Distinktion

"Distinktion" bedeutete ursprünglich in der gehobenen Umgangssprache vornehme Abgehobenheit (Beispiel: ein Herr von Distinktion), wird aber heute von einigen Autoren als logischer Begriff für eine elementare Unterscheidungsoperation verwendet.

Insbesondere auch für eine spezielle nach der von George Spencer-Brown entwickelten Logik arbeitende Unterscheidung. In dessen Hauptwerk Laws Of Form (dt. Gesetze der Form) wurde diese "Ur-Unterscheidung" bzw. "Ur-Operation" formalisiert und gleichzeitig mit dem berühmten Satz "Draw a distinction." umschrieben.

In der Soziologie wird der Begriff der Distinktion verwendet, um die mehr oder weniger bewusste Abgrenzung von Angehörigen bestimmter sozialer Gruppen (z.B. Klassen, aber auch kleinere Einheiten wie etwa Jugendkulturen) zu bezeichnen. In der historischen Betrachtung wurden diese Mechanismen erstmals in der Feudalgesellschaft des 16.-19. Jh. verortet. Norbert Elias beschreibt den Drang des Adels zur ständigen Verfeinerung der 'Sitten', um sich vom in diesem Zeitraum aufstrebenden Bürgertum abzugrenzen, als wesentliche Triebfeder der heutigen Ausprägungen menschlicher Umgangsformen.

Pierre Bourdieu legt in einem seiner Hauptwerke "Die feinen Unterschiede" (Original: "La distinction") eine "Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft" vor, indem konkrete Ausprägungen von Geschmacksvorlieben (bezogen auf Kunst, Musik, Möbel, Essen, Trinken, Reisen etc.) als Folge des jeweiligen sozialen Status anzusehen sind; wichtigste Triebfeder ist hier wiederum der Wille zur Abgrenzung, zur Distinktion von anderen (z.B. sozial schlechter gestellten) Personen oder Gruppen. Dabei setzen die Oberschichten die Standards für die jeweils hoch angesehenen Lebensstile.

See also: Distinktion, George Spencer-Brown, Jugendkultur, Laws Of Form, Logik, Norbert Elias, Pierre Bourdieu, Raum der Lebensstile, Soziale Klasse, Sozialer Status