Die Dritten Fernsehprogramme
Als die Dritten Fernsehprogramme bezeichnet man in Deutschland die regionalen Programme der ARD. Der Name rührt daher, dass es historisch gesehen (1960er und 1970er Jahre) zunächst nur zwei nationale Fernsehprogramme (ARD und ZDF) gab - von Grenzregionen abgesehen -, und die regional orientierten und daher auch nur regional ausgestrahlten Fernsehprogramme dann in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils die dritten Programme waren. Verantwortlich für die Dritten sind die einzelnen ARD-Rundfunkanstalten.
Neben der regionalen Ausrichtung wiesen die Dritten ursprünglich einige weitere Merkmale auf:
- Sie waren lange Zeit werbefrei (und sind es seit 1992 wieder vollkommen).
- Sie hatten eine kürzere Sendezeit als ARD und ZDF.
- Sie strahlten tägliche Kindersendungen wie Sandmännchen und Sesamstraße aus.
- Sie strahlten das Schulfernsehen aus.
- Vor der Einrichtung von 1 Plus, 3Sat und Arte war einer ihrer Schwerpunkte das Kulturprogramm.
Geschichte
Als erstes der heute insgesamt acht Programme startete der Bayerische Rundfunk (BR) mit seinem Programm "Bayern 3" am 22. September 1964, gefolgt vom Hessischen Rundfunk (hr) mit dem Programm "Hessen 3" am 5. Oktober 1964. Am 4. Januar 1965 folgte "Nord 3" (ein Gemeinschaftsprogramm vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), Radio Bremen (RB) und Sender Freies Berlin (SFB)) und am 17. Dezember 1965 der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit seinem Programm "West 3". Das vorläufige Schlusslicht machten Süddeutscher Rundfunk (SDR), Südwestfunk (SWF) und Saarländischer Rundfunk (SR) mit ihrem Programm "Südwest 3", das am 5. April 1969 auf Sendung ging.
Nach der Wiedervereinigung wurden auch in den neuen Bundesländern eigene Regionalfernsehprogramme eingeführt. Die Bezeichnung "Dritte Programme" wurden jedoch nicht mehr verwendet, weil es inzwischen eine Vielzahl von Programmen gab. Am 1. Januar 1992 gingen die ostdeutschen Regionalprogramme des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) (für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) (für Brandenburg) an den Start. Das Land Mecklenburg-Vorpommern schloss sich seinerzeit dem NDR an. Schließlich trennte sich der SFB vom Gemeinschaftsprogramm "Nord 3" ab und ging mit seinem Programm B1 (später SFB1) am 1. Oktober 1992 auf Sendung. Im Rahmen der Fusion von SWF und SDR zum neuen Südwestrundfunk (SWR) im Jahre 1998 stieg der eigenständig gebliebene Saarländische Rundfunk aus Südwest 3 aus und begründete ein eigenes "SR Fernsehen", das allerdings weiterhin viele Sendungen gemeinsam mit dem Südwest-Fernsehen hat. Mit der Fusionierung von SFB und ORB zum neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im Jahr 2003 wurden auch die beiden Fernsehprogramme umbenannt; diese hießen zwischenzeitlich "RBB Brandenburg" (ex-ORB Fernsehen) beziehungsweise "RBB Berlin" (ex-SFB1). Nunmehr gibt es für das Sendegebiet des RBB ein einheitliches Programm "rbb", das täglich für eine halbe Stunde zwischen Berlin und Brandenburg auseinandergeschaltet wird. Mit der Zusammenführung der RBB-Programme reduziert sich die Anzahl der "Dritten" von neun auf acht. Seit Januar 2005 sind es aber wieder 9 Programme, weil Radio Bremen nun seine regionalen Inhalte im "Dritten" ausstrahlt. Das sogenannte "Radio Bremen TV".
Mit dem Aufkommen neuer Übertragungstechniken wie Kabel- und Satellitenfernsehen entfiel die technische Restriktion knapper Bandbreiten, die zuvor das Programmangebot eingeschränkt hatte. Seitdem sind nahezu alle dritten Programme bundesweit empfangbar. Von den genannten Charakteristika ist mittlerweile fast nur noch der Aspekt der regionalen Berichterstattung übriggeblieben. Weitere Unterscheidungsmerkmale zum Hauptprogramm der ARD sind demgegenüber in den Hintergrund getreten.
Übersicht der Dritten Fernsehprogramme mit ihren zugehörigen Landesrundfunkanstalten
- WDR Fernsehen [1] (WDR; regionale Auseinanderschaltungen in 9 Regionen)
- SR [2] (Fernsehprogramm für das Saarland; keine Auseinanderschaltungen, viele Sendungen gemeinsam mit dem Südwest Fernsehen.)
- NDR [3] (gemeinsames Fernsehprogramm von NDR und Radio Bremen; Auseinanderschaltungen für die vier Landesfunkhäuser des NDR)
- Bayerisches Fernsehen [4] (BR; Auseinanderschaltungen zwischen Franken und Schwaben/Altbayern)
- hr-fernsehen [5] (HR; keine regionalen Auseinanderschaltungen)
- SWR-Fernsehen [6] (SWR mit den regional unterschiedlichen Programmen "Südwest Baden-Württemberg", "Südwest Rheinland-Pfalz"; viele Sendungen auch gemeinsam mit dem Saarländischen SR Südwest Fernsehen.)
- rbb Fernsehen [7] (RBB; Auseinanderschaltungen zwischen Berlin und Brandenburg)
- mdr Fernsehen [8] (MDR; Auseinanderschaltungen für die drei Landesfunkhäuser des mdr)
- Radio Bremen TV [9] (Bremer Regionalversion des dritten Programms in Norddeutschland. RB-TV wird in Zusammenarbeit mit dem NDR produziert.)
