Prostitution

Prostitution (Lat. prostituere: sich öffentlich hinstellen) bezeichnet das Anerbieten, sexuelle Handlungen gegen Entgelt vorzunehmen. Die Prostitution wird umgangssprachlich „ältestes Gewerbe der Welt“ und „das horizontale Gewerbe“ genannt.

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Japanischer Farbholzschnitt von Kitagawa Utamaro, der eine Prostituierte mit ihrem Kunden darstellt
Inhaltsverzeichnis

Prostituierte

Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Prostituierte, wobei die Frauen deutlich in der Überzahl sind. Weibliche Prostituierte befriedigen meist die Bedürfnisse von männlichen Kunden, den so genannten Freiern. Männliche Prostituierte (zum Beispiel Strichjungen und Callboys) erfüllen zumeist ebenfalls die Wünsche von männlichen Kunden. Weibliche Kunden von Prostituierten gibt es nur selten, sie gelten weitestgehend als ein von den Medien geschaffenes Phantom. Männer, die ihre Dienste ausschließlich Frauen anbieten, treffen in der Regel nicht auf genug Nachfrage, um dieses Angebot aufrecht erhalten zu können. Ausnahmen gibt es gelegentlich in den Randzonen der Prostitution durch so genannte Gigolos. Auch der in manchen Anzeigen männlicher Prostituierter zu findende Hinweis „Damen angenehm“ o.ä. sprechen eher für die Wünsche meist noch neuer, männlicher Prostituierter als für die Existenz weiblicher Kunden. Ein entsprechender Hinweis bei Anzeigen weiblicher Prostituierter soll wohl eher männliche Phantasien über lesbische Sexualität anregen als tatsächlich weibliche Kunden anlocken.

Für Prostituierte sind zahlreiche andere Bezeichnungen gebräuchlich, die teils eher abwertend, teils eher neutral verstanden werden, zum Beispiel Nutte, Hure, Dirne, "leichtes Mädchen", Bordsteinschwalbe, Liebesdienerin. Manche Begriffe sind inzwischen veraltet und werden heute kaum noch verstanden, zum Beispiel Metze, Kokotte oder Hübscherin. Um deutlich zu machen, dass es sich bei der Prostitution weder um eine Freizeitbeschäftigung noch um eine Weltanschauung, sondern um eine Form der Arbeit handelt, werden Prostituierte vor allem von Prostituierten-Selbsthilfevereinigungen auch als Sexarbeiterinnen bezeichnet.

Formen der Prostitution

Die Grenzen der Prostitution sind fließend, sowohl hinsichtlich der Prostituierten als auch hinsichtlich der Dienstleistung. Bei den Prostituierten reicht das Spektrum von Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdienen, über solche, die sich gelegentlich damit etwas dazu verdienen, bis zu solchen, die bei Gelegenheit für eine einzelne angestrebte Gegenleistung (Urlaub, Geschenk) Sex anbieten oder in ihn einwilligen. Diese letzte Gruppe wird in der Regel nicht mehr zu den Prostituierten gerechnet.

Bei den angebotenen Dienstleistungen geht es vom Sex in allen möglichen Varianten über die Unterhaltung, an deren Ende Sex steht, bis zur Unterhaltung, die Sex einschließen kann aber nicht muss. Die beiden letzten Varianten – oft von so genannten Begleitern angeboten – sind untypisch für die Prostitution. Reine Unterhaltung gehört gar nicht zur Prostitution, weswegen die gelegentliche Bezeichnung von Geishas als Prostituierte falsch ist.

Art und Umfang der sexuellen Dienstleistungen wird zwischen Prostituierten und Freiern im Vorfeld verhandelt. Nicht angesprochene Wünsche sind in der Regel nicht im Preis enthalten, so dass es dann zu Nachforderungen seitens der Prostituierten kommen kann.

Prostitution findet oft im Rahmen des Rotlichtmilieus, manchmal in einem Rotlichtviertel statt.

Die gewerbsmäßige Prostitution gibt es in vier Hauptformen:

Bei der Straßenprostitution findet der Sex in der Regel entweder im Auto des Freiers oder in Hotels statt, oft in so genannten Stundenhotels, die darauf spezialisiert sind.
Wohnwagenprostitution: Diese Geschäftsform findet man an einigen Land- und Bundesstraßen zumeist im ländlichen Raum. Die Prostituierten warten in Wohnwagen, die auf einsamen Parkplätzen oder Feldwegmündungen stehen, auf Kunden.
Die Prostituierten sind meist faktisch Angestellte oder befinden sich in noch größerer Abhängigkeit vom Bordell oder einzelnen Zuhältern, wenn auch aus rechtlichen Gründen oft die Fiktion geschaffen wird, sie seien selbständig.

Bei allen Formen der Prostitution können die Prostituierten unter der Kontrolle eines – meist männlichen – Zuhälters stehen, was jedoch bei männlichen Prostituierten unüblich ist. Es kann sein, dass ein Zuhälter die Prostituierten unter Einsatz von Gewalt oder psychischer Manipulation (also durch gezieltes Ausnutzen von persönlichen Schwächen), gelegentlich auch suchterzeugenden Drogen, in einem Zustand der Abhängigkeit hält; eine besondere gewaltsame Abhängigkeit wird im Fall des Menschenhandels (siehe auch Moderne Sklaverei) geschaffen. Betroffen sind häufig Frauen aus Südamerika, Osteuropa und Südostasien. In solchen Situationen geht der Verdienst ganz oder weitgehend an den Zuhälter.

Besonders in Verbindung mit Menschenhandel können Zuhälter Teil organisierter Kriminalität sein oder von entsprechenden Organisationen (‚Mafia‘), kontrolliert werden.

In Städten oder Ländern mit rigiden Sperrgebietsverordnungen sind, wegen der verschärften Konkurrenzsituation auf engem Raum, die Prostituierten eher dem Zugriff von Zuhältern ausgesetzt. Eine Prostituierte ohne Zuhälter wird hier oft von den Zuhältern der anderen Prostituierten gewaltsam vertrieben.

Geschichte der Prostitution

thumb|Zimmer eines Lupanar in Pompeji [[Bild:Étienne Jeaurat 001.jpg|thumb|Transport der Freudenmädchen zur Polizeiwache, Étienne Jeaurat, 1755]]

Schon im Altertum, so in Babylon, existierte die so genannte Tempelprostitution. Gegen Geschenke wurden dort von Frauen sexuelle Handlungen vollzogen. In der griechischen Antike sind Prostituierte (Hetären) im heutigen Sinne bezeugt, das heißt ohne sakralen Hintergrund.

Im 12. Jahrhundert werden in Europa die ersten Bordelle urkundlich erwähnt, historisch sind sie bereits aus dem römischen Altertum bekannt, wo zum überwiegenden Teil Sklavinnen und Sklaven beschäftigt waren. In Europa nahm die Zahl der Prostituierten insbesondere im 19. Jahrhundert zu. Die zunehmende Landflucht führte dazu, dass ein immer größer werdende Anteil der Stadtbevölkerung nicht in der Lage, einen Lohn zu verdienen, der für den Lebensunterhalt ausreichte. Besonders betroffen waren davon Frauen, die in aller Regel nur über eine geringe Ausbildung verfügten und denen häufig nur Berufe offen standen, in denen sie geringfügige Gehälter verdienten. Zu den sogenannten Gelegenheitsprostituierten zählten Dienstmädchen, Modistinnen, Blumenfrauen und Wäscherinnen, die sich auf diese Weise ihr Gehalt aufbesserten. Manche Frauen waren allein über die Prostitution in der Lage, ausreichend Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die im 19. Jahrhundert zunehmende Prostitution führte dazu, dass immer mehr Staaten dazu übergingen, die Prostitution gesetzlich zu regulieren. Eine solche Regulierung, gerechtfertigt durch eine beabsichtigte soziale und gesundheitspolitische Kontrolle, machte es den Prostituierten praktisch unmöglich, ihrem Milieu zu entkommen. Die Reglementierungen zementierte auch die sexuelle Doppelmoral, die Prostitution gesellschaftlich ächtete, sie aber gleichzeitig als ein für Männer notwendiges Übel ansah. Viele Frauen der Mittelschicht wehrten sich gegen diese Doppelmoral. Zu den entschiedensten Kämpferinnen dagegen zählte Britin Josephine Butler, die den Kampf der Ladies' National Organisation gegen die Contagious Disease Acts anführte. Diese Kampagne, die in Prostituierten weniger "Schuldige" als die Opfer männlicher Lüsternheit sah, veränderte die politische Landschaft Großbritanniens der Spätviktorianischen Zeit. Mit der Kampagne, die sich für Prostituierte einsetzte, wurden soziale und sexuelle Konventionen hinterfragt, die nie zuvor öffentlich diskutiert wurden. Die Kampagne radikalisierte zahlreiche Frauen der britischen Mittelschicht, härtete sie ab gegenüber öffentlichen Angriffen und Verleumdungen und schuf eine Infrastruktur des politischen Protests. Sie erreichte schließlich 1886 die Abschaffung der Erlasse, die Prostituierte zum Opfer staatlicher Willkür machte. Vergleiche auch den Hauptartikel Contagious Disease Acts.

Während des II. Weltkriegs wurden von der Wehrmacht und der SS Hunderte von Wehrmachtsbordellen eingerichtet. Zehntausende von Frauen wurden zur Prostitution gezwungen. Frauen, die sich bei dieser Form der Zwangsarbeit mit Geschlechtskrankheiten angesteckt hatten, wurden erschossen. Den von den Japanern euphemistisch so genannten "Trostfrauen", meist Chinesinnen, drohte ähnliches. Ein weniger brutales System der Prostitution für ihre Truppen betrieben allerdings auch alle anderen Kriegsparteien.

Prostitution in Deutschland

Nach Schätzungen von Hydra und anderen Hilfsorganisationen arbeiten in Deutschland 100 000 bis 200 000 Ausländerinnen als Prostituierte, davon ein erheblicher und zunehmender Teil Osteuropäerinnen; Kolumbien, Thailand und Schwarzafrika sind weitere bedeutende Herkunftsgebiete. Viele dieser Frauen werden von kriminellen Banden eingeschleust und dann zur Prostitution gezwungen. Oft greifen die Frauen aus psychischen Gründen auf Drogen zurück, die ihnen oft von denselben Banden verkauft werden. Schätzungen zufolge sind etwa 90% aller ausländischen Prostituierten drogenabhänigig.

In den 1990er Jahren machten in Deutschland gewerkschaftsähnliche Selbsthilfegruppen Prostituierter auf die rechtlose Situation von Prostituierten aufmerksam und forderten die Anerkennung von Prostitution als Beruf. Mit dem Prostitutionsgesetz (Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostitution – ProstG vom 20. Dezember 2001; BGBl. I S. 3983) wurde die Prostitution in Deutschland gesetzlich geregelt. Vereinbarungen über sexuelle Handlungen gegen Entgelt begründen eine rechtswirksame Forderung der Prostituierten, sie gelten nicht mehr als rechtswidrig. Da die Menschenwürde nicht zur Disposition des Staates steht, auch nicht durch Gesetz, ist die Prostitution nach Auffassung von manchen Juristen auch weiterhin sittenwidrig (vgl. Palandt-Heinrichs § 138 BGB Rn. 52), durch das ProstG entstehe aber nach Vornahme der sexuellen Handlungen ein gesetzliches Schuldverhältnis. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichtes Berlin war jedoch die Prostitution bereits vor dem Prostitutionsgesetz nicht mehr sittenwidrig: "...die staatliche Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG) darf nicht dazu mißbraucht werden, den einzelnen durch einen Eingriff in die individuelle Selbstbestimmung gleichsam vor sich selbst zu schützen..." (VG Berlin, Urteil vom 01.12.2000, VG 35 A 570.99). Der Europäische Gerichtshof hat klargestellt, dass Prostitution zu den Erwerbstätigkeiten gehört, die "Teil des gemeinschaftlichen Wirtschaftslebens" im Sinne von Art. 2 EG sind (EuGH v. 20.11.2001 – Rs. C-268/99).

Seit 2002 nehmen auch gesetzliche Krankenversicherungen Prostituierte auf, da sie als Mitarbeiterinnen ihres Zuhälters entweder als Arbeitnehmerinnen oder als Scheinselbstständige gelten. Grundsätzlich könnten sich Prostituierte auch privat krankenversichern; allerdings werden sie von privaten Krankenversicherungen in der Regel wegen zu hoher Risiken abgelehnt.

Die Machtverhältnisse im deutschen Rotlichtmilieu haben sich im Laufe der Zeit massiv verändert.

Verbände und Selbsthilfegruppen

Die Gewerkschaft ver.di versucht, mit einem Arbeitskreis Prostitution (Fachbereich 13 Besondere Dienstleistungen), die Interessen von Prostituierten zu vertreten. Dabei konzentriert sich die Gewerkschaft auf die arbeitsrechtliche Absicherung von Prostituierten, unter anderem mit einem Muster-Arbeitsvertrag.

Als Arbeitgeberverband im Bereich der Prostitution gibt es den Bundesverband sexuelle Dienstleistungen e.V. (BUSD) mit Sitz in Berlin.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen und ‚Huren-Projekte‘ wie etwa Hydra.

Der Organisationsgrad von Prostituierten ist allerdings durchweg niedrig.

Prostitution in Japan

In Japan ist Prostitution weit verbreitet und der Übergang zu "unbezahltem, freiwilligen" Geschlechtsverkehr viel fließender als im Westen. Millionen von jungen Mädchen haben zumindest zeitweise in Hostess-Clubs gearbeitet; Hunderttausende Oberschülerinnen verkaufen ihre Körper oder ihre Begleitung im Enjokosai-System.

Die japanischen Geishas stellen dagegen eine Art gebildete Unterhalterin dar. Zum Geschlechtsverkehr kommt es mit ihnen in der Regel nicht; sie gehören daher nicht zu den Prostituierten.

Prostitution ist weniger ehrenrührig als im Westen. Auf der Seite der Männer ist es ganz normal, den Geschäftspartner in einschlägige Clubs auf Firmenkosten auszuführen; auf der Seite der Frauen ist Prostitution fast immer freiwillig und wird ganz pragmatisch als eine Methode gesehen, schneller an Geld zu kommen als mit normalen Jobs. Dies illustriert ein häufiges Motiv japanischer Comics , wo der Vater oder der Freund beim Besuch eines Hostess-Clubs auf seine eigene Tochter bzw. Freundin trifft.

Prostitution in anderen Ländern außerhalb Europas

Kinderprostitution

Schätzungen von UNICEF zufolge werden weltweit etwa drei bis vier Millionen Kinder im Rahmen von Kinderprostitution kommerziell sexuell ausgebeutet; dabei ist die Definition von "Kind" meist "Person unter 18 Jahren". Prostitution von Personen unter 14 Jahren geschieht ebenfalls, ist aber sehr viel seltener.

Ursachen der Prostitution

Neben der freiwilligen Berufswahl führen als häufigste Ursachen wirtschaftliche Not oder Zwang in die Prostitution. Die Abgrenzung zwischen wirtschaftlichen Gründen und freiwilliger Berufswahl ist oft schwierig; viele Frauen gerade in wirtschaftlich schwachen Ländern werden Prostituierte, weil ihnen kein attraktiver oder auch nur akzeptabler Beruf offen steht.

Ein Grund für Prostitution kann auch Geldbeschaffung für Drogen sein. Hier kann ein Teufelskreis entstehen, in dem die schwierige emotionale Situation einer oder eines Prostituierten den Drang einer Betäubung mittels Drogen bedingt.

Bei der erzwungenen Prostitution werden vor allem Frauen aus wirtschaftlich schwachen Staaten von Menschenhändlern unter Vorspiegelung legaler Arbeitsmöglichkeiten in reichere Länder gelockt, wo sie durch Abnahme der Reisepapiere in persönliche und finanzielle Abhängigkeit gebracht und dann zur Prostitution gezwungen werden. Manche der Frauen wissen zwar von vornherein, dass sie als Prostituierte arbeiten sollen, wissen aber nicht über die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen Bescheid. Andere werden mit falschen Hilfsarbeiter-Jobs geködert oder sogar schlicht gewaltsam entführt.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Organisationen

See also: Prostitution, 12. Jahrhundert, 1990er, 20. Dezember, 2001, 2002, Altertum, Angestellter, Antike, Arbeit