Erklärung
Die Erklärung bezeichnet eine Rückführung von singulären Aussagen, Aussagenmengen, Theorien auf andere. Ziel einer Erklärung ist es, im Gegensatz zur reinen Beschreibung, zum Wesen der untersuchten Sachverhalte beziehungsweise Zusammenhänge vorzudringen und damit wissenschaftliche Voraussagen zu ermöglichen.
Die unter Angabe ihrer Bedingungen zur Erklärung herangezogenen Aussagen, Aussagenmengen oder Theorien können entweder durch Beobachtung, Experiment oder andere Formen der tätigen Praxis erwiesen sein.
Dann handelt es sich bei der Erklärung um eine theoretische Entdeckung, oder sie sind theoretische Vermutungen (siehe auch Hypothese).
Pragmatisch erklärt man Phänomene, indem man zeigt, wie diese Phänomene produziert werden können. Man kann etwa das Phänomen einer konstanten Raumtemperatur erklären, indem man eine thermostatengeregelte Heizung beschreibt.
Philosophische Entwicklung
Ich will entweder alles erklärt haben oder nichts. – Albert Camus (Der Mythos des Sisyphos, ISBN 3499227657, S. 40)
Während die klassische Philosophie von methodologsich ähnlichen Positionen ausging (bei Immanuel Kant: "Ableitung aus einem deutlich angebbaren Prinzip"; G.W.F. Hegel: "Rückführung von Erscheinungen auf vertraute Verstandesbestimmungen"), dabei allerdings idealistische Prämissen zugrunde legte beziehungsweise einbezog, differenzierte Wilhelm Dilthey zwischen Erklären und Verstehen, um Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften metaphysisch zu trennen.
Parallel zu diesen Bemühungen einer "Erklarung der Erklärung" gab es schon früh Ansätze zu einer Begründung einer allgemeinen Logik der Erklärung bei David Hume und George Berkeley, die besonders den Aspekt des Kausalzusammenhangs betonten.
Diese Ansätze kulmunierten in den Arbeiten im Positivismus bei Ernst Mach und Moritz Schlick und in der neupositivistischen Schule bei Karl Popper und Carl Gustav Hempel, welche trotz ihrer idealistischen Ausgangspositionen wertvolle Beiträge insbesondere zu den Problemen der strukturellen und semantischen Kennzeichnung der wissenschaftlichen Erklärung, zur Vermeidung der Schein-, Pseudo- und Zirkelerklärungen sowie zu den deduktiven und statistischen Erklärungen geliefert haben.
Die deduktiv-nomologische Erklärung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Ableitung hier eine logische Deduktion bildet. Die vorausgesetzte Aussagenmenge, die aus besonderen Bedingungen (so genannte Antecedensbedingungen) und Gesetzen bestehen kann, nennt man Explanans, die logisch abzuleitende Aussage wird Explanandum genannt.
Enthält das Explanans mindestens ein Gesetz oder Prinzip in statistischer Grundform, spricht man von einer statistischen Erklärung.
Sie kann zu einem eindeutigen oder einem statistischen Explanandum führen. Es ist jedoch falsch, die rein deduktive Erklärung als kausal (determiniert), die statistische Erklärung als akausal (indeterminiert) zu bezeichnen.
Dialektische Erklärung
In der materialistischen Dialektik wird unter einer Erklärung die Angabe der wesentlichen, bedingenden Gegensätze verstanden, die einen Prozess bestimmen. In diesem Verständnis sind die anderen, bestehenden Auffassungen über den Begriff Erklärung dialektisch aufgehoben.
Siehe auch: Deklaration
