Erich Kaufmann

Erich Kaufmann (* 21. September 1880 als Sohn einer Berliner Familie, † 11. November 1972) ist einer der weniger beachteten Staatsrechtler der Weimarer Zeit. Er machte sich vor allem um einen übergreifenden Blick auch auf die Philosophie und die Geschichtswissenschaft sowie die Relativierung des positivistischen Neukantianismus. Er war ein Verfechter der klassischen Naturrechts und Befürworter einer ontologischen und metaphysischen Betrachtungsweise.

Lebenslauf

Kaufmann besuchte das Französische Gymnasium zu Berlin und überlegte danach, Literaturgeschichte und Philosophie zu studieren. Er wechselte aber zum Rechtsstudium und verbrachte dieses in Heidelberg und Freiburg, unter anderem bei Georg Jellinek. Von dessen wissenschaftlichen Stil ist auch seine Promotion in Halle (1906), eine Auseinandersetzung vor allem mit dem Werk Friedrich Julius Stahls, die zunächst als Auftakt eines dann unvollendeten dreibändigen Werkes angekündigt war.

Im Jahr 1908 habilitierte Kaufmann in Kiel über ein rechtsvergleichendes Thema. Im Jahr 1911 schloss sich sein am meisten missverstandenes Werk über die clausula rebus sic stantibus im Völkerrecht an, die oft als zynischer Machtpositivismus gedeutet wurde. Kaufmann wurde 1912 zunächst außerordentlicher Professor in Kiel und dann 1913 ordentlicher Professor in Königsberg. In dem seinem Handwörterbuch-Artikel über das Verwaltungsrecht wendete er sich gegen das von Otto Mayer vertretene, französisch beeinflusste Verständnis dieser Disziplin.

Im 1. Weltkrieg diente Kaufmann als bayerischer Arteillerieoffizier an der Front und wurde schwer verwundet. Im Jahr 1917 wurde er nach Berlin berufen, wechselte aber 1920 nach Bonn. Nachdem er 1921 in einer stellenweise polemischen Schrift die neukantianische Rechtsphilosophie grundlegend kritisiert hatte, wendete er sich vor allem der Praxis zu. Kaufmann diente dem Auswärtigen Amt als Berater, zunächst in den Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern, dann auch im Zusammenhang mit dem Dawes-Plan. Außerdem vertrat er das Deutsche Reich, die Freie Stadt Danzig und die Republik Österreich vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. 1927 kehrte Kaufmann nach Berlin zurück, wurde dort aber 1934 aus politischen Gründen entlassen. Es gelang ihm in der Folgezeit, einen Kreis von Schülern in seinem Haus in Berlin-Nikolassee zu sammeln (Nikolasseer Seminare), er musste aber nach der Reichskristallnacht 1938 nach Holland fliehen. Dort verlebte er auch den 2. Weltkrieg. In die dreißiger Jahre fällt auch sein systematischtes Werk, die Veröffentlichung der Vorlesungen an der Haager Akademie aus dem Sommer 1935.

Schon 1946 kehrte Kaufmann nach Deutschland zurück, war dort von 1947 bis zur Emeritierung 1950 ordentlicher Professor in München. Außerdem war er Direktor des Instituts für Völkerrecht und Dekan der Juristischen Fakultät.

Von 1950 bis 1958 diente er dem Bundeskanzleramt und dem Auswärtigen Amt als Berater sowie als Honorarprofessor in Bonn. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er in Heidelberg. Kaufmann war Träger zahlreicher Ehrungen, unter anderem zweier Ehrendoktorwürden aus Kiel und München. Er war Kanzler des Ordens pour la mérite und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband.

Wichtige Werke

Literatur zu Erich Kaufmann

Untersuchungen zu Erich Kaufmann, Günther Holstein und Rudolf Smend", 1987

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Personendaten
Kaufmann, Erich
Staatsrechtler
21. September 1880
Berlin
11. November 1972

See also: Erich Kaufmann, 1. Weltkrieg, 11. November, 1880, 1972, 2. Weltkrieg, 21. September, Berlin, Bonn