Einheitssprache

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Zur Definition

Die Einheitssprache bezeichnet nach der Erkenntnislehre von Vertretern des logischen Empirismus (auch logischen Positivismus) eine Sprache intersubjektiven und universellen Charakters, in die jede einzelwissenschaftliche Aussage übersetzt werden kann und auf deren Grundlage das Programm einer enzyklopädischen Einheitswissenschaft verwirklicht werden sollte.

Zur Konzeption der Einheitssprache als physikalistische Sprache

Die Funktion einer wissenschaftlichen Einheitssprache erfüllt nach Rudolf Carnap und Otto Neurath die Sprache der Physik ("physikalistische Sprache"), deren einzelne Sätze "die Beschaffenheit einer bestimmten Raum-Zeit-Stelle zu einer bestimmten Zeit quantitativ" angeben.

Ursprünglich vermuteten Carnap und seine Anhänger - wobei sie philosophiehistorisch an gewisse Ideen von Leibniz (Ars combinatoria, Characteristica universalis), Gottlob Frege u.a. anknüpften -, alle einzelwissenschaftlichen Begriffe (nach Carnap Zeichen genannt) seien durch Definition auf der Basis bestimmter (physikalischer) Grundbegriffe einführbar und deshalb umgekehrt auch auf diese zurückführbar:

"Ist ein Zeichen auf Grund gewisser anderer definiert, so kann es .... überall, wo es vorkommt, eliminiert werden, d.h., jeder Satz, der diese Zeichen enthält, kann übersetzt werden in einen Satz, der nicht mehr dieses Zeichen, sondern nur noch die vorher schon vorhandenen Zeichen enthält".

Diese Ansicht erwies sich jedoch als undurchführbar. So gelingt es, wie Carnap zugeben mußte, beispielsweise nicht, schon einen relativ einfachen Begriff wie "Gravitationsfeld" aus den physikalischen "Grundbegriffen": "Masse", "Raum", "Zeit" u.a. herzuleiten bzw. ihn definitorisch auf diese zurückzuführen.

Carnap schlug deshalb vor, die Zurückführug mittels Definition durch eine "Zurückführung" mittels "Reduktion" zu ersetzen, wobei unter "Reduktion" folgendes zu verstehen sei: Ein Begriff heißt auf einen oder mehrere andere reduzierbar, wenn seine Bedeutung durch diese anderen Begriffe angegeben werden kann. Die Bedeutung eines Begriffs aber sei bestimmt, "wenn wir wissen, was wir zu tun haben, um im einzelnen Fall empirisch festzustellen, ob der neue Begriff einem gegebenen Ding...zukommt oder nicht"(in: Über die Einheitssprache der Wissenschaft).

Durch stufenweise Reduktion sei es möglich, von den kompliziertesten Begriffsbildungen letztlich auf einfache physikalische Begriffe (d.h. Begriffe, die quantitative Eigenschaften, Relationen usw. zum Ausdruck bringen) zu kommen. Im Gegensatz zu definitorisch eingeführten Begriffen sind reduktiv eingeführte nicht elemenierbar, sie gehen vielmehr als neue Begriffe in die "erweiterte physikalische" d.h. in die physikalische Sprache ("Sprache der Physik") ein.

Zum Kriterium der sinnvollen Begriffe

Die physikalische Sprache enthält also neben den eigentlichen "physikalischen Grundbegriffen" alle Begriffe, deren Bedeutung sich letztlich mit Hilfe dieser Grundbegriffe angeben läßt, d. h. aber nach Carnap, alle sinnvollen Begriffe. Mit anderen Worten: Jeder einzelwissenschaftliche Satz läßt sich in die physikalische Sprache übersetzen, die physikalische Sprache ist die Universal- oder Einheitssprache der Wissenschaft.

Diese These erwies sich bereits bei dem Versuch, Aussagen über psychische Sachverhalte eindeutig in Aussagen über physikalische Sachverahlte zu übersetzen, als ebenfalls nicht durchführbar. Logisch begründete Einwände gegen die Möglichkeit einer Universalsprache machte Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts z.B. Alfred Tarski geltend (siehe Einheitswissenschaft).

Von der Universalsprache zur Vereinheitlichung der Wissenschaft

In der Folgezeit rückten Carnap und seine Anhänger von der Konzeption der physikalischen Universalsprache ab und ersetzten das Programm einer Einheitswissenschaft durch ein Programm zur "Vereinheitlichung" der Wissenschaft, die sich nach Herbert Feigl nicht auf der Grundlage einer Einheitssprache, sondern auf dem Wege der Bildung allgemeiner Theorien vollziehen soll.

Einer der grundlegenden Fehler in den ursprünglichen Auffassungen Carnaps und Neuraths bestand darin, daß sie den Begriff nicht als gedankliche Widerspiegelung bestimmter Invarianzen zwischen den Individuen derselben Klasse auffaßten, sondern lediglich als Wort, das eine Gesamtheit von individuellen Dingen, Sachverhalten oder Vorgängen bezeichne.

siehe auch Physikalismus, Reduktionismus, atomare Tatsache, logischer Atomismus

See also: Einheitssprache, 20. Jahrhundert, Alfred Tarski, Ars combinatoria, Atomare Tatsache, Begriff, Characteristica universalis, Einheitswissenschaft, Gottlob Frege, Herbert Feigl