Dresden Hauptbahnhof

thumb|200px|Dresden Hauptbahnhof heute
thumb|250px|Dresdner Bahnhof von der Nordwesteinfahrt

Der Hauptbahnhof in Dresden wurde 1892-1897 unter Leitung von Ernst Giese, Paul Weidner und Arwed Rosbach anstelle des Böhmischen Bahnhofes erbaut und wurde 1898 seiner Bestimmung übergeben. Seit jeher war er mit S-Bahn und Straßenbahnlinien zu erreichen. Die dreischiffige Stahlbogenhalle besaß 18 Bahnsteige.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Konstruiert wurde er im Mittelschiff (Spannweite 50 m) ebenerdig als Kopfbahnhof, in den Seitenschiffen (Spannweiten 30 m) als Hochbahnsteige für den Durchgangsverkehr. Häufigste Fernverkehrsziele sind Berlin, Hamburg, Leipzig, Prag und Budapest. Die Zahl der Direktverbindungen entspricht der eines Bahnhofes mit überregionaler Bedeutung als Umsteigebahnhof. Vor dem Mittelschiff liegt die Empfangshalle aus Sandstein. An der Nordseite liegt der so genannte Königspavillon, der bis etwa 2000 das "Kino am Hauptbahnhof" beherbergte.

Nach den Kriegszerstörungen 1945 wurde er durch die DDR vereinfacht, auf der städtischen Ostseite vorerst verkleinert, aber insgesamt doch sehr ähnlich, wieder aufgebaut. Provisorische Parkplätze und Verkehrsführungen sowie Zuleitungen prägten und prägen nun das Bild ringsum. Seit 2002 bis 2006 erfolgt eine umfassende Rekonstruktion des Bahnhofes selbst, unter anderem mit einem neuen Dach nach Entwürfen des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster, eine Vollüberdachung der oberen äußeren Bahnsteigflächen wurde jedoch vom Bauherren Bahn aufgegeben. Er ist einer der letztmodernisierten größeren Bahnhöfe Deutschlands. Die Umfeldgestaltung, insbesondere auf dem Wiener Platz, erfolgte nach dem Kriege teils primitiv und konnte architektonisch und vom Metropolcharakter her in keinesfalls an die Vorkriegszeit anknüpfen. 2004 stellt der Platz mitsamt der kompletten Untertunnelung und verschiedenen größeren Gebäuden noch immer eines der vom Investionsvolumen her größten Bauvorhaben Deutschlands dar und wird von Dresdnern und Gästen mit kritischem Interesse verfolgt.

Geschichte

Flüchtlingszüge

thumb|250px|Dresden Hauptbahnhof um 1900. Am 3. Oktober 1989 kam es während der ansonsten meist friedlichen Revolution zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Volkspolizei und etwa 3000 Demonstranten am Hauptbahnhof.

1933 bis 1945

Während der Zeit des Nationalsozialismus spielte der Bahnhof der Garnisonsstadt eine Rolle bei Truppentransporten und Gefangenentransporten. Durch die Luftangriffe auf Dresden brannte er in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 aus. Bei den nachfolgenden Luftangriffen wurden auch die Gleise schwer beschädigt. Nach den Angriffen im April 1945 war der Hauptbahnhof vollständig funktionsuntüchtig.

Flutkatastrophe 2002

Im Jahr 2002 wurde der Hauptbahnhof während der Jahrhundertflut schwer überschwemmt, nicht wie oft vermutet von der Elbe, sondern von dem kleineren Gebirgsfluß Weißeritz. Der Verkehr konnte jedoch schnell wieder aufgenommen werden.

Versuchter Bombenanschlag am 6. Juni 2003

Am 6. Juni 2003 wurde eine Kofferbombe auf dem Hauptbahnhof entdeckt. Ein Sprengstoffspürhund hatte angeschlagen und nach einer Evakuierung des gesamten Hauptbahnhofes wurde der Koffer durch die Polizei kontrolliert zerstört. Die Bombe bestand aus einem handelsüblichen Koffer mit Rollen, einem Wecker, einem Schnellkochtopf und Steinen aus einem Steinbruch in Hof (Bayern). Die scharfe Bombe mit Zündschnur und Zündvorrichtung und dem enthaltene Sprengstoff hätte unter den Reisenden ein Blutbad mit bis zu mehreren Hundert Opfern anrichten können. Anscheinend war aber der Zeitschalter stehen geblieben. Ein im Koffer befindlicher Bibelkalender, der nur im Vogtland verteilt wurde, führte zu einem vorbestraftem Rentner Ulrich V., der diesen Sprengsatz gebastelt hatte. Er musste sich später wegen versuchtem Mordes vor Gericht verantworten. Seine Verteidiger argumentierten, er habe die Batterien falsch eingesetzt, sodass eine Explosion nicht möglich gewesen wäre.

Anbindung an den ÖPNV

thumb|250px|Empfangshalle im Ostflügel 2002, zur Zeit wegen Umbaus für die Öffentlichkeit nicht zugänglich Neben dem Bahnhof Neustadt ist der Hauptbahnhof dominierend als innerstädtischer Anlaufpunkt für den überregionalen öffentlichen Verkehr. Neben dem Postplatz, dem Albertplatz und dem Pirnaischen Platz markiert er einen der fünf größten Straßenbahnknotenpunkte. Vor dem Hauptbahnhof befindet sich der Wiener Platz als Portal zur ebenfalls völlig neugestalteten Prager Straße. Von dort gelangt man beispielsweise mit der Linie 7 in den Dresdner Westen oder mit der Linie 10 in den Dresdner Osten. Mit der Linie 3 gelangt man vom Hauptbahnhof gen Süden zur TU Dresden, gen Norden weiter in die Innenstadt und zur Elbe. Zahlreiche weitere Straßenbahn- und S-Bahnlinien verbinden größteils auch die Nacht hindurch mit den Stadtteilen und dem Umland, namentlich der Sächsischen Schweiz und Meißen. Die Kreisstadt Dippoldiswalde ist vom Hauptbahnhof auf der Südseite mit dem Bus zu erreichen, der Flughafen mit der S-Bahn.

"Unterm Strick"

Für viele Dresdner bezeichnet seit langer Zeit der Begriff "Unterm Strick" einen bekannten Treffpunkt im Hauptbahnhof Dresden. Mit dieser Bezeichnung ist der Punkt unter einem jahrelang in der Mitte der Empfangshalle herunterhängenden Strick (Elektrokabel?) gemeint. Obwohl im Rahmen der Bahnhofssanierung der Strick entfernt wurde, wird auch heute noch dieser Ort von vielen Dresdnern als Treffpunkt für z. B. die beliebten Ausflüge in die Sächsische Schweiz genannt.

Weblinks

See also: Dresden Hauptbahnhof, 1892, 1897, 1898, 1945, 1989, 2000, 2002, 2003, 2006