Empfindung (Philosophie)
Die Empfindung (englisch: sensation, feeling ) bezeichnet zwei Elemente des Erkennens, die man hervorheben kann: das Sinnliche (Empfindungen, Wahrnehmungen und Vorstellungen) und das Rationale (das Denken in seinen vielfältigen Formen: Begriffe, Urteile, Schlüsse, Hypothesen, Theorien und anderem).
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2.1 Zur Rolle des "physiologischen Idealismus" |
Zur Unterscheidung und Natur der Erkenntnis und des Wissens im Hinblick auf den Prozess der Empfindungen
Die Vertreter des Sensualismus nahmen an, dass dem sinnlichen Moment, das heißt den Empfindungen und Wahrnehmungen in der Erkenntnis die entscheidende Rolle zukommt. Diese Position enthält die bloße Tatsache, dass der Mensch mit seiner äußeren Welt über die Sinnesorgane verbunden ist. Trotz dieser einfachen Feststellung kann es verschiedene Auffassungen über die Natur der Empfindungen und Wahrnehmungen bezüglich ihrer Rolle bei der Erkenntnis des Menschen geben.
Wenn die Empfindungen die Quelle des Wissens sein sollen, so schließt die Fragestellung an, was die Quelle der Empfindungen ist. Der idealistische Sensualismus (George Berkeley, David Hume, die Machisten, siehe Machismus) sieht die Empfindungen und Wahrnehmungen als letzte Realität an, mit der es der Mensch zu tun hat; er negiert entweder die Existenz der objektiven Realität oder hält es für sinnlos, die Frage nach der Quelle der Empfindungen oder Wahrnehmungen zu stellen.
Zur Rolle des Objekts und des Subjekts in der Wechselwirkung des Erkennens
Nicht selten bildet dabei die komplizierte Natur der Empfindungen die Basis für idealistische Spekulationen, welche die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen einseitig interpretieren. Bekanntlich sind Empfindungen das Resultat der Wechselwirkung zweier materieller Systeme: des Objektes (der Reizquelle), das sich außerhalb der Sinnesorgane befindet, und des Subjekts (der Sinnesorgane, des Nervensystems), das wesentlichen Einfluss auf die Form der Empfindungen nimmt.
Zur Rolle des "physiologischen Idealismus"
Der im 19. Jahrhundert entstandene " physiologische Idealismus" kommt dadurch, dass er die Angaben der Physiologie der Sinnesorgane einseitig interpretiert, zu der Annahme, dass die äußere Reizquelle bloß die Funktion eines Anstoßes, des Anlasses für die Empfindung ausübt, aber überhaupt nicht deren Inhalt bestimmt.
Dieser hängt von der inneren Energie ab, die für jedes Sinnesorgan spezifisch ist. Auf diese Weise werden die Empfindungen dem Wesen nach von der Außenwelt isoliert, ihr Inhalt tritt bloß als Symbol der Dinge und Prozesse auf, was zum Skeptizismus führen kann.
Zur Rolle des "naiven Realismus" als Gegensatz zum "physiologischen Idealismus"
Das andere Extrem in der Auffassung der Empfindung ist der "naive Realismus". Seine Vertreter nehmen an, dass außerhalb des Menschen die äußere Welt mit ihrer Vielfältigkeit buchstäblich so existiert, wie sie der Mensch empfindet und wahrnimmt. Der Mensch und sein Nervensystem haben angeblich keinerlei Einwirkung auf die Form der Empfindung.
Tatsächlich zeigen die wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Sinnesorgane die Ausformung der Empfindungen beeinflussen. Letztlich ist festzustellen, dass jede Empfindung das subjektive Abbild der objektiven Welt ist. Dabei sind die Empfindungen und Wahrnehmungen in bestimmten Grenzen, bei Voraussetzung normaler Funktionsfähigkeit, als Quelle des menschlichen Wissens zuverlässig.
Zu den Empfindungen in ihrer Rolle innerhalb bestimmter Grenzen bei dem Erkennen der Wirklichkeit
In diesen bestimmten Grenzen, die noch durch entwickelte Geräte und Einrichtungen präzisiert werden können, geben sie Vorstellungen von der äußeren Welt, die die Wirklichkeit richtig widerspiegeln. Das heißt es existiert eine natürliche Übereinstimmung zwischen der äußeren Welt und den Resultaten der Angaben der Sinnesorgane. Dieses ist das Ergebnis des Evolutionsprozesses der Lebewesen, ihrer Anpassung an die Umgebung.
Zum Verhältnis der Quelle des Wissens zur Leistung der Empfindungen
Obwohl die Angaben der sinnlichen Widerspiegelung der Wirklichkeit Quelle des Wissens sind, stellen sie nicht dessen gesamten Inhalt dar. Die sensualistische These, welche von dem englischen Philosophen John Locke (1632-1704) ausgesprochen wurde ("Es ist nichts im Verstand, was nicht voher in den Sinnen war"), drückt eine metaphysische Reduktion aus, die die Bezeichnung "Empirismus" trägt.
Zum Standpunkt des Empirismus bei der Bildung des Wissens
Vom Standpunkt des Empirismus hat das Wissen die Empfindung und Wahrnehmung nicht nur zum Ursprung, sondern erschöpft sich dem Wesen der Sache nach in ihnen. Dem Denken überlässt der Empirismus nur die Summierung und Ordnung der Erfahrungstatsachen, worunter die Gesamtheit der Empfindungen und Wahrnehmungen des Menschen verstanden wird.
Der Empirismus der materialisitischen Philosophie des 17. Jahrhunderts und 18. Jahrhunderts hatte progressive Bedeutung, denn er forderte zum Erfassen der Natur durch die Erfahrung, zur Reinigung des Wissens von spekulativer Scholastik auf. In der Folgezeit wurde der Empirismus eine der Quellen des Agnostizismus und verschiedener Formen des Aberglaubens.
Zum Prozess der Wissensbildung, ausgehend von der Einheit von Sinnlichem und Rationalem
Erst das Verhältnis von Sinnlichem und Rationalem, von Erfahrungsdaten und Denken in der Auffasssung der Außenwelt schuf die Grundlage zu einer konkreten Erkenntnis. Die Erkenntnis beginnt somit mit der lebendigen, sinnlichen Anschauung der Wirklichkeit. Die sinnliche Erfahrung des Menschen (die Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen) sind die Quelle des Wissens, die den Menschen mit der äußeren Welt verbinden.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder einzelne Erkenntnisakt mit der Erfahrung beginnt. Kenntnisse werden nicht im biologischen Sinne vererbt, sondern von einer Generation zur anderen weitergegeben. Es existieren Formen des Wissens, die in theoretischer Gestalt die Erfahrung vorangegangener Generationen verallgemeinern, diese Formen sind von der besonderen Erfahrung jedes einzelnen unabhängig. Ohne Begriffe kann der Mensch seine sinnliche Erfahrung nicht sprachlich ausdrücken.
Zur Verbindung von Anschauung, Zeichen, Sprache und Denken
Ebendeshalb gibt es keine "reine" sinnliche Anschauung. Beim Menschen ist sie immer vom Denken geprägt. Aber es gibt auch kein "reines" Denken, letzteres ist immer mit dem Anschauunsgmaterial verbunden, und sei es in Form anschaulicher Abbilder und Zeichen. Die lebendige sinnliche Anschauung der Wirklichkeit kann man nur in dem Sinne als unmittelbar betrachten, als sie uns mit der Welt der Dinge, ihrer Eigenschaften und Beziehungen verbindet, aber sie ist durch die vorangegangene Praxis und die bereits entstandene Sprache bedingt.
Ohne gedankliches Erfassen der Resultate der Empfindungen gibt es auch kein Wissen. So ist das Wissen die Einheit von sinnlicher und rationaler Widerspiegelung der Wirklichkeit. Außerhalb der anschaulichen Vorstellung erlangt der Mensch keinerlei reales Wissen.
Zur besonderen Form des Begriffes im Zusammenhang mit der Erfahrung
So sind beispielsweise viele Begriffe der modernen Wissenschaft äußerst abstrakt, aber sie können sich vom anschaulichen Inhalt nicht nur deshalb nicht völlig befreien, weil sie ihrer Herkunft nach letzten Endes der menschlichen Erfahrung verpflichtet sind, sondern auch deshalb, weil sie der Form ihrer Existenz nach als System sinnlich-wahrnehmbarer Zeichen auftreten. Andererseits kann das Wissen nicht ohne rationale Verarbeitung der Erfahrungsdaten auskommen.
Diese müssen in die Resultate und den Verlauf der intellektuellen Entwicklung der Menschheit einbezogen werden
Zwei Arten der Empfindungen: äußere und innere Empfindungen
Nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse lassen sich zwei Arten von Empfindungen unterscheiden:
- 1. äußere (exterorezeptive) Empfindungen. Zu ihnen gehören Tast-(taktile), Gesichts-(optische), Gehörs-(akustische), Geschmacks-(gustatorische), Geruchs-(osmische), Temperatur-(thermische), Schmerz- und statiko-kinästhetische(Gleichgewichts-, Bewegungs-, Beschleunigungs-, Vibrations-) Empfindungen.
- 2. innere (interorezeptive) Empfindungen. Zu ihnen gehören die sogenannten Organempfindungen, z.B. Chemo-, Thermo-, Luftdruck- und Schmerzempfindungen der inneren Organe. Die inneren Empfindungen sind in erster Linie Erscheinungen der Lebenstätigkeit des Organismus; sie sind vor allem für das zweckmäßige Handeln des Menschen von Bedeutung.
Die Einteilung der Empfindungen in äußere und innere ist relativ. So gehören z.B. Temperatur-, Schmerz- und statiko-kinästhetische Empfindungen sowohl zu den äußeren wie den inneren Empfindungen. Für alle Arten der Empfindungen gilt jedoch, daß sie wohl Abbilder der Außenwelt bzw. Informationen über den inneren Zustand des Organismus als auch Erscheinungen der Lebenstätigkeit darstellen. Insofern spielen die äußeren Empfindungen auch eine Rolle bei der Gestaltung der bewußten, zweckmäßigen Tätigkeit des Menschen, während andererseits auch innere Empfindungen eine gewisse Erkenntnisfunktion ausüben.
siehe auch: Wahrnehmung, Vorstellung, Abstraktion
Kategorie: Philosophie
