Epaminondas
Epaminondas auch Epameinondas (* um 418 v. Chr. in Theben; † 3. Juli 362 v. Chr. bei Manitnea) war ein griechischer Staatsmann und Feldherr. Er gilt als größter Staatsmann Thebens und entwickelte die so genannte Schiefe Schlachtordnung.
Epaminondas war der Sohn des Polymnis und stammte aus einer vornehmen, aber wenig wohlhabenden Familie. Wichtig war in seiner Jugend der Pythagoräer Lysis, der aus Tarent geflohen und von Epaminondas Vater gastfreundlich worden war. Lysis wurde eine Art Hauslehrer für den jungen Epaminondas, mehr vielleicht noch ein Erzieher.
Epaminondas diente 385 v. Chr. in einem Hilfskorps, das die Thebaner ihren Verbündeten, den Spartanern, zu Hilfe sandten, um gegen Mantinea in Arkadien zu ziehen. Er rettete seinem Freund Pelopidas das Leben, obwohl er selbst verwundet war. Nach der Besetzung der thebanischen Zitadelle Kadmea durch die Spartaner im Jahr 382 lebte Epaminondas zurückgezogen und betrieb seine philosophischen Studien. Im Geheimen betrieb er allerdings mit Gesinnungsgenossen die schließliche Befreiung Thebens vom Joch Spartas Ende 379 v. Chr. Bei der Ermordung der oligarchischen Regenten verweigerte er seine Zustimmung.
371 wurde er zum Bötarchen ernannt und mit anderen thebanischen Abgeordneten zu einem Friedenskongreß nach Sparta entsandt. Hier vertrat er die Ansprüche Thebens auf die Herrschaft über die anderen böotischen Städte mit unbeugsamer Entschlossenheit. Als daraufhin die Spartaner unter Führung des Königs Kleombrotus mit 10000 spartanischen Hopliten und 1000 Berittenen in Böotien einfielen, kam es am 6. Juli 371 v. Chr. in der Ebene von Leukra zur Schlacht. Die thebanische Armee, die zuvor von Gorgidas von Grund auf reformiert wurde, trat den Spartanern unter dem Kommando von Epameinondas entgegen. Die thebanischen Kräfte betrugen 6000 Hopliten und eine unbekannte Anzahl von Reitern. Durch die Schiefe Schlachtordnung gelang es ihm die Spartaner zu schlagen. An dieser Schlacht hatte auch sein Freund Pelopidas mit seiner Heiligen Schaar großen Anteil. Dies war die erste Niederlage für eine spartanische Armee in einer Feldschlacht und gleichzeitig der Beginn des Niedergangs der Hegemonie Spartas. 400 von 700 Vollbürgern Spartas verloren bei dieser Schlacht ihr Leben.
Epaminondas wandte dabei als erster die schiefe Schlachtordnung an, die eine Art kontinuierliche Reserve darstellte. Nun konnte Epaminondas die Böotier und Phoker zur Anerkennung der thebanischen Oberherrschaft nötigen, aber auch die Ätoler und Lokrer verbündeten sich mit ihnen.
Durch Neuordnung des Staatswesens und der Armeestrukturen (Bewaffnung mit langen Sarissen, Aufbau von Bürgerwehren und Entwicklung von Stoßtrupps) bot er Theben die Möglichkeit, zur dritten Großmacht in Griechenland aufzusteigen.
370 wurde Epaminondas erneut zum Böotarchen gewählt. Er zog in den Peloponnes und überzeugte die Argiver, Arkadier und Eleer, sich ihm anzuschließen. Im Dezember drang er in Lakonien selbst ein und durchzog dieses Gebiet, das seit unvordenklichen Zeiten von keinem feindlichen Heer betreten worden war. Nur die von Agiselaus verteidigte Hauptstadt konnte Epaminondas nicht erobern.
Um die Übermacht Spartas zu brechen, bewog Epaminondas die Bewohner des südlichen und westlichen Arkadiens sowie die durch ihn wieder zur Selbständigkeit gelangten Messenier, sich zu einem Einheitsstaat zusammenzuschließen. Als Mittelpunkt der politischen Welt hatten die Arkadier bereits vor den Aktivitäten Epaminondas' Megalopolis gegründet. Nun gründeten sie Messene als Hauptstadt Messeniens. Nach Theben zurückgekehrt wurde Epaminondas gleichzeitig mit Pelopidas von deren radikal-demokratischen Gegnern "wegen eigenmächtiger Verlängerung seiner Amtsdauer" angeklagt und mit der Todesstrafe bedroht. Doch als er die Erfolge seines Feldzugs darlegen konnte, ging das Gericht ohne Abstimmung auseinander.
Man übertrug ihm erneut das Böotarchiat und noch im Jahr 369 unternahm er einen zweiten Einfall in den Peloponnes. Diesmal wurde er nach einer erneuten Anklage seiner Gegner seines Amtes enthoben. Er diente darafhin als gemeiner Soldat im thebanischen Heer, das in Thessalien wirkte. Dieses konnte er durch seine Umsicht vor der vollständigen Vernichtung retten, woraufhin ihm erneut der Oberbefehl übertragen wurde.
Seit 365 versuchte Epaminondas, die Thebaner zur Gründung einer gewaltigen Flotte zu veranlassen, was die Kräfte des Landes mehr als beansprucht hätte. Damit wollte er die Führung der griechischen Staaten gewinnen, diesmal gegen die Athener. Mit einer ansehnlichen Flotte konnte er 364 Byzantion, Chios und Rhodos zum Abfall von Athen veranlassen. Nach drei erfolgreichen Feldzügen in die Peloponnes erreichte er 367 v. Chr., dass Theben als vorherrschende griechische Macht auch von Persien anerkannt wurde.
Der Abfall der Arkadier von Theben veranlaßte einen vierten Feldzug im Sommer 362 v. Chr. auf den Peloponnes, wiederum unter Führung des Epaminondas. Er stieß bis auf die Agora in Sparta vor, wurde aber zurückgeschlagen. Bei Mantinea (10 km nördlich des heutigen Tripolis) kam es zu einer Schlacht. 33.000 Kämpfer auf der thebanischen und 22.000 Mann auf der gegnerischen Seite (Spartaner, Athener, Arkader und Mantineer) waren beteiligt. Noch bevor der Kampf entschieden war, wurde Epaminondas durch einen Wurfspieß von Gryllos, dem Sohn des Xenophons, tödlich verwundet, so daß er hinter die Schlachtlinie getragen wurde. Hier erfuhr er noch, daß der Sieg gesichert sei und starb dann am 3. Juli 362. Er wurde auf dem Schlachtfeld begraben.
Mit dem Tod Epaminondas' war die Machtstellung Thebens in Griechenland beendet, da man keine dem Epaminondas ebenbürtigen Männer zur Verfügung hatte. Cornelius Nepos hat eine kurze Biographie des Epaminondas verfaßt.
Literatur
- Boeckler, Johann H.: Epaminondas quem ex Cornelio Nepote cum brevi explicatione. - Straßburg, Univ. Diss., 1644
- Meissner, August G.: Epaminondas : Biographie. - Prag : Barth, 1798
- Nepos, Cornelius: Sechs Lebensbilder : Themistokles, Alkibiades, Dion, Epaminondas, Hannibal, Attikus. - München : Oldenbourg, 1949
- Pappritz, Richard: Epaminondas und seine Zeitgenossen. - Gütersloh : Bertelsmann, 1909
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Epaminondas |
| ALTERNATIVNAMEN | Epameinondas |
| KURZBESCHREIBUNG | thebanischer Feldherr und Staatsmann |
| GEBURTSDATUM | 362 v. Chr |
| GEBURTSORT | Theben |
| STERBEDATUM | 3. Juli 326 v. Chr. |
| STERBEORT | Manitnea |
