Einschienenbahn

[[Bild:H_bahn_dortmund1.jpg|thumb|right|240px|H-Bahn Dortmund]] Eine Einschienenbahn ist eine dem Passagier- oder Gütertransport dienende Bahn, die auf oder unter einem einzelnen schmalen Fahrweg ("Schiene", "Fahrbalken") fährt. Dieser kann unterschiedliche Formen annehmen und aus verschiedenen Materialien gefertig sein. Er ist meistens aufgeständert, kann aber auch ebenerdig oder in Tunnels verlaufen. Einschienenbahnfahrzeuge sind breiter als ihr Fahrweg.

Alle Einschienenbahnen, die eine Bedeutung erlangt haben, fahren in stabilem Gleichgewicht auf oder unter ihrer Schiene. Dies wird erreicht beispielsweise damit, daß eine Reihe von Zwillingsreifen auf der Oberseite des Fahrbalkens und auf den Seiten je eine hohe und eine tiefe Reihe von Führungsreifen laufen.

Im Jahre 1821 ließ sich Henry Robinson Palmer ein Patent auf eine Einschienenbahn ausstellen, nach dem 1825 in Cheshunt, England, eine erste Anlage gebaut wurde. Die Wagen hingen in Bodennähe unterhalb einer Schiene und wurden von Pferden gezogen.

Um 1880 wurde in Algerien von dem französischen Ingenieur Charles Lartigue eine frühe Einschienenbahn über eine Strecke von 90 Kilometern errichtet. Die Wagen dieser Bahn hatten ein Fahrgestell, an dem beiderseits Tragbehälter zum Transport von Espartogras befestigt waren. Weitere Strecken dieser Lartigue-Einschienenbahn wurden auf einer Ausstellung 1886 in London und 1888 zwischen Listowel und Ballybunion im südöstlichen Irland mit speziellen Dampflokomotiven errichtet. Diese Bahn war 36 Jahre bis 1924 in Betrieb und wird seit 2001 nach den alten Vorlagen wieder zum neuen Betrieb aufgebaut.

thumb|Kreiselstabilisierte Einschienenbahn von Brennan und Scherl (1907). Später gab es weitere Experimente mit Einschienenbahnen, die in labilem Gleichgewicht mit einer einzigen Reihe von Stahlrädern mit Doppelspurkränzen auf einer einzigen Vignolschiene standen; sie wurden über Kreiselsysteme aktiv stabilisiert und haben sich nie durchsetzen können, sind jedoch durch Bernhard Kellermann in seinem Science-Fiction-Roman "Der Tunnel" (1913) verewigt worden.

Inhaltsverzeichnis

Vorteile

thumb|Die Wuppertaler Schwebebahn gehört auch zu den Einschienenbahnen Als Hauptvorteil für Einschienenbahnen wird generell angeführt, dass die Fahrzeuge normalerweise aufgeständert und damit völlig planfrei verkehren. Dies verhindert Unfälle mit dem Straßenverkehr vollständig, erlaubt starke Automatisierung und ermöglicht eine Zuverlässigkeit, wie sie sonst nur bei U-Bahnen erreicht wird, allerdings zu einem Bruchteil des Preises und mit der gewissen futuristischen Faszination und der Aussichtswirkung, wie sie nur Einschienenbahnen zu Eigen ist.

Bauvorhaben lassen sich, da die Fahrwege aus vorgefertigten Fertigteilen montiert werden, recht schnell und unproblematisch verwirklichen; die Fahrbalken gliedern sich relativ gut in städtische Szenerien ein und die Bahnen können sogar in Gebäude eingeführt werden. Die Baukosten von Einschienenbahnen liegen zwischen 25 und über 60 Millionen Euro pro Streckenkilometer. Dies ist gegenüber den Kosten von U- oder S-Bahnen allerdings verhältnismäßig billig. Der Schattenwurf ist durch die schmalen, recht weit spannenden Träger geringer als beim Aufständern herkömmlicher Bahnen oder mehrspuriger nichtkonventioneller Spurfahrzeugsysteme.

Die Laufwerke sind, vor allem beim SAFEGE-System, aber auch bei Sattelbahnen, vergleichsweise mit konventionellen Eisenbahnen sehr gut vor Wettereinflüssen geschützt. Der Schneeräumaufwand ist bei Sattelbahnen sehr niedrig, bei SAFEGE entfällt das Schneeräumen ganz (daher auch die Anwendungsbeispiele in kälteren Gegenden Japans). Beschleunigungs- und Bremsvermögen der meist elektrisch betriebenen und luftbereiften Fahrzeuge sind zumal bei recht geringer Geräuschentwicklung recht gut (vergleichbar mit luftbereiften Leicht-U-Bahnen etc.); das gute Steigvermögen durch große Adhäsion der Gummireifen und die geringen Kurvenradien durch das unkompliziert mögliche, starke Überhöhen von Bögen erlauben Trassierungen in sehr schwierigen Umgebungen.

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Zug der Tama-Monorail (Japan)

Nachteile

Hauptnachteil der Einschienenbahn ist die Inkompatibilität. Neben der mangelnden Standardisierung der Systeme untereinander ist keine Übergangsmöglichkeit von und zur herkömmlichen Schiene (wie bei der Zweisystem-Stadtbahn) oder zur Straße (wie beim Spurbus) gegeben.

Zudem ist ein ernstzunehmender Güterverkehr bei den reell implementierten Systemen unmöglich, da diese wegen der zahlreichen, zumeist luft- oder vollgummibereiften Räder einen ausschließlichen Betrieb mit Triebwagen verlangen, besonders, wenn große Steigungen und/oder Überhöhungen vorliegen.

Weichen sind verhältnismäßig komplex und teuer. Es gibt verschiedene, unterschiedlich praktikable Biegeweichen- und Wechselweichenbauarten; erstere verbiegen den Fahrbalken, letztere tauschen durch Verschieben oder Rotieren einer Plattform einen starren geraden Fahrstrang gegen einen starren gekrümmten Strang aus. Auffahrbare Weichen sind in keinem Fall möglich.

Die Höchstgeschwindigkeiten sind bei den gummibereiften Bauarten relativ begrenzt.

Der Schattenwurf, obwohl nicht so groß wie bei herkömmlichen Hochbahnen, ist nicht zu vernachlässigen.

Bedeutung

Einschienenbahnen wurden vor allem für Weltausstellungen und Messen oder in Vergnügungsparks errichtet und großenteils wieder abgerissen. Trotzdem ist das Vorurteil, das die Einschienenbahn als Aussichts-Gondelbahn abstempelt, unberechtigt. Neben den zahllosen mehr oder weniger komplizierten I-Träger-Bahnen, mit denen in Handwerks- und Industriebetrieben jeder Größenordnung Güter aller Art transportiert werden, gibt es zahlreiche gut eingeführte öffentliche Einschienenbahnen auf der Welt (Parkbahnen u.Ä. sind nicht erwähnt); viele weitere sind geplant. Das längste geplante System in Tama, Japan, soll einmal eine Netzlänge von etwa 100 km erreichen.

Obwohl mit der seinerzeitigen Alweg-Bahn seit 1957 der Einstieg in den schnellen Fernverkehr angestrebt wurde, ist bisher keine nennenswerte Einschienenbahn-Fernstrecke gebaut worden. Selbst die längsten realisierten Einschienenbahnsysteme stellen sich damit als Insellösungen im Verkehrsbereich dar.

Bauarten

Stehende Bahnen (Sattelbahnen)

Hängende Bauarten (Hängebahnen)

Hybridbauarten

Fahrzeuge sind einseitig so an den Fahrbalken gehängt, dass ein Balken beidseitig befahren werden kann

Antrieb

Der Antrieb von Einschienenbahnen erfolgt meist mit Hilfe von Elektromotoren, obwohl auch mit dem Dampfantrieb und Verbrennungsmotoren experimentiert wurde. Die Schwebebahn Dresden wird als Seilbahn durch ein Seil von einer stationären Maschine angetrieben.

Einschienen-Schwebebahnen

[[Bild:Aerotrain.jpg|thumb|300px|Aérotrain 02 (Prototyp) im ]]

Einschienenbahnsysteme der Welt

Bestehende Systeme

Europa

Land Stadt Artikel Eröffnung Gesamtlänge
Deutschland Dresden Schwebebahn Dresden 1901 0,274 km
Dortmund H-Bahn 1984 3,6 km
Düsseldorf SkyTrain am Flughafen 2002 2,5 km
Frankfurt am Main SkyLine am Flughafen 1994 2,0 km
Wuppertal Wuppertaler Schwebebahn 1901 13,3 km
Großbritannien London London Gatwick 1988  
Russland Moskau Intamin 2003 5 km

Asien

Land Stadt Artikel Eröffnung Gesamtlänge Hersteller
VR China Chongqing 2005 17,4 km Alweg
Shenzhen 1998 4,4 km Intamin
Weihai 2006 4,2 km Aerobus
Indonesien Jakarta vorr. 2005 27 km Hitachi
Japan Chiba Chiba Monorail 1988 15,5 km SAFEGE
Hiroshima Einschienenbahn Hiroshima 1998 1,3 km Seilbahnsystem
Inuyama Inuyama Monorail 1962 1,1 km Alweg
Kamakura Shonan Monorail 1970 6,6 km SAFEGE
Kitakyūshū Einschienenbahn Kitakyūshū 1985 8,8 km Hitachi
Naha Einschienenbahn Naha 2003 12,8 km Hitachi
Ōsaka Osaka Monorail 1990 23,8 km Hitachi
Tama Einschienenbahn Tama 1997 16 km Hitachi
Tokio Haneda 1964 16,9 km Alweg
Tokio Ueno-Zoo Monorail 1958 0,3 km Bauart Langen
Urayasu Maihama Resort Line 2001 5,0 km Hitachi
Kasachstan Almaty 2009 40 km (?)
Malaysia Kuala Lumpur 2003 8,6 km Hitachi
Putrajaya 2004? - verzögert 18 km Monorail Malaysia
Singapur Insel Sentosa 2004 2,1 km Hitachi Small


Osaka hat das derzeit längste System der Welt mit 23,8 km.

Amerika und Australien

Land Stadt Artikel Eröffnung Gesamtlänge Hersteller
Australien Sydney 1988 3,6 km Von Roll Typ III
Brasilien Pocos de Caldas Ferreira 1990 6 km
USA Jacksonville 1997 7,0 km Bombardier
Las Vegas 1995, 2004 erweitert 6,3 km Bombardier
Newark 1995 4,8 km Von Roll
Seattle 1962 1,5 km Alweg
Tampa 1991 1 km Bombardier


Die Liste enthält auch Einschienenbahnen im Bau und in der Planung, sofern die Projekte definitiv beschlossen sind. Der Transrapid in Shanghai wurde ausgelassen, da er zwar technisch eine Einschienenbahn ist, aber normalerweise nicht zusammen mit anderen Einschienenbahnen besprochen wird und auch eine andere Zielsetzung hat.

Wieder abgebaute Systeme

(zu ergänzen)

Siehe auch

Weblinks

See also: Einschienenbahn, 1821, 1880, 1886, 1888, 1901, 1913, 1924, 1957, 1958