Erleben
Das Erleben bezeichnet subjektiv repräsentierte Zuständlichkeiten, die allein oder in Verbindung mit äußerlich beobachtbaren Verhaltensweisen auftreten.
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Das Erleben und Verhalten als Grundbegriffe der Psychologie
Der Begriff des Erlebens ebenso wie der Verhaltensbegriff zählen zu den allgemeinsten Begriffen der Psychologie. Verschiedentlich wird das Erleben und Verhalten als Gegenstand der Psychologie bestimmt. Problemgeschichtlich besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Erlebensbegriff und der Verwendung des Bewusstseinsbegriffes.
Zu Bewusstseinsinhalten als Umschreibung des Erlebens
Köhler definiert das Bewusstsein als das Insgesamt der phänomenalen, d.h. der anschaulichen, der erlebten Welt. Wolfgang Metzger unterscheidet das
- Befindlichkeitsbewusstsein (Emotionen, Stimmungen, Strebungen, Affekte)
- Innenbewusstsein (das Vergegenwärtigte)
- Außenweltbewusstsein (das Angetroffene, das Begegnende)
Die introspektive Analyse der Erlebens war das Anliegen der historischen Bewusstseinspsychologie. Es wurde versucht, den Aufbau des Bewusstseins aus Bewusstseins-, d.h. Erlebniselementen zu erklären, die von Wilhelm Wundt als anschauliche Elemente, von den Vertretern der Würzburger Schule (K. Bühler, Külpe u.a.) als unanschauliche Elementareinheiten angenommen wurden.
Zur Anschauung des Erlebens durch die Gestaltpsychologen
Gegen die Elementenhypothese wandten sich die Vertreter der Gestaltpsychologie mit der Annahme der gestalthaften Organisation der Erlebniswelt als letztem, nicht weiter reduzierbarem psychischen Sachverhalt. Als nicht zum Gegensatnd der Psychologie gehörend, da das Erfahrbare transzendierend und wissenschaftlich nicht erkennbar ist (Watson), wurde das Erleben in behavioristischen Konzepten eliminiert.
Eine philosophisch-methodologisch formulierte Überwindung der Verabsolutierung entweder der Erlebens- oder der Verhaltenskomponente psychischen Geschehens findet sich bei Rubinstein. Er bestimmt das Erleben (das Innesein und das Persönliche des Wissens) und Verhalten (Bewusstseinsexternalisierung) als zwei Momente des tätigkeitsregulierenden Bewusstseins.
Einige Aspekte der Informationsverarbeitung als Erlebnis-Tätigkeit
In der modernen Psychologie, die zunehmend von dem Prinzip ausgeht, das von Klix als Dialektik von Information und Verhalten formuliert wurde, wird das Erleben als ein Aspekt der organismischen menschlichen Informationsverarbeitung aufgefasst. Die Prozesse der Informationsverarbeitung sind die Trägerprozesse, unter anderem des Erlebens.
Forschungsmethodisch setzt sich die Auffassung durch, daß die inneren Erlebnisse, das Verhalten und die durch die Tätigkeit erzeugten Produkte als Aspekte des Gegenstandes der Psychologie drei legitime und notwendige Zugänge zur Erkenntnis des Psychischen markieren.
In diesem Sinne wird unter anderem die streng kontrollierte Objektivierung von Erlebnistatbeständen, z.B. in den Untersuchungen einerseits von Newell und Simon und andererseits von Paige und Simon eine wichtige, methodisch erschließbare Erkenntnisquelle der Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Informationsverarbeitung. Nicht die Untersuchung eines Erlebnisses schlechthin, sondern die Erfassung des Erlebnisses definerter Informationen ermöglicht die Prüfung von Hypothesen über spezifische Verarbeitungsleistungen.
Die Skalierung von Erlebnistatbeständen in Abhängigkeit von äußeren Reizen oder auch die Skalierung von Beziehungen der Erlebnistatbestände untereinander ist Gegenstand der Psychophysik.
Siehe auch: Erlebnisreaktion, Erlebnisverarbeitung, Selbstwerterleben
