Enzyklopädie

thumb|Wissenschaftliche Enzyklopädie von 1772

Als eine Enzyklopädie (älteres Griechisch εγκυκλοπαιδεία, heute εγκυκλοπαίδεια) bezeichnet man den Versuch der vollständigen und strukturierten Darstellung des Wissens zu einem bestimmten Thema oder des gesamten Wissens der Welt; in ihr wird der gesamte Wissensstoff aller Disziplinen oder eines Faches dargestellt. Die Enzyklopädie wird in der Wissenschaft der Enzyklopädik erforscht; ihr liegt eine Enzyklopädietheorie zugrunde.

Eine Enzyklopädie muss nicht notwendigerweise ein Nachschlagewerk sein; Enzyklopädien können Wissen in unterschiedlichen Organisationsformen darstellen, angefangen von einer Allegorie über ein Curriculum, eine Kosmogonie, den Dekalog, den Katechismus bis hin zu systematischen oder alphabetischen Dispositionen. Ihr kennzeichnendes Merkmal gegenüber anderen Literaturgattungen ist der Universalitätsanspruch.

Eine Sonderform der Enzyklopädie sind alphabetisch gegliederte Nachschlagewerke wie das Lexikon und das Wörterbuch, die nicht den Anspruch erheben, das "gesamte Wissen der Welt" oder einer Fachdisziplin erschöpfend darzustellen.

Vor allem enzyklopädische Nachschlagewerke mit einem begrenzten Fachumfang werden eher als Fachlexika oder Sachwörterbuch bezeichnet (z.B. Computerlexikon, Sprachlexikon oder Tierlexikon). Das Lexikon wird in der Wissenschaft der Lexikografie erforscht; ihr liegt eine Lexikontheorie zugrunde.

Gelegentlich werden auch Wörterbücher als Lexikon bezeichnet. Wörterbücher verzeichnen und erklären einzelne lexikalische Einheiten (z.B. die einzelnen Wörter des gesamten Wortschatzes einer Sprache).

Als Zwischenform zwischen Enzyklopädie und Wörterbücher kann das Begriffswörterbuch gelten. Es untersucht den Gebrauch von Wörtern aus ideen- und/oder sozialgeschichtlicher Perspektive und ist dabei wissenschaftlich anspruchsvoller als das Sachwörterbuch. Typische Beispiele sind Geschichtliche Grundbegriffe und das Historische Wörterbuch der Philosophie.

Die Hinterfragung der Enzyklopädie an sich, oder konkreter Einzelaspekte der Enzyklopädie, wird als Enzyklopädiekritik bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Der Begriff Enzyklopädie wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus dem gleichbedeutenden frz. encyclopédie entlehnt. Dieses wiederum zu lat. encyclopaedia aus altgr.: εγκύκλιος und παιδεία, einer unkorrekten Zusammensetzung aus egkýklios, "kreisförmig", "im Kreise herumgehend" und paideía, "Lehre", "Bildung" zu egkyklopaideia, "Grundlehre aller Wissenschaften und Künste", "Wissenschaftskunde".

Geschichte und Entwicklung

Siehe Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie

Enzyklopädien nach Sprachen

Siehe Verzeichnis der Enzyklopädien nach Sprachen

Vergleich einiger Enzyklopädien

Umfang ausgewählter Enzyklopädien
Name Titel Medium Artikelanzahl Wörter Abbildungen Videos Audio Weblinks
Britannica Encyclopaedia Britannica (EB) 32 Bände >65.000 44 Mio >24.000 keine keine ?]
Britannica Britannica Ultimate Reference Suite 2005 6 CDs oder 1 DVD >100.000 >54 Mio >17.650 (*) ? ? 165.000]
Brockhaus Die Enzyklopädie 20., neu bearbeitete Auflage 1996 bis 1999 24 Bände >260.000 ? >35.000 keine keine ?]
Brockhaus Die Enzyklopädie digital 10 CDs oder 1 DVD >260.000 26 Mio >14.500 250 13 Stunden >19.000]
Enciclopedia universal ilustrada europeo-americana Enciclopedia Espasa 2004 90 Bände + 1 DVD >900.000 >200 Mio >100.000 ? ? ?]
Enciclopedia universal Larousse Enciclopedia universal Larousse 2003 4 CDs oder 1 DVD >150.000 >25 Mio ? 10.500 Video +Audio +Abb ? 2.300
Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005 4 CDs oder 1 DVD >50.000 >20 Mio >20.500 >300 >2.750 6.000
Meyers Meyers Großes Taschenlexikon in 26 Bänden 26 Bände + CD >150.000 ? >5.000 keine keine ?]
Wikipedia Die freie Enzyklopädie (deutsch) online, PDA, Mobiltelefon, CD-ROM, DVD, Taschenbuchreihe z. Zt. -1 >76 Mio. >110.000 ? >25 >230.000

(*) einschl. Audio- und Video-Dateien

Typologie der Enzyklopädien und Lexika

Enzyklopädische Formen:

Sonderformen:

Zwischenformen:

Lexikalische Formen:

Siehe auch: Enzyklopädietheorie, Lexikontheorie

Neue Formen der Enzyklopädie

Die Tatsache, dass eine Enzyklopädie von ihrem eigenen Anspruch her strukturell und inhaltlich eigentlich nie abgeschlossen sein kann, ist eine Herausforderung an die neuen Medien. So ermöglichten es die Medien CD-ROM und DVD, dass wichtige Herausgeber im Gefolge der New Economy von gedruckten Enzyklopädien auf elektronische Publikationsformen umgestellt haben; das Medium ist kostengünstig, und auch Bilder, Ton- und Videodokumente können leicht eingebunden werden.

Für großes Aufsehen sorgte im Jahr 2002 die Ankündigung, die englische Encyclopædia Britannica werde künftig nur noch in elektronischer Form verfügbar sein. Mittlerweile sind die Herausgeber von diesem Plan wieder abgerückt, und die Encyclopædia Britannica wird weiterhin auch in gedruckter Form angeboten.

Verwandte Literaturgattungen

Siehe auch: Nachschlagewerk

Verwandte Wissenschaften

Die Wissenschaft von der Erforschung von enzyklopädischen Nachschlagewerken ist die Enzyklopädik. Darunter wird vor allem die historische Untersuchung von Enzyklopädien verstanden. Daneben gibt es die Bezeichnung Enzyklopädistik. Beide Wörter werden auch synonym für eine Enzyklopädie verwendet. Die Lexikografie beschäftigt sich eher mit der Erstellung von Wörterbüchern als mit enzyklopädischen Lexika. Andere Wissenschaften mit Bezug zur Betrachtung von Enzyklopädien sind die Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft und Wissenschaftstheorie.

Literatur

Gesamtdarstellungen:

Darstellung einzelner Epochen:

Etymologie und Begriffsgeschichte:

Bibliografien:

Weblinks

20px|Wiktionary Wiktionary: Weiteres zur Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen von Enzyklopädie

Bibliografien

Links zu einzelnen Enzyklopädien siehe unter Nachschlagewerke im Internet.

!Enzyklopädie

See also: Enzyklopädie, 1500, 1870, 1918, 1959, 1962, 1964, 1976, 1980