Eric Berne

Eric Berne (* 10. Mai 1910 in Montréal, Kanada, † 15. Juli 1970) war ein gebürtiger Kanadier, der später in die USA auswanderte. Er war ein bedeutender Psychiater des 20. Jahrhunderts.

Leben

Eric Berne wurde 1910 als Eric Lennard Bernstein in Montréal geboren. Er entwickelte die Transaktionsanalyse (TA) als psychotherapeutisches Verfahren, das er aus der Psychoanalyse ableitete.

Eric Berne: Ehrgeizig, aber zurückgewiesen

Eric Berne, Arzt und Psychiater, gab nach einer fünfzehn Jahre währenden Ausbildung den Versuch auf, den Titel eines Psychoanalytikers anerkannt zu bekommen. Als 1956 sein Gesuch um die Mitgliedschaft und die damit verbundene Anerkennung als Psychoanalytiker vom San-Francisco Psychoanalytic Institute abgelehnt wurde, schied er – wie er sagte – «in gutem Einvernehmen». Vermutlich war diese Zurückweisung für ihn recht schmerzvoll; sie verstärkte jedoch in ihm seinen alten Ehrgeiz, die Theorie der Psychoanalyse zu erweitern. Über die Gründe seiner Ablehnung hat er, wahrscheinlich aus Zorn, nie gesprochen. Ich vermute, dass er sich dem psychoanalytischen Konzept nicht genügend anpassen wollte; und in dieser Haltung begegnete ich ihm noch zwei Jahre später. Sein Hauptstreitpunkt mit der Psychoanalyse war zu dieser Zeit seine Auffassung, dass sich ein wirklich guter Therapeut aktiver in den therapeutischen Prozess eingeben müsse, als es das damalige psychoanalytische Konzept zuliess.

Das Projekt «Intuition»...

Zehn Jahre lang hatte er sich mit «Intuition» im diagnostischen Prozess beschäftigt. Sein Interesse hierfür entstand, als er in der Position eines Armee-Psychiaters täglich die Akten tausender Armee-Entlassener zu bearbeiten hatte und dabei zu seiner eigenen Unterhaltung ein kleines Spiel erprobte: Er stellte den Männern die Fragen «Sind Sie nervös?» und «Waren Sie schon einmal bei einem Psychiater?» und versuchte, aus den Antworten auf diese beiden Fragen den Beruf des Mannes zu erraten. Es gelang ihm besonders bei Mechanikern und Bauern gut, richtig zu tippen. Die Erfahrungen und Entdeckungen, die er dabei machte, schrieb er in einer Reihe von Aufsätzen zum Thema Intuition nieder (siehe hierzu die zusammenfassende Arbeit von Dusay, 1971). Diese Arbeiten gipfelten in der Entdeckung der Transaktionsanalyse.

...führte zum Beginn des Konzeptes «Transaktionsanalyse»

Als Arzt hatte er gelernt, «Psycho-pathologisches» zu diagnostizieren, seine Patienten aus dem Blickwinkel der Psychiatrie einzuordnen und ihnen allein auf Grund seiner ärztlichen Position vorzuschreiben, wie sie «sein sollten». Es war ihm ungewohnt und passte auch nicht zu seiner vorgeschriebenen Rolle, seiner unmittelbaren Wahrnehmung zu vertrauen und sie entsprechend in seine praktische Arbeit einzubeziehen. An diesem Punkt hörte er auf, «die alte Melodie zu para-phrasieren» und «begann, den Patienten richtig zuzuhören», wie er zuweilen sagte. So fing Berne an, seine Erkenntnisse über Intuition in die therapeutische Arbeit einzubeziehen. Anstatt die Begriffe und Kategorien des gelernten Psychiaters anzuwenden, anstatt jemanden zum Beispiel zum «schweren Fall latenter Homosexualität» oder zu einem «paranoiden Schizophrenen» zu erklären, stimmte er sich ganz auf die betreffende Person ein und machte sich mit Hilfe seiner Intuition ein Bild von ihr.

Ego image als Basiskonzept

In der Folge nutzte Berne das ego image in seiner therapeutischen Praxis und konnte feststellen, dass er mit seinen unmittelbaren Erkenntnissen (seinen Intuitionen) zu den Gefühlen und Erfahrungen seiner Patienten eine viel wirksamere und hilfreichere Beziehung aufbauen konnte, als durch diagnostische Begriffe, wie er es als Psychiater bislang gewohnt war. Es gelang ihm, bei jedem Patienten ein ego image zu erfassen, das sich auf dessen Kindheit bezog, so konnte er in jede Anamnese schrittweise die Selbstbilder des Patienten als Kind einbeziehen. Hier das Kindheits-Selbstbild einer Frau: «Ein kleines blondes Mädchen steht vor einem umzäunten Garten voller Gänseblümchen», oder ein Mann war «ein Junge auf dem Beifahrersitz, während sein Vater mit Höchstgeschwindigkeit fährt».

Entdeckung der «Ich-Zustände»

Schließlich entdeckte er, dass in jedem Menschen ein ego image aus der Kindheit steckt; er nannte sie «Ich-Zustände» (ego states). Später unterschied Berne den Ich-Zustand aus der Kindheit vom Ich-Zustand des Erwachsenen, den die betreffende Person nach außen hin darstellt und der für den Außenstehenden am deutlichsten sichtbar ist. Er unterschied schließlich zwei Ich-Zustände des Erwachsenen; einen, den er das «Erwachsenen-Ich» (adult ego state) nannte und den er als rational bezeichnete, und einen zweiten, nicht notwendigerweise rationalen, den er das «Eltern-Ich» (parent ego state) nannte, weil ihn Berne als von den Eltern abgeleitet auffasste.

Vervollständigte Theorie

Er setzte seine Beobachtungen bei Patienten fort und gewann immer mehr Abstand von den Inhalten seiner früheren Ausbildung. Er entdeckte die Bedeutung von Streicheleinheiten und Zeitstrukturierung. Er beobachtete Transaktionen, Spiele, Zeitvertreib und schließlich Skripts. Gegen Ende der sechziger Jahre war seine Theorie fast vollständig entwickelt. Schließlich verzichtete er ganz auf die übliche psychiatrische Diagnose. Oft erzählte er einen Witz über die Art und Weise, in der Leute diagnostiziert werden: Zeigt die Person weniger Initiative als der Therapeut, dann wird sie als passiv-abhängig bezeichnet; zeigt die Person mehr Initiative als der Therapeut, dann handelt es sich um einen Soziopathen. Theoretisch blieb er immer mit der Psychoanalyse verbunden. Sie verlor jedoch mit den Jahren an Bedeutung für sein Denken; in seiner Gruppenarbeit hatte sie schließlich gar keine Bedeutung mehr.

TA: Zuerst ein Konzept des menschlichen Verhalten – später eines für die «Heilung»

Ursprünglich war er der Meinung, dass die Transaktionsanalyse lediglich helfen könne, zwischenmenschliches Verhalten besser zu steuern (social control), also das «Ausagieren» zu steuern, wohingegen die Psychoanalyse die echte therapeutische Arbeit zu leisten imstande wäre. Allmählich sah er, dass die Transaktionsanalyse bei der «Heilung» des Patienten die Hauptrolle spielte und lediglich der schwierige Vorgang der Skriptanalyse psychoanalytischer Technik vorbehalten sei. Schließlich führte er auch die Skriptanalyse ohne psychoanalytische Methoden aus. Bernes psychoanalytischer Hintergrund wurde nur noch bei gelegentlichen Falldarstellungen erkennbar.

René Loosli (Quelle: Claude Steiner, Wie man Lebenspläne verändert, dtv, ISBN 3-423-35053-9)

Werke

Literatur

Berne Eric Berne Eric Berne Eric Berne Eric Berne Eric Berne Eric

Personendaten
Berne, Eric
kanadischer Arzt und Psychiater
10. Mai 1910
Montréal, Kanada
15. Juli 1970

See also: Eric Berne, 10. Mai, 15. Juli, 1910, 1970, Kanada, Montréal, Psychiater, Psychoanalyse