1-{ {U_D}\over{U_{diff}} } \right) }^2 + 5 \cdot {10^{-3}} \right)^{m_S \over 2} }
Hierbei ist ISR der Leck-Sättigungssperrstrom, n_R \ge 2 der Emissionskoeffizient, U_{diff} \approx {{0{,}5 \dots 1} \cdot V} die Diffusionsspannung und m_S \approx {\frac{1}{3} \dots \frac{1}{2}} der Kapazitätskoeffizient.

Durchbruch

Der Durchbruch tritt auf, wenn UD < − UBR. Dieser Effekt wird vor allem bei Z-Dioden angewendet, wobei UBR durch geeignete Dotierung auch auf unter 5V gesenkt werden kann.
I_{D,BR}= {- I_{BR}} \cdot e^{- {{U_D + U_{BR}}\over{n_{BR} \cdot U_T}}}
Hierbei ist U_{BR} \approx {{50 \dots 1000} \cdot V} die Durchbruchsspannung, IR der Durchbruchskniestrom und n_{BR} \approx 1 der Durchbruch-Emissionskoeffizient.

Bahnwiderstand

U_D = U'_D + I_D \cdot R_B

Dynamisches Verhalten

Sperrschichtkapazität

C_S(U'_D) = \frac{C_{S0}}{ {\left( 1- \frac{U'_D}{U_{diff}} \right)}^{m_S}} für U'D < Udiff

C_S(U'_D) = C_{S0} \cdot \begin{cases} { \frac 1 {{\left( 1 - \frac{U'_D}{U_{diff}} \right) }^{m_S}} } & \mbox{wenn }{{U'_D} \le {f_S \cdot U_{diff}}} \\ {\frac {1 - f_S \cdot { \left( 1 + m_S \right) } + \frac{ m_S \cdot U'_D }{U_{diff}}}{ { \left( 1 - f_S \right) }^{ \left( 1 + m_S \right) }}} & \mbox{wenn }{U'_D > f_S \cdot U_{diff}} \end{cases}

Diffusionskapazität

C_{D,D}{ \left( U'_D \right) }= \frac{d Q_D}{d U'_D} = \frac{{\tau}_T \cdot I_{DD}}{n U_T} \cdot \frac{1+ \frac{I_S}{2 \cdot I_K} \cdot e^{ \frac{U'_D}{n \cdot U_T}}}{1+ \frac{I_S}{I_K} \cdot e^{ \frac{U'_D}{n \cdot U_T}}}

C_{D,D} \approx {\frac{{\tau}_T \cdot I_D}{n \cdot U_T} \cdot \frac{1 + \frac{I_D}{2 \cdot I_K}}{1 + \frac{I_D}{I_K}} { \begin{matrix} { I_D \ll I_K } \\ {\approx} \\ {} \end{matrix} } \frac{{\tau}_T \cdot I_D}{n \cdot U_T}}

Kleinsignalmodell

statisches Kleinsignalmodell

r_D = r_{D,D} \approx \frac{n \cdot U_T}{I_{D,A}}
r_Z = r_{D,BR} = {\frac{n_{BR} \cdot U_T}{ \left| I_{D,A} \right|}}

dynamisches Kleinsignalmodell

r_D \approx {{n \cdot U_T} \over {I_{D,A}}}
C_D \approx {{{{\tau}_T \cdot I_{D,A}} \over {n \cdot U_T}} + 2 \cdot C_{S0}} = {{{\tau}_T \over r_D} + 2 \cdot C_{S0}}

Diodentypen

Neben der einfachen Diode gibt es eine Reihe von speziellen Halbleiterdioden für unterschiedliche Einsatzzwecke:

Gleichrichtung

Spannungsstabilisierung

Optik

Kapazitive Dioden

andere

Literatur

Siehe auch

See also: Diode, 1874, 1904, 1938, Anode, Avalanchediode, Bandabstand, Bauform, Boltzmannkonstante, Detektor-Empfänger