Dorfgeschichte

Der Begriff Dorfgeschichte bezeichnet ein literarisches Genre, das vor allem Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts populär war.

Die Gattungsbezeichnung stammt aus der Zeit um 1840 und ist gelegentlich auf Kritik gestoßen, weil ihre Definition nicht eindeutig ist und die Abgrenzung zu anderen Formen volkstümlicher Epik (etwa dem Bauernroman) mitunter schwer fällt. Kennzeichen der Dorfgeschichte sind ihr Schauplatz, das überschaubare dörfliche Milieu, und ihre realistischen Gestaltungsmittel. Sie kann Sozial- und Kulturkritik enthalten, aber auch idyllisierende Züge aufweisen oder sich in purem Unterhaltungswert erschöpfen. Häufig dienen in ihr die Bauern als Projektionsfläche für Wunschvorstellungen der gebildeten Schichten: Die Dorfsphäre wird zur heilen Welt verklärt und in Gegensatz zur zivilisationsgeschädigten Stadt gesetzt.

Zu den Urhebern der Dorfgeschichte werden unter anderem Gottfried Keller ("Romeo und Julia auf dem Dorfe") und Berthold Auerbach ("Schwarzwälder Dorfgeschichten") gerechnet. Umstritten ist die Auffassung Otto Walzels, beim "Oberhof"-Kapitel von Carl Leberecht Immermanns Romans "Münchhausen" handle es sich ebenfalls um eine frühe Dorfgeschichte. Betätigt haben sich in dem Genre unter anderem auch Karl May, Ludwig Anzengruber, Jeremias Gotthelf und Ludwig Ganghofer. Auch Christian Friedrich Hebbel hat einige Geschichten in dörflicher Szenerie spielen lassen, sich aber zugleich in scharfen Worten gegen die "Bauern-Verhimmlung unserer Tage" ausgesprochen, so dass der Germanist Jürgen Hein ihn als Begründer der "Anti-Dorfgeschichte" bezeichnet.

Literatur

Weblinks

See also: Dorfgeschichte, Berthold Auerbach, Carl Leberecht Immermann, Christian Friedrich Hebbel, Gottfried Keller, Jeremias Gotthelf, Karl May, Ludwig Anzengruber, Ludwig Ganghofer