Elisabethkirche (Marburg)

thumb|historische Ansicht der Elisabethkirche Die Elisabethkirche in Marburg wurde vom Deutschen Orden zu Ehren der heiligen Elisabeth von Thüringen gebaut, und hier war auch ihr Grabmal, was die Kirche zu einem bedeutenden Wallfahrtsort des späten Mittelalters machte.

Die Kirche gilt als Meisterwerk der deutschen Frühgotik. Sie zählt zu den ersten rein gotischen Hallenkirchen in Deutschland. Mit dem Kölner Dom und der Marienkirche in Trier ist sie die erste rein gotische Kirche im deutschen Sprachraum. Für den Kölner Dom galt sie als Vorbild.

Der Sandsteinbau hat einen kreuzförmigen Grundriss, wobei die Halle aus drei Schiffen besteht, die jeweils über 20 m Gewölbehöhe erreichen, und in einen dreigliedrigen Chorbau aus Elisabethchor, Hohem Chor und Landgrafenchor mündet. Dazwischen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hochaltar eine sogenannte Vierung, ein durch einen steinernen Lettner vom Hallenbau abgetrennter Bereich, der früher den Ordensrittern vorbehalten war. Die Türme der Elisabethkirche sind etwa 80 m hoch.

Der gotische Elisabethschrein in der Sakristei ist der wichtigste Schatz der Kirche, daneben können andere Exponate aus der Sakralkunst besichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

thumb|Das Hauptportal in der Westfront der Kirche, die sogenannte "Himmelspforte". Mit dem Bau wurde im Jahr der Heiligsprechung Elisabeths (1235) begonnen und er wurde 1283 geweiht, auch wenn die Arbeiten an den beiden Türmen sich noch bis 1340 hinzogen. Die Kirche gehörte dem Deutschen Orden; einige Gebäude des Ordens, das sogenannte Deutschhausgut, befindet sich noch heute an der Kirche. Dort sind jetzt u.a. Einrichtungen der Philipps-Universität und des Hessischen Landestheaters untergebracht. Bis ins 16. Jahrhundert war die Elisabethkirche Grablege der Landgrafen von Hessen.

1539 ließ Landgraf Philipp der Großmütige die Gebeine der Heiligen Elisabeth entfernen, um die Pilger aus dem reformierten Marburg zu vertreiben. Reliquien der Elisabeth befinden sich heute im Elisabethkloster in Wien, im Stadtmuseum von Stockholm sowie in der slowakischen Stadt Košice.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts konvertierten die einstmals katholischen Ordensbrüder fast alle zum Protestantismus, so dass in der Elisabethkirche nun der evangelische Gottesdienst gefeiert wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Kirche kurzzeitig ein Simultaneum, d.h. es fanden räumlich getrennt sowohl katholische als auch protestantische Gottesdienste statt.

Seit dem 2. Weltkrieg liegt Paul von Hindenburg in der Elisabethkirche begraben, dessen Leichnam zu Kriegsende aus Ostpreußen evakuiert worden war.

Aktuelle Entwicklungen

thumb|Die Elisabethkirche heute Die Elisabethkirche ist seit längerem sanierungsbedürftig. Auch ihr unmittelbares Umfeld, auf dem u. a. der jährliche Weihnachtsmarkt stattfindet, ist der kunsthistorischen und touristischen Bedeutung des Baukunstwerks kaum mehr angemessen. Da die Stadt Marburg und die evangelische Landeskirche dringend finanzielle Unterstützung für die Sanierung benötigen, wurde 2004 die "Stiftung Heilige Elisabeth" gegründet.

siehe auch: Konrad von Marburg, Wallfahrtsort, Reliquien, Staufer

Literatur

Weblinks

See also: Elisabethkirche (Marburg), 1235, 1283, 1340, 1539, 16. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 2. Weltkrieg, Deutscher Orden, Elisabeth von Thüringen