Disputation
Die Disputation ist ein wissenschaftliches Streitgespräch, das eine der Prüfungsformen zur Erlangung von akademischen Graden darstellt.
Die Bezeichnung Disputation kann aus dem lateinischen disputatio und quaestio disputata (Quaestio) und dem mittelhochdeutschen disputazie abgeleitet werden. Es ist im akademischen Geist ein öffentlicher Wortkampf der Gelehrten über ein feststehendes Thema gemeint.
Hierbei stellte der Respondent oder Defendent eine Behauptung auf bzw. vertrat eine These, die der Opponent durch eine Gegenthese oder Antithese zu widerlegen suchte. Die Zuhörer (corona) standen hinter den Schranken (carceres). Das Verfahren einer Disputation baute auf der Lehrmethode der Scholastik auf:
- Zweifel,
- Untersuchung,
- Erkenntnis,
- Einwand,
- Lösung.
Die Disputation war vom Mittelalter bis in die Neuzeit die übliche Methode zur Klärung wissenschaftlicher Streitfragen. Eine der berühmtesten Disputationen ist diejenige Luthers mit Eck 1519 in Leipzig.
Gleichzeitig war die Disputation aber auch eine Art Prüfung bei der Erlangung wissenschaftlicher Grade. Es gab eine
- Inaugural-Disputation,
- Habilitations-Disputation,
- Promotions-Disputation
vor der versammelten Fakultät.
Im Spätmittelalter wurde die Disputation auch zur Verbesserung der Redegewandheit der Schüler und Studenten gepflegt. Christian Wilhelm Kindleben spricht aber schon 1781 davon, dass die Disputationes selten würden. In Deutschland war die Disputation vor dem zweiten Weltkrieg nur noch an den theologischen und juristischen Fakultäten üblich und wurde zumeist durch das Kolloquium ersetzt.
Die Disputation wird heutzutage an vielen Universitäten wieder eingeführt, nicht zuletzt wegen der Tatsache der traditionellen Verwendung an den Universitäten und Hochschulen in der ehemaligen DDR und Ost- und Mitteleuropas. Beispielsweise findet die Verteidigung der Doktorarbeit an tschechischen und polnischen Universitäten ausschliesslich in Form einer öffentlichen Disputation statt.
Im Unterschied zum Rigorosum bezieht sich die heutige Disputation in der Regel nur auf das Thema der Dissertation oder Habilitation . Sie dient der wissenschaftlichen Auseinandersetzung sowie der Abwägung der Argumente (pro und contra) und ist nicht Personen-bezogen.
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