E-Government (im engeren Sinn)
Unter E-Administration oder E-Government im engeren Sinn (elektronisches Regieren und Verwalten) versteht man die Vereinfachung und Durchführung von Prozessen zur Information, Kommunikation und Transaktion innerhalb und zwischen Institutionen der Exekutive (Behörden), sowie zwischen diesen Institutionen und Bürgern (G2C), Unternehmen (G2B) und weiteren staatlichen Institutionen (G2G) durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien.
Es ist somit Teil E-Governments im weiteren Sinn.
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Ziel
E-Government soll den Bürgerinnen und Bürgern schnellere und unkompliziertere Dienstleistungen bieten und dem Staat dadurch Kosten ersparen. Der "Staat" soll von einer Vaterrolle in eine dienstleistungsorientierte Partnerrolle gewandelt werden.
Hierbei soll die Interaktivität von Informations- und Kommunikationstechnologien für den Geschäftsverkehr mit dem Bürger genutzt werden, damit vorhandenes Personal überwiegend für die Erledigung der eigentlichen Anfragen eingesetzt werden kann.
Ursachen
E-Government ist mit der Zeit zu einem selbstverständlichen Dienst von Verwaltungen geworden. Man verspricht sich von E-Government neben einer höheren Effektivität der Dienstleistungen auch eine Verbesserung des Zugangs zu Informationen und Wissen.
Zur raschen Entwicklung des E-Governments haben einerseits Erfahrungen der Bürger und Unternehmen beigetragen, die den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auch aus anderen Bereichen des Alltags kennen, etwa E-Banking, und die Vorzüge (Zeitersparnis, Erreichbarkeit und Qualität der Dienstleistungen) nun auf die Exekutive übertragen.
Andererseits führte die zunehmende Finanznot von Verwaltungen zum Wunsch nach Kostensenkungen, die durch E-Government teilweise erreichbar sind. Hierbei spielen insbesondere auch strategische Überlegungen, etwa hin zu New Public Management eine Rolle.
Nutzen
E-Government muss mit einer Analyse und Optimierung der Geschäftsprozesse einhergehen. Durch Medienbrüche sind viele Prozesse gar nicht für E-Government geeignet, jedoch ist es sinnvoll, zu überprüfen, ob durch Workflowverarbeitung eine prozessorientierte Umgestaltung erfolgen kann.
Für den Bürger liegen echte Mehrwerte vor allem bei Transaktionsprozessen, weniger bei Informations- und Kommunikationsprozessen. Tatsächlich sind Informationsprozesse (z. B. die Möglichkeit, Öffnungszeiten im Web abzufragen) und Kommunikationsprozesse (z. B. die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt mit einem Mitarbeiter aufzunehmen) in vielen Verwaltungen der deutschsprachigen Länder bereits stark entwickelt. Vielfach fehlt es jedoch an der Möglichkeit, interaktiv Formulare auszufüllen oder Anträge zu stellen (Transaktionsprozesse).
Insbesondere der Einsatz von Content-Management-Systemen kann bei Strukturierung von Webpräsenzen hilfreich sein und somit auch dem E-Government dienen. Vielfach werden solche Systeme in Verwaltungen aber noch nicht eingesetzt.
Gerade in Deutschland mit seiner kommunalen Selbstverwaltung können durch Kooperationen mit Forschung, Wirtschaft und anderen Kooperationen interessante Synergien geschaffen werden. Man verhindert, dass das Rad in jeder Verwaltung neu erfunden wird. Zentralstaaten haben dieses Problem tendenziell weniger.
Erfolgreiche Ausgestaltung
Eine Voraussetzung für E-Government ist das Vorhandensein eines Leitbildes, das E-Government unterstützt.
Eine Betrachtung von Kosten und Nutzen durch die Einführung von E-Government-Dienstleistungen muss durchgeführt werden.
Marketingmaßnahmen führen zu einer Akzeptanz des E-Governments.
Mitarbeiter müssen für E-Government motiviert und qualifiziert werden.
Eine Kooperation zwischen Verwaltungen, Wirtschaft und Forschung ist bei der Einführung von E-Government hilfreich.
Der Einsatz eines Projekt- und Changemanagements ist bei der Einführung von E-Government unerlässlich.
Im Rahmen der Umstellung öffentlicher Dienstleistungen und Verwaltungsprozesse auf E-Government werden üblicherweise alle Aufgaben öffentlicher Einrichtungen in einem Katalog zusammen gefasst und auf ihre Internetfähigkeit überprüft. Die öffentliche Hand muss dabei ihre Produkte und Angebote nach den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausrichten.
Einen Rahmen für die Vorgehensweise hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit seinem E-Government-Handbuchgesteckt.
Bei der Bereitstellung von E-Government-Diensten wird normalerweise zwischen Anwender- und Verwaltungssicht unterschieden. So möchte ein Bürger sich nicht damit auseinandersetzen, welche Behörde für welchen Teilprozesse der Dienstleistung zuständig ist und welche Hierarchie bei den Verwaltungen herrscht. Er bekommt daher beispielsweise auf einer Webpräsenz eine Lebenslage (z. B. "Eheschließung", "Geburt") präsentiert. Die interne Sicht sorgt dann automatisch für die Weiterleitung der Anfrage an die beteiligten Behörden.
Initiativen
In Deutschland hat insbesondere die Initiative BundOnline 2005 eine Vorreiterrolle eingenommen. Zwar ist diese Bundesinitiative erfolgreich. Tatsächlich aber, haben Bürger eher mit kommunalen Dienstleistungen zu tun. Daher wird BundOnline seit Mitte 2003 ergänzt durch die gemeinsame eGovernment-Strategie Deutschland-Online von Bund, Ländern und Gemeinden.
Internationaler Vergleich
Die Anforderungen an E-Government nahm um die Jahrtausendwende stark zu.
Es ist verständlich, dass E-Government gerade in weniger stark bevölkerten Gebieten einen Mehrnutzen bietet. Dort können die Bürger sich dadurch längere Fahrten zur Verwaltung sparen. So ist E-Government besonders in Skandinavien, Australien und Nordamerika inzwischen weit entwickelt.
Aber auch in Deutschland steigt die Nutzerzahl. Allerdings steigt die Zahl im internationalen Vergleich weniger stark. Im Frühjahr 2005 wurde E-Government in Deutschland nur von rund einem Viertel der Bevölkerung genutzt (Quelle: Deutsche Bank Research). Dies liegt insbesondere daran, dass die Rahmenbedingungen (s. oben) in Deutschland nicht so e-government-freundlich sind, wie in anderen Staaten. Eine besondere Rolle spielt der Föderalismus in Deutschland und vor allem die kommunale Selbstverwaltung, die durch fehlende Kooperation der Kommunen die Entwicklung von E-Government hemmt, während in Zentralstaaten Marketing und Förderprogramme für E-Government meist erfolgreich sind. Hemmend wirken außerdem Sicherheitsbedenken der Bürger - eine vertrauenswürdige Authentifizierungslösung hat sich noch nicht durchgesetzt.
In Österreich existiert schon seit 1997 help.gv.at, eine Plattform für elektronische Behördenwege. Das E-Government-Gesetz (E-GovG) regelt den Verkehr zwischen Bürgern, Wirtschaft und Behörden.
Kritik
Der Wandel öffentlicher Dienstleistungen durch E-Government wirft viele demokratierelevante Fragen auf.
Die Gewerkschaft ver.di hat in ihrer Broschüre "Wie öffentlich und demokratisch wird eGovernment sein?" 100 Fragen zum Thema eGovernment, eDemokratie und öffentliche Dienste erstellt [[1]].
Auf Grund der föderalen Strukturen (Eigenständigkeit der Kommunen) ist die Umsetzung von E-Government in Deutschland auf kommunaler Ebene kritisch zu hinterfragen. Insbesondere Kommunen unter 50.000 Einwohnern können regelmäßig nicht das notwendige Know-how bei den eigenen Mitarbeitern bereitstellen, und verfügen nicht über die Planungssicherheit oder ein kommunales Leitbild, um E-Government eigenständig zu verankern. In jüngster Zeit wird die Frage lauter, ob E-Government föderale Strukturen bedrohe.
Siehe auch
Weblinks
- Center of Excellence for Electronic Government der Universität St. Gallen http://www.electronic-government.ch
- Dr. Thomas Hart, Carolin Welzel (Hrsg.): Public Private Partnerships und E-Government, Bertelsmann-Stiftung 2004 (PDF)
- http://www.wmsbundonline.de - Alles Wissenswerte zum Thema E-Government von der Initiative BundOnline 2005
- http://www.kbst.bund.de/-,54/E-Government.htm - Koordinierungs- und Beratungstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung
- http://www.bund.de/bundonline2005 - Initiative BundOnline 2005
- http://www.deutschland-online.de - Deutschland Online; Koordination eGovernment für Verwaltungen
- http://www.osci.de OSCI - Technischer Standard für eGovernment
- http://www.governet.de - Initiative für demokratisches eGovernment
- http://www.univie.ac.at/frisch/
- http://foev.dhv-speyer.de/ruvii/Sp-EGov.pdf - Speyerer Definition von Electronic Government
- http://www.gemeinden-web.ch - preisgekrönte eGovernment-Lösung für Schweizer Gemeinden und Opinion-Leader in der eGovernment Szene Schweiz
- http://www.komnet.nrw.de - Nachhaltiges Beispiel für E-Government zum Thema "Arbeit und Gesundheit" [Preisträger im BMI-Wettbewerb (2000) und im EU-Wettbewerb (2001)]
- http://www.service-bw.de - Service-bw ist das Verwaltungsportal von Land und Kommunen in Baden-Württemberg und soll vor allem Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen, Verbänden sowie sonstigen Institutionen den Zugang zur Verwaltung in Baden-Württemberg erleichtern, Informationen über Behörden, Dienstleistungen der Verwaltung und Verwaltungsabläufe vermitteln sowie die Online-Abwicklung von Verwaltungsvorgängen ermöglichen.
Literatur
- Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften 2004/II, Im Brennpunkt: Kommunales E-Government, Herausgeber: Deutsches Institut für Urbanistik "difu", ISBN 3-88118-378-7
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