Dukkha
Dukkha (Wörtlich "schwer zu ertragen") ist im Buddhismus eines der 3 Daseinsmerkmale (ti-lakkhana) und die erste der "Vier Edlen Wahrheiten" (siehe sacca). Im übertragenen Sinne bedeutet dukkha Leiden, Leidunterworfensein, Unzulänglichkeit, Elend, Übel, Schmerz, Verletzung, Unbefriedigtheit: also die spannungsreiche Qualität aller Erfahrungen, die von Verlangen, Anhaften und Ego begleitet werden.
Dukkha gilt als universelles Charakteristikum aller Phänomene; da die Dinge unbeständig sind, sind sie unzuverlässig und können uns nie zufrieden stellen. Der naturgegebene Verfall und die Auflösung der Dinge ist dukkha. Dukkha kann von drei Perspektiven aus betrachtet werden.
1. dukkha im gewöhnlichen Sinn als Leiden ( dukkha-dukkha )
2. dukkha verursacht durch Veränderungen ( viparinama-dukkha )
3. dukkha verbunden mit bedingten Daseinsvorgängen ( samkhara-dukkha )
Das Paliwort dukkha steht im gewöhlichen Sprachgebrauch für Leiden, Kummer, Elend im Gegensatz zu sukha, das Wohlsein, Behagen, Glück bedeutet. Aber der Ausdruck ist als erste Wahrheit Buddhas Lebens mit einer viel tieferen und umfassenden philosophischen Bedeutung behaftet. Dukkha bedeutet Leid und enthält zusätzlich noch die tiefer gehende Vorstellung von Unvollkommenheit, Unbeständigkeit, Nichtigkeit und Unwirklichkeit. Daher gibt es kein Wort, dass dies ganze Bandbreite der Vorstellung des Begriffes abdecken würde. Die konventionelle Übersetzung Leiden oder Elend ist daher vollkommen unangebracht, da sie einen falschen Inhalt des Begriffes wiedergibt. Nach der buddhistischen Philosophie ist ein Lebewesen ( Individuum ) oder das Ich, nur eine Verbindung von beständig sich wandelnden körperlichen und geistigen Kräften oder Energien die man in fünf Gruppen klassifiziert. Diese fünf Gruppen ( pancakkhandha ) des Anhaftens sind auch alle dukkha.
1. Körperlichkeitsgruppe ( rupakkbandha )
Es enthält die vier Grundelemente (Festes, Flüssiges, Wärme und Bewegung) und weiterhin die von den vier Grundelementen abhängige Körperlichkeit. ( upadaya-rupa ). ( fünf materielle Sinnesorgane Auge, Nase, Zunge, Ohr und Körper ) sowie die zugehörigen Objekte in der äußeren Welt wie Form, Ton, Geruch, Geschmack und betastbare Dinge sowie einige Vorstellungen und Begriffe aus dem Bereich der Geistobjekte. Diese Gruppe beinhaltet also den ganzen inneren sowie äußeren Bereich der Materie nebst der Daseinsgruppe Körperlichkeit.
2. Gefühlsgruppe ( vendanakkhandha )
All unsere Gefühle angenehme, unangenehme und neutrale die wir durch Berührung der körperlichen und geistigen Organe mit der äußeren Welt erfahren gehören zur zweiten Daseinsgruppe. Sie bestehen in sechsfacher Art durch Berührung des Auges mit den sichtbaren Formen des Ohres mit den Tönen der Nase mit dem Geruch der Zunge mit dem Geschmack des Körpers mit den Tastorganen. des Geistes mit den Geist-Objekten bzw. Gedanken oder Vorstellungen ( nach buddhistischer Philosophie das sechste Kontaktorgan ) Alle unseren körperlichen und geistigen Gefühle sind in dieser Gruppe enthalten.
3. Wahrnehmungsgruppe ( sannakkhandha )
Ebenso wie bei den Gefühlen unterscheiden wir sechs Arten von Wahrnehmung, die zu den inneren Fähigkeiten und den entsprechenden äußeren Dingen in Beziehung stehen. Sie werden gleich den Gefühlen durch die Berührung unserer sechs Fähigkeiten mit der äußeren Welt erzeugt. Die Wahrnehmung ist es, die die Dinge erkennt, gewahr wird, egal ob sie nun körperlich oder geistig sind.
4. Geistformationgruppe ( samkharakkhandha )
Alle guten und schlechten Willenstätigkeiten sind hier eingeschlossen. Auch was allgemein als karma gilt gehört in diese Gruppe. (Buddha definiert karma mit Wollen (cetana) ("Wollen Ihr Mönche, nenne ich Karma.). Nachdem man gewollt hat, handelt man durch Körper, Rede und Geist. Wollen ist geistiges Bauen, geistige Tätigkeit. Seine Aufgabe besteht darin, den Geist in Bereiche der guten, der neutralen und der schlechten Handlung zu leiten. Wie bei der Gefühlsgruppe und Wahrnehmungsgruppe gibt es sechs Arten von 'Wollen', die mit den sechs inneren Fähigkeiten und den entsprechenden sechs Objekten (körperlich & geistig) in der äußeren Welt verbunden sind. Gefühle und Wahrnehmungen sind keine Willenstätigkeit und haben keine Karmafolgen. Nur Willenstätigkeit- wie Aufmerksamkeit, Wille, Entschlossenheit, Vertrauen, Konzentration oder Sammlung, Weisheit, Tatkraft, Begierde, Widerstreben oder Hass, Unwissen, Dünkel, Persönlichkeitsglaube usw. können karmische Wirkungen haben.
5. Bewusstseinsgruppe ( vinnanakkhandha )
Bewusstsein ist eine Reaktion oder Antwort, die eine der sechs Fähigkeiten(Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist) als Grundlage und eine der entsprechenden äußeren Erscheinungen (sichtbare Form Ton, Geruch, Geschmack, Tastobjekte und Geistobjekte d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken) zum Objekt hat. Sehbewusstsein hat das Auge als Grundlage und eine sichtbare Form als Objekt. Denkbewusssein hat den Geist als Grundlage und ein Geistobjekt, d.h. eine Vorstellung oder einen Gedanken, als Objekt. Bewusstsein ist daher mit anderen Fähigkeiten verbunden. Wie beim Gefühl, bei der Wahrnehmung und beim Wollen gibt es also auch beim Bewusstsein sechs Arten, entsprechend den sechs inneren Fähigkeiten und den sechs äußeren Objekten.
