Teilmantelgeschoss
Ein Teilmantelprojektil (englisch auch Jacketed Soft Point, JSP), auch Flachkopfgeschoss (engl. Flat Point, FP) genannt, ist ein in Handfeuerwaffen verwendetes Projektil, bei dem ein Teil der Geschossspitze frei liegt. Der Kupfermantel am Geschosskörper schützt den Lauf vor Verbleiung – dem Abrieb des Hartbleikerns, der den eigentlichen Schaden im Ziel anrichtet. Im Ziel führt der freiliegende, weiche Bleikern zum "Aufpilzen" des Projektils, was wiederum zu einer stärkeren Wirkung im Ziel führt.
Der umgangssprachlich oft benutzte Name Dum-Dum-Geschoss leitet sich ursprünglich vom Namen der Munitionsfabrik in Dum-Dum (bei Kalkutta) in Indien ab, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Britischen Kolonialtruppen eine Patrone mit Teilmantelgeschoss fertigte, die diese Art von Geschossen erstmals im Burenkrieg 1899 bis 1902 verwendete.
Später verlagerte sich die Bezeichnung auf behelfsmäßig umgewandelte Vollmantelprojektile, bei denen die Spitze des Geschossmantels abgefeilt wurde. Diese Modifikation führt zu einer starken, unkontrollierten Deformation, meist aber Zerlegung, und nach Eintreten in den Körper zu schweren Verletzungen bei bereits einer einzigen Wunde(z. B. unverhältnismäßig großer Blutverlust, große Austrittswunden). Zudem machen die vielen Fragmente des Bleikerns eine effektive Wundversorgung nahezu unmöglich. Außerdem besteht bei diesen nachträglichen Modifikationen das Risiko, dass der Bleikern Teile des Mantels "abstreift", die dann im Lauf zurückbleiben.
Darum sind in der Haager Landkriegsordnung und der Genfer Konvention Deformations- und Zerlegegeschosse für Infanterie- und Kleinkaliberwaffen verboten. Als Kleinkaliber gelten alle Patronen-Kaliber bis 7,62mm (.32) ausser Druckluft-Kaliber 4,5mm.
Außerhalb von Kriegen, zum Beispiel zur Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung, werden spezielle Deformationsgeschosse aus Kupfer (die eine geringere Deformationswirkung haben und nicht fragmentieren) von vielen Staaten, unter anderem auch einigen deutschen Bundesländern, eingesetzt. Die Gründe hierfür liegen in der größeren Mannstoppwirkung und dem verminderten Risiko von Durchschüssen, die Unbeteiligte verletzen könnten.
