DT64

DT64 war ein Jugend-Hörfunkprogramm der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zeit in der DDR bis 1989

DT64 wird zum DeutschlandTreffen der Jugend 1964 in Ost-Berlin als „Sonderstudio Deutschlandtreffen 1964“ ins Leben gerufen. Dieses strahlt im Mai 1964 99 Stunden ohne Unterbrechnung für die Teilnehmer des Treffens ein Programm mit internationaler Musik und mit viel Live-Anteil aus.

Durch die große Beliebtheit übernimmt der Berliner Rundfunk für die ganze DDR auf Mittelwelle und UKW das „Jugendstudio DT64“. Es ist das erste Radioprogramm der DDR, das sich gezielt an die Jugend richtet. Erich Honecker sagt auf der 11. Tagung des Zentralkomitees der SED: „Über eine lange Zeit hat DT64 in seinem Musikprogramm einseitig die Beatmusik propagiert. In den Sendungen des Jugendsenders wurden in nicht vertretbarer Weise die Fragen der allseitigen Bildung und des Wissens junger Menschen ... außer acht gelassen.“.

Trotz allem bleibt DT64 erhalten und beginnt 1976 mit den „DT64 Jugendkonzerten“. Ab dem 01. September 1981 startet zusammen mit dem Jugendfunk der Stimme der DDR ein regelmäßiges Abendprogramm zwischen 19:00 Uhr und 24:00 Uhr. Zu Beginn ist das Programm nur in Berlin, später auch in der gesamten DDR zu hören.

Am 7. März 1986 startet DT64 als eigenständiger Sender. Zunächst läuft die Sendezeit von 13:00 bis 24:00, nach der Einrichtung einer eigenen DDR-weiten UKW-Senderkette wird die Sendezeit ab Dezember 1987 auf täglich 20 Stunden ausgeweitet. Das Programm startet ab 04:00 Uhr mit dem „Morgenrock“. Sonnabends gibt es internationale Hits mit den Charts aus der BRD, UK und den USA. Beliebt ist auch die Sendung „Duett“, die mehr oder weniger aktuelle Platten vollständig spielt und damit ein Mitschneiden ermöglicht.

Die Zeit nach der Wende

Am 2. Oktober 1989 werden in einem Protokoll des Ministeriums für Staatssicherheit Verbindungen zum Neuen Forum konstatiert. Einen Tag später schließt die DDR die Grenze zur ČSSR und einen weiteren Tag später sagt Herman van Veen auf dem Sender: „Ich werde die Mauer wegsingen“. Während der angespannten politischen Lage vor der Wende berichtet der Sender über die Montagsdemonstrationen.

Knapp einen Monat später am 8. November spricht die Belegschaft des Senders der Leitung das Misstrauen aus, und es werden Teile der öffentlichen Lesung des Buches „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ von Walter Janka wiedergegeben. Zwei Tage später sendet der „Morgenrock“ vom West-Berliner Kurfürstendamm, und es beginnen erste Kontakte mit dem SFB, mit dem am 20. November die erste deutsch-deutsche Radio-Gemeinschaftssendung ausgestrahlt wird. Ab dem 01. April 1990 ist DT64 rund um die Uhr auf Sendung. Zusammen mit dem SDR 3 wird am 17. August 1990 die längste Hitparade der Welt „Top 2000 D“ gestartet.

Am 7. September 1990 werden die Frequenzen außerhalb von Berlin unangekündigt an den Sender RIAS abgegeben. Nach massiven Protesten von Hörern (vor allem in Berlin, Dresden und Neubrandenburg) sind am nächsten Tag alle Frequenzen wieder an DT64 zurückgegeben. Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wird das Jugendradio DT64 als Programm gemäß dem Artikels 36 des Einigungsvertrages (Rundfunküberleitungsgesetz) weitergeführt. Entsprechende Programme müssen bis spätestens Ende 1991 entweder in öffentlich-rechtliche Einrichtungen überführt (z.B. DS Kultur) oder abgewickelt werden.

Im Mai 1991 während der „DT64 Hitkaravane“ entsteht der „Verein Freunde des Jugendradios“, der für den Erhalt des Senders eintritt. Die drohende Abschaltung führt zu Protesten auf dem gesamten Gebiet der ehemaligen DDR, so u.a. in Leipzig, Dresden, Halle, Schwerin, Potsdam und Altenburg. Zur gleichen Zeit sagt David Bowie „Ich bin befremdet über die bevorstehende Abschaltung dieser einzigartigen deutschen Radiostation“. Die Unsicherheiten über den Fortbestand gehen weiter und so auch die Demonstrationen für den Erhalt des Senders. DT64 war einer der ersten deutschen Radiosender, die Techno-Musik spielten (in der Sendung Dancehall von Marusha). Die heute noch jährlich stattfindende Mayday (der größte Indoor-Rave Deutschlands) entstand 1991 als eine Aktion zur Rettung von DT64. Am 16. November 1991 gehen allein in Dresden 10.000 Demonstranten auf die Straße.

Im Bundestag wird am 12. Dezember 1991 ein Entschließungsantrag für den Erhalt von DT64 beraten, aber abgelehnt. Am Abend erklärt in Magdeburg die MDR-Hörfunkdirektorin Carola Sommerey die Bereitschaft des MDR, den Sender ein halbes Jahr auf den bisherigen Frequenzen auszustrahlen. Am 31. Dezember 1991 endet für Mecklenburg-Vorpommern die Ausstrahlung des Senders, da der NDR zu einer Ausstrahlung nicht bereit ist. Im Bereich des ORB wird der Sender zwischen 15:00 und 18:00 Uhr für das ORB-Jugendmagazin „Rockradio B“ unterbrochen. Am 25. Januar 1992 findet in der Werner-Seelenbinder-Halle ein Rockmarathon für den Erhalt von DT64 statt. Unter anderem sind die Abstürzenden Brieftauben, Big Savod und Freygang dabei. Vom Leipziger Hauptbahnhof startet ein „Sonderzug nach Pankow“ welcher von Fans aus Sachsen gemietet wurde. Die Abfertigung des Zuges erfolgt durch Udo Lindenberg.

Am 15. Juni 1992 entscheidet der MDR, den Sender ab Juli auf Mittelwelle 1044 KHz zu senden und die UKW-Ausstrahlung zu beenden. Die Entscheidung ist bis Ende 1992 befristet. Der Sender kämpft weiter und fordert seine Hörer auf, mitzuteilen wo überall ein Empfang möglich ist. Bestätigungen kommen u.a. aus Irland, London, Prag, Tirol, Korsika, Schweden und Ungarn.

Am 30. November 1992 nimmt der Rundfunkrat des MDR die Pläne des Intendaten Udo Reiter „zustimmend zur Kenntnis“, den Sender ab 1993 weiter auf Mittelwelle zu senden und in Perspektive unter neuem Namen auf Satellit auszustrahlen. Am 18. Januar 1993 beschließt der Rundfunkrat, die Produktion des Senders nach Halle zu verlegen. Ab dem 1. März 1993 beginnt, zunächst testweise, die Ausstrahlung des Senders über ASTRA 1B. 18 Tage später fordert die Junge Union die Abschaltung von DT 64. Am 1. Mai 1993 endet die Zeit von DT 64 mit der Umbennung in Sputnik. Der neue Name war ein Vorschlag des damaligen Ministerpräsidenten von Sachsen Kurt Biedenkopf

Literatur

Weblinks

Siehe auch

Rundfunk der DDR

See also: DT64, 1. Mai, 1. März, 12. Dezember, 1991, 1993, 7. März, Abstürzende Brieftauben, Altenburg, Astra (Satellit)