Elberfelder Bibel

Die Elberfelder Bibel ist eine bedeutende Bibelübersetzung des 19. Jahrhunderts. Sie war nie so verbreitet wie die Lutherbibel, hat jedoch den Vorzug einer begriffsnahen Übersetzung und Texttreue. Sprachliche Schönheit und poetische Durchformung müssen in ihr hinter der Genauigkeit der Übersetzung zurückstehen. Damit hat sie auf viele weitere Übersetzungen der Bibel Einfluss gehabt.

Ziel der Übersetzung war und ist es, "den des Urtextes Unkundigen ... mit wenigen Kosten eine möglichst treue und genaue Darstellung des Wortes Gottes in ihrer eigenen Sprache darzureichen" (aus dem Vorwort der ersten Ausgabe). Da ein großer Teil der Übersetzungsarbeit in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal) stattfand, bürgerte sich die Bezeichnung Elberfelder Bibel bzw. Elberfelder Übersetzung ein.

Initiatoren der Übersetzung waren Julius Anton Eugen von Poseck, Carl Brockhaus und John Nelson Darby. Damit stand sie in enger Verbindung zum Dispensationalismus; in der revidierten Fassung ist dies nicht mehr so sehr der Fall.

Die Elberfelder Bibel zeichnet sich auch dadurch aus, dass Worte, die der besseren Verständlichkeit wegen eingefügt wurden, gesondert gekennzeichnet werden. Zusätzlich werden alternative Lesarten und Verständnishinweise in Fußnoten dargestellt. Die Elberfelder Bibel gilt als diejenige unter den verbreiteten deutschen Übersetzungen, die am nächsten am Urtext des neuen Testamentes ist – Gerüchten zufolge wird sie sogar von Griechisch-Studenten als "Übersetzungshilfe" verwendet. Allerdings sind die speziell als Studienhilfen für den griechischen Text gedachten Übersetzungen Friedolin Stier und Münchener Neues Testament nochmals deutlich wörtlicher.

Seit 1960 wurde sie neu überarbeitet und sprachlich angepasst. Gleichzeitig wurden neue Erkenntnisse in der Quellenforschung (Textkritik) berücksichtigt. Sie wurde als Revidierte Elberfelder Bibel veröffentlicht (1975 Neues Testament mit Psalmen, 1985 vollständige Bibel). Die Revision zeichnet sich neben der Texttreue durch gute Lesbarkeit und Verständlichkeit aus, legt jedoch weniger Wert als andere Übersetzungen auf sprachlichen Wohlklang.

In Teilen der Brüdergemeinden stieß die revidierte Fassung jedoch auf Kritik. So wurde in den 1980er Jahren mit einer eigenen Überarbeitung der alten "Elberfelder" begonnen. 1999 erschien die erste Auflage mit Fußnoten, 2003 die erste Auflage der komplett überarbeitete Fassung. Sie wird so in Abgrenzung von der revidierten Elberfelder Bibel genannt. Im Gegensatz zur "Revidierten" wird auf die Angabe von Überschriften und Parallelstellen verzichtet.

Die alte Elberfelder Übersetzung des 19. Jahrhunderts verwendete für die Übersetzung des Neuen Testamentes sowohl den Textus receptus als auch Codices der alexandrinischen Linie (z.B. Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus). Die beiden heutigen Fassungen verwenden zur Übersetzung des Neuen Testamentes die textkritische Edition von Nestle-Aland.

Bei der Überarbeitung der alten Übersetzung 1974 stellten sich zwei besondere Probleme, die auch die ursprünglichen Übersetzer schon sehr beschäftigt haben, was aus dem Vorwort ihrer Übersetzung hervorgeht:

... die Übersetzung des Namens Jehova im Alten Testament und des Wortes "Ekklesia" im Neuen Testament. Bei "Jehova" fiel die Entscheidung nicht ganz so schwer. Die Israeliten haben nie "Jehova" gesagt, sondern wahrscheinlich "Jahwe". Später wagte man nicht mehr, den heiligen Gottesnamen auszusprechen und sagte statt dessen "Adonaj" (= Herr). Damit man nun beim Vorlesen aus der Bibel daran erinnert wurde, "Adonaj" zu lesen und nicht versehentlich "Jahwe", setzten die Juden in ihren Bibelhandschriften zu den Konsonanten des Namens "Jahwe" (JHWH) die Vokale des Wortes "Adonaj" (êoa, wobei das Zeichen für ê auch für â stehen kann), so daß Nichteingeweihte daraus "Jehovah" lesen mußten. Daraus ergibt sich folgerichtig, daß "Jehova" kein Name ist und man ihn deshalb auch in unserer Sprache nicht so schreiben und aussprechen sollte.
Bei der Revision wurde daher "Jehova" durch "HERR" ersetzt, und zwar mit Großschreibung aller Buchstaben, damit der Leser erkennen kann, daß an dieser Stelle im Grundtext die Buchstaben JHWH stehen. Daß die Entscheidung für "HERR" und nicht für "Jahweh" getroffen wurde, hat vor allem zwei Gründe:
Daß der Gottesname JHWH "Jahwe" ausgesprochen wurde, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher. Nach anderen Wissenschaftlern lautete die Aussprache "Jahwo". Eine nur indirekt erschlossene Namensform, mag auch sonst vieles für sie sprechen, reicht aber zur Wiedergabe des Namens Gottes nicht aus. Schon in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta (LXX), gab man JHWH mit "Kyrios" (=Herr) wieder. Und auch im Neuen Testament steht dort, wo Schriftstellen aus dem Alten Testament zitiert werden, "Herr" anstelle von JHWH. Unser Herr Jesus Christus und seine Apostel haben weder "Jehova" noch "Jahwe" gesagt, sondern "Herr".
Von der Regel, den Gottesnamen mit "HERR" wiederzugeben, wurde nur in einigen Ausnahmefällen abgewichen, z.B. 2. Mo 3,15, wo dann jeweils eine erklärende Fußnote steht. Die Kurzform des Gottesnamens, "Jah", wurde dagegen immer stehengelassen, damit der Leser mit Sicherheit erkennen kann, wo JHWH und wo Jah im Grundtext steht. ... (Vorwort zur rev. Elb.)

Bezugsquellen:

Siehe auch

Weblinks

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See also: Elberfelder Bibel, 19. Jahrhundert, 1960, 1975, 1980er, 1985, 1999, 2003, Bibel, Bibelstudium