Dürkheimer Wurstmarkt

thumb|250px|Das Dürkheimer Riesenfass Der Dürkheimer Wurstmarkt ist ein bekanntes Volksfest in der Pfälzer Kurstadt Bad Dürkheim. Es gilt als das größte Weinfest der Welt mit über 600000 Besuchern und findet jährlich vom zweiten und bis zum dritten Septemberwochenende statt. Der erste Dürkheimer Wurstmarkt wird auf das Jahr 1417 datiert.

Geschichte

Die Ursprünge des heutigen Wurstmarkts liegen in den mittelalterlichen Wallfahrten zum St. Michaelsberg mit seiner, seit der Mitte des 12. Jh. bestehenden, Wallfahrtskapelle. Die Wallfahrten wurden immer am 29. September, dem Namenstag des Heiligen Michael, abgehalten. Die Wallfahrer wollten durch den Kauf von Ablaßbriefen Vergebung für ihre Sünden erlangen. Bereits 1155 wird der "Monte sancti Michaelis" urkundlich erwähnt.

Durch die Vielzahl an Menschen wurden immer mehr Bauern und Winzer angezogen, die ihre Waren mit Schubkarren auf den Michaelsberg transportierten und dort vor allem Wein, Wurst und Brot anboten.

Da sich auch immer mehr Händler, Gaukler und Musikanten einfanden, entstand ein reges Markttreiben. Die Geburtsstunde des Michaelismarktes datieren Historiker in das Jahr 1417. Als eines der ältesten Volksfeste erlangt der Markt schnell eine große wirtschaftliche Bedeutung. Im Jahr 1449 erläßt der Abt des Kloster Limburg eine erste Marktordnung und wandelt den Markt in ein öffentliches Kirchweihfest um.

Im 16. Jh. kamen bereits Händler aus der ganzen Pfalz. Angeboten wurden nicht nur Zuchttiere (Ochsen, Pferde, Schweine) und Früchte sondern auch Woll- und Leinentuchhändler, Kessler, Kürschner, Weisgerber, Spengler, Sattler, Schuhmacher, Drechsler, Hutmacher, Eisenkrämer und andere Händler boten ihre Waren an.

Nach mehrmaligem Hin und Her wurde der Michaesmarkt im Jahr 1577 endgültig vom Michaelsberg auf die darunterliegenden Brühlwiesen verlegt.

Die gestiegene wirtschaftliche Bedeutung und die mit dem Marktzoll verbundenen Einnahmen führten zu dauerhaften Streitereien zwischen dem Kloster Limburg und den Leininger Grafen. Deshalb wäre es sogar fast zu einer Verlegung des Festes nach Frankenthal gekommen. Zu Beginn des 17. Jh. kam es zu einer weiteren Blütezeit des Marktes. Ende des 18. Jahrhunderts dauerte das Markttreiben bereits 3 Tage (Sonntag, Montag, Dienstag).

Seit der französischen Revolution obliegt die Abhaltung des Marktes der Stadt Bad Dürkheim.

Während die Händler, z.B. Töpfer, Kübler, Geschirrhändler und Krämerläden an Bedeutung verloren, erlangten Vergnügungsangebote immer größere Bedeutung. Im Jahre 1830 gab es einen Zirkus, Feuerfresser, Kasperl-Theater, eine Reitschule und andere Schausteller, sowie auch eine Vielzahl an Musikanten.

Im Jahr 1832 wird der Name "Wurstmarkt" erstmals behördlich erwähnt. Der Grund dafür war der beispiellose und enorme Wurstkonsum während des Festes.

1879 erschien zum erstenmal die Wurstmarktzeitung, in welcher bis 1981 Pfälzer Schriftsteller, Mundartdichter aber auch Maler und Graphiker den Wurstmarkt vor- und darstellten.

1882 entsteht der "Nachmarkt", der sich zuerst auf den nachfolgenden Sonntag beschränkt. 1888 gab es ein Varieté-Theater, Photographen, Karussels, Ballwurf- und Schießbuden sowie Trinkhallen und Garküchen. Zu dieser Zeit war der Zirkus die Hauptattraktion des Wurstmarktes.

Erst in diesem Jahrhundert und zwar im Jahr 1910 verlegten die Veranstalter das Fest erstmalig auf das zweite und dritte Wochenende im September. "Amtlich" wurde dies erst 1913, als die königlich-bayerische Staatsregierung die endgültige Zustimmung zur Verlegung gegeben hatte. Gleichzeitig wurde der Vor- und Nachmarkt um den Samstag verlängert, so dass der Wurstmarkt jetzt 6 Tage dauert. Im Jahr 1926 wurde der Wurstmarkt dann um einen weiteren Tag verlängert, 1951 um den siebten Tag und 1965 um einen weiteren. Erst seit 1985 feiert Bad Dürkheim mit seinen Gästen aus aller Herren Länder sein "Fest der Feste" 9 Tage lang (der Vormarktfreitag kommt als Festtag hinzu).

Nach dem 2. Weltkrieg - währenddessen kein Wurstmarkt stattfand - wurde 1947 statt des Wurstmarktes ein Herbstfest gefeiert. 1948 gab es dann aufgrund des großen Fleischmangels keinen Wurstmarkt sondern einen Fischmarkt. Es konnten nur mit Fisch belegte Brote und Fischwurst verkauft werden. Zudem stand jeder Besucherin und jedem Besucher gerade mal eine Flasche Wein zu. Die Einhaltung dieser Begrenzung wurde durch eine Kennkartenlochung sichergestellt. In diesem Jahr wurden 46.650 Flaschen Wein zu je 5 Reichsmarkt verkauft.

1949 fand dann der erste "reguläre" Nachkriegswurstmarkt statt. Der folgende wirtschaftliche Aufschwung ließ auch den Wurstmarkt boomen. Zwischen 1949 und 1958 verdoppelte sich der Weinkonsum nahezu auf 158.673 Liter.

Ab den 50er Jahren kamen eine Vielzahl von Fahrgeschäftsneuheiten auf den Wurstmarkt. Der "Rotor", Menschen kleben an der Wand (1955), "Düsenspirale", Bobbahn, 3-Stock-Autorennbahn und "Taifun" (1957), "Sputnik" mit einem Kranz von Weltraumkapseln, ein neues Super-Riesenrad und ein 6-Säulen-Autoskooter (1959) sind nur einige der damaligen Attraktionen, die in den 60er Jahren immer größer, höher und schneller wurden..

Im Jahr 1966 übersteigt der Weinkonsum erstmals die 200.000-Liter-Grenze. Jetzt ist es auch auf den Wurstmarktplakaten "amtlich". Der Wurstmarkt ist das größte Weinfest der Welt.

Als die "Schoppen-Olympiade" steht der Wurstmarkt 1972 im Mittelpunkt des Geschehens. 1973 erhält die Eröffnung eine neue Form. Historische Spielszenen beziehen sich auf die traditionellen Wurzeln des Wurstmarktes.

Aktuell

Es gibt immer ein umfassendes, qualitativ hochwertiges Angebot an Weinen und Sekten. Alle Weine und Sekte müssen entweder über ein Weinsiegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft oder über eine Prämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz verfügen. Diese Auszeichnungen müssen aus dem aktuellen Jahr stammen.

Alle Weinausschankstellen wurden verpflichtet, eine dem Wurstmarkt angemessene Weinpalette anzubieten. So müssen 4 verschiedene Weine ausgeschenkt werden. Ein Wein muss ein Riesling sein. Je ein Wein muss der Geschmacksrichtung trocken und der Geschmacksrichtung halbtrocken zugeordnet werden können und diese Bezeichnung tragen.

Seit dem Jahr 2004 ist zum ersten Mal der Rotweinausschank an allen Ausschankstellen, auch in den Schubkarchständen und den Festzelten möglich.

Herzstück des Dürkheimer Wurstmarktes sind die "Schubkärchler", jene kleinen Weinzelte mit ihren hölzernen Tischen und Bänken, an denen es sich besonders gemütlich zusammenrücken läßt, immer noch einer dazupaßt. 36 historische Weinstände mit je ca. 120 Sitzplätzen erwarten die unzähligen Besucherinnen und Besucher. Alle auf dem Wurstmarkt angebotenen Weine und Sekte stammen aus Bad-Dürkheim.

Ein Dutzend Dürkheimer Weinbaubetriebe kredenzen im Weindorf feinste Tropfen aus ihren Kellern, allesamt in stilvollen Gläsern. Neben klassischen Weißweinen werden handgerüttelte Winzersekte ebenso ausgeschenkt wie harmonische tiefdunkle Dürkheimer Rotweine. In zwei Speisezelten werden verschiedene Gaumenfreuden angeboten - gemütliches Beisammensein in gehobener Atmosphäre.

Die Zelte des Winzergartens - mit zur Straße hin geöffnetem Innenhof - bieten 700 Zelt- und 250 Aussensitzplätze. Der Innenhof - der auch einen Rundgang ermöglicht - ist mit Kübelpflanzen und Sonnenschirmen ausgestattet. Das gewünschte Ambiente wird durch eine Lichtinstallation positiv unterstützt. Inmitten des Innenhofs befindet sich ein runder Sektpavillon mit umlaufender Theke. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Die Speisekarte bietet eine reichhaltige Auswahl.

In den zwei Weinhallen und der Bierhalle wird Stimmung gemacht. Tägliche Livemusik-Acts für jeden Geschmack heizen den Besucherinnen und Besuchern kräftig ein.

Weblinks

See also: Dürkheimer Wurstmarkt, 1417, Bad Dürkheim, Frankenthal, Pfalz, Volksfest, Weinfest