Entscheidung

Eine Entscheidung beschreibt den Wahlakt aus einer Menge von mindestens zwei Handlungsalternativen, wobei die Option, nicht zu wählen (Unterlassungsalternative), ebenfalls eine Handlungsalternative darstellt. Keine Entscheidung liegt vor, wenn die Konsequenzen der Handlungsalternativen gleich sind und/oder die Handlungsalternativen nicht realisierbar sind.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Wort soll von ent-scheiden, also z.B. das Schwert aus dessen Scheide ziehen stammen, da man sich dann eben zwischen kämpfen bzw. nicht kämpfen entschieden hat.

Von "Vorentscheidung" wird vorwiegend im Zusammenhang empirisch feststellbarer Tatbestände gesprochen (d.h. eher im Kontext psychologischer Erkenntnis), während "Grundentscheidung" (Fundamentaloption) die durch spekulative Reflexion erschlossene Metaebene der menschlichen Freiheit und ihrer grundlegenden sittlichen Aktualisierung betrifft.

Allgemeines

Jedem bewussten Handeln des Menschen geht eine Entscheidung voraus. Dabei wird aus erkannten, real gegebenen Möglichkeiten eine Variante ausgewählt und somit die Verhaltensweise in einer mehrere Entwicklungsmöglichkeiten beinhaltende Situation festgelegt. Dies findet in einem Entschluss, Plan, einer Verordnung, Weisung u.a. seinen Ausdruck. Die durch die Entscheidung ausgelösten Handlungen sollen die gegebene Situation verändern. Das gesetzte Ziel ist bei minimalem Aufwand an Zeit, Kräften und Mitteln mit bestmöglichen Ergebnissen zu erreichen. Dieses optimierende Bestreben resultiert aus der Voraussetzung, daß eine hinreichende Motivation für das Erreichen des Ziels vorliegt.

Der Inhalt des Begriffs der Entscheidung wird abstrakt-mathematisch in der Spieltheorie erfasst; jeder Zug eines Spielers oder die Wahl einer bestimmten Strategie für die Führung des Spieles stellen Entscheidungen dar. Mit dem Prozess der Entscheidung wird die Bedeutung des Handelns der Menschen im Gegensatz zum bloßen Wissen betont. Untersuchungen zur Entscheidung stammen zunächst von Psychologen bei der Analyse von Willenshandlungen der Persönlichkeit. Als spezifische Entscheidungsakte kann man Schätzung, Bewertung und Messung bezeichnen.

Die Entscheidung ist Ausdruck des bewußten Handelns der Menschen, von Interessen und Motivationen abhängig und wird von Emotionen im Entscheidungsprozess begleitet. Im Entscheidungsprozess wirken objektive und subjektive Faktoren. Die objektive Grundlage der Notwendigkeit, einer Entscheidung zu treffen, liegt in der gesetzmäßigen Herausbildung verschiedener Möglichkeiten in der objektiven Realität. Diese müssen erkannt und gegeneinander abgewogen werden; ausgewählt wird entsprechend der konkreten Situation und dem Ziel und dem Nutzen der Handlung. Subjektive Faktoren liegen im Wissen und Können sowie den Charaktereigenschaften der Persönlichkeit. Nach Untersuchungen dominieren bei Entscheidungen oft subjektive Faktoren. Entscheidungen erfordern daher sowohl Verantworungsbewusstsein, fachliches Wissen und Können als auch moderne Leitungsmethoden, Anwendung der Systemtheorie und Mathematik sowie hinreichende Rechentechnik. Vor allem die programmorientierte Entscheidungsfindung ist zum erkenntnistheoretisch-philosophischen Problemfeld geworden.

Entscheidung und Information

Der Unterschied zwischen einer Entscheidung und einer Berechnung liegt darin, dass für eine Entscheidung nicht alle Fakten, die zu einer Berechnung erforderlich wären, erhoben werden können. Entweder weil die Erhebung unwirtschaftlich wäre oder weil die Faktoren, die einfließen, so verschieden sind, dass sie sich nicht vergleichen lassen. Verkürzt kann man sagen: Eine Entscheidung beruht immer auf Unsicherheit. Daher sind Entscheidungen oft umstritten, da jeder die verbleibende Unsicherheit mit anderen Annahmen belegt. Die wichtigste Regel zum Fällen von Entscheidungen ist, dass die Entscheidung um so leichter fällt, je kleiner die Unsicherheit ist - jede Entscheidung fällt leichter, wenn mehr Informationen zum Entscheidungsbedarf vorliegen.

Entscheidungstheorie

Für die theoretische Durchdringung des Entscheidungsprozesses gewinnt die Entscheidungstheorie an Bedeutung. Sie wird definiert als ein System von allgemeinen Regeln, Gesetzen und Erfahrungen, das dazu dient, eine Entscheidung vorzubereiten, zu treffen und zu realisieren. Ziel der Entscheidungstheorie ist es, im Entscheidugsprozess ein optimales Entscheidungsverhalten zu gewährleisten. Für Entscheidungsvorbereitung und Entscheidungsfindung haben operationale Modelle und Methoden Bedeutung.

In der Entscheidungstheorie werden Methoden wie z.B. die einfache Nutzwertanalyse (NWA) oder der präzisere Analytic Hierarchy Process (AHP) angewandt, bei dem Kriterien im Sinne von Gesichtspunkten und Alternativen im Sinne von Lösungsvorschlägen dargestellt, verglichen und bewertet werden, um die optimale Lösung zu einer Entscheidung oder Problemstellung zu finden.

Entscheidungsprozess

Der Entscheidungsprozess wird charakterisiert als Gesamtheit der notwendigen Schritte von der Erkenntnis der Problemsituation bis zur Entscheidungsfindung. Folgende Stufen sind dabei zu unterscheiden:

  1. Erkenntnis der Problemsituation und Vorentscheidung über das(die) Ziel(e) der Handlung
  2. Analyse der Problemsituation in Form eines Vergleichs der sich bietenden Möglichkeiten zur Erreichungs des(der) Ziels(Ziele)
  3. Erkenntnis und Fixierung der wichtigen Faktoren als Aufgabenstellung unter Berücksichtigung von möglichen Störungen und Risikofaktoren, wobei auch mögliche Versagenssituationen durchgespielt werden können, um das Ziel selbst unter erschwerten Bedingungen zu erreichen
  4. Verteilung der Aufgaben entsprechend zu beschreitender Wege, anzuwendender Mittel und Methoden
  5. Erarbeiten von Teilanalysen im Vergleich zwischen Ausgangssituationen und gegenwärtiger Situation zur Festlegung von Kriterien für die optimale Entscheidung unter Hervorhebung des Nutzeffekts
  6. Vorentscheidung über Prämissen zur Lösung der Problemsituation und Auswahl sowie Ausarbeitung günstiger Varianten nach festgelegten Optimalkriterien
  7. Bewertung der Varianten zur Ermittlung der optimalen Entscheidung sowie Realisierung der Entscheidung.

Klassifikation

Entscheidungen können eingeteilt werden:

Programmierbare und nicht-programmierbare Entscheidungen

Programmierbare Entscheidungen treten in Routinefällen auf, in denen aufgrund von Erfahrungen bereits Lösungen gegeben und neue Erkenntnisse minimal sind. Es liegt ein bekannter und definierter operativer Prozess vor, der klar strukturiert ist und nur noch wenig Beurteilung erfordert.

Im Gegensatz dazu stellen nicht-programmierbare Entscheidungen eine große Herausforderung da, weil sie in einer neuartigen, sich nicht wiederholenden Situation getroffen werden müssen. Manager sind dazu aufgefordert, Lösungsalternativen für eine einzigartige Situation zu entwickeln und die beste auszuwählen. Kreatives Denken fördert die Qualität dieser operativen oder strategischen Entscheidungen und sollte nicht vernachlässigt werden.

Individuelle oder Gruppenentscheidungen

Aufgrund der zunehmenden Dezentralisierung von Organisationen, werden Individuen darin bestärkt, Entscheidungen in bestimmten Situationen selbst zu treffen und für die Konsequenzen alleine Verantwortung zu tragen.

Entscheidungen von Gruppen werden hingegen von mehreren Personen in der Organisation gemeinsam gefällt. Der Vorteil dieses Entscheidungsstils besteht darin, dass die Beteiligten im Entscheidungsprozess eingebunden sind und zum Erfolg der Entscheidungsfindung beitragen können, indem sie Fachwissen und neue Ideen austauschen. Dabei erhöhen Verbundenheit und Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern die Fähigkeit, Lösungsalternativen zu ermitteln und Probleme effektiv zu lösen.

Ist die Situation jedoch nicht förderlich und die Personen nicht motiviert, so werden sich die Gruppenmitglieder für die getroffene Entscheidung weniger verantwortlich fühlen und sich den Konsequenzen entziehen wollen.

Ob die individuelle oder Gruppenentscheidung gewählt werden soll, hängt deshalb auch von der Situation und der Moral der Personen ab.

Zitat

Wenn es für die Alternativen gleich gute Argumente gibt, kann man den Zufall entscheiden lassen. - Werner Winkler (Probleme schnell und einfach lösen, ISBN 3636070010, S. 137)

Siehe auch

Literatur

See also: Entscheidung, Alternative, Analytic Hierarchy Process, Dezentralisierung, Dezisionismus, Entscheidung (EG), Entscheidung (Gericht), Entscheidungsstil, Entscheidungstheorie, Fundamentaloption