Ernst Mach

[[Bild:Ernst Mach.jpeg|thumb|Ernst Mach, österreichische Briefmarke, ]] Ernst Mach (* 18. Februar 1838 in Tuřany (Turas) bei Brünn, damals Österreich-Ungarn, heute Mähren; † 19. Februar 1916 in Haar bei München) war Physiker, Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.

Überblick

Mach ist heute vor allem durch die nach ihm benannte dimensionslose Kennzahl (Mach-Zahl) der Geschwindigkeit relativ zur Schallgeschwindigkeit bekannt. Die Mach-Zahl dient vor allem in der Luftfahrt als Mass für die Geschwindigkeit Mach. Auch auf philosophischem Gebiet hat Mach Großes geleistet. So gilt er als Mitbegründer oder zumindest als einer der einflussreichsten Vertreter des Empiriokritizismus und auch als Wegbereiter der Gestaltpsychologie bzw. Gestalttheorie.

Nach seinen beiden großen Entdeckungen, den Bogengängen im Innenohr als Gleichgewichtsorgan und der speziellen Technik der Fotografie von Projektilen bei Überschallgeschwindigkeit), wandte sich Ernst Mach mehr und mehr der Wissenschaftsgeschichte und der Philosophie zu.

Als absoluter und kämpferischer Gegner jeder Form der Metaphysik und glühender Anhänger der Aufklärung, die er als eigentliche Befreiung des Menschen empfand kam er zu seiner eigenen „Denkökonomie“. Als Empiriker (Alles, was von der Welt erfahrbar sei, sei eine Folge der Sinneseindrücke, daher sei die Möglichkeit der Messbarkeit das einzig wirklich wichtige Kriterium) standen für ihn die Sinne und Reizwahrnehmungen im Mittelpunkt. Mach stellte die These auf, dass der Mensch immer den Wahrnehmungsprozess auswähle, der am ökonomischsten sei. Er suche immer nach den besten Möglichkeiten, diesen ökonomischsten Prozess aus den anderen auszusortieren, die beste und schnellste Kalkulationsmöglichkeit zu finden.

Den Wissenschaften wies er den Platz zu, die Welt und die Empfindungen der Menschen möglichst einfach und neutral zu beschreiben. Ein kompromissloser Reduktionismus sollte das Leitbild der Wissenschaft sein. Daher waren für ihn die beiden Wissenschaften Physik (als Erklärungsmethode für die Welt) und Psychologie (als Erklärungsmethode für unsere Empfindungen) die eigentlichen Grundlagen für ein aufgeklärtes Weltverständnis.

Unnötig, ja gefährlich waren für Mach Diskussionen über Wahrheit oder Unwahrheit von Theorien. Einzig der Nutzen der Theorie sei relevant. Wahrheit als etwas für sich Existierendes, Objektives und Dauerhaftes existiere nicht. Wissenschaftliche Ideen entstünden und entwickelten sich nach einem evolutionären Prinzip. Nur die stärksten, also die ökonomischsten und empirisch klarsten Ideen setzten sich durch und würden zu einer temporären Diskussions-Wahrheit. Jede Idee, und dies galt für Mach vor allem für wissenschaftliche Ideen, würde vom Menschen aus rein ökonomischen Gründen entwickelt, sie habe nur den Zweck, die Überlebensfähigkeit des Menschen zu erhöhen. Physikalische Theorien waren für Mach immer mathematisch organisierte Natur-Beschreibungen und nicht mehr. Ähnlich sah er die Psychologie als Lieferantin für die Beschreibung von Empfindungserfahrungen.

Die Auseinandersetzung mit diesen Ideen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts populär waren und oft diskutiert wurden, erfolgte in unterschiedlichen Kreisen; Planck und andere kritisierten seine evolutionsbiologische Ideenlehre als metaphysische Spekulation. Mach wurde von Marxisten wie Lenin studiert, der Wiener Kreis (vormals Ernst-Mach-Gesellschaft) mit u.a. Rudolf Carnap, Kurt Gödel und zeitweise auch Karl Popper stützte sich auf Mach neben Wittgenstein. Aber auch Literaten wie Robert Musil und Hugo von Hofmannsthal und auch ein Albert Einstein erkannten seine Bedeutung.

Ende des 19. Jahrhunderts begann die „Arbeitswut“ Ernst Machs nach einem Schlaganfall nachzulassen. Er wurde vor seinem Tod 1916 zwar nie ein Anhänger der Relativitätstheorie (die ihm zu exotisch, auch weil sinnlich nicht direkt erfahrbar war), doch seinem heute fast unbekannten, sehr großen Einfluss in Wissenschaft und Öffentlichkeit ist es mit zu verdanken, dass gerade in Wien und Österreich so viele und wichtige Forschungsprojekte durchgeführt wurden. Das Elektron und das Quant waren für Mach ideale, weil messbare und dimensionierte Objekte der physikalischen Forschung, die so den beschreibenden und reduktionistischen Anspruch Machs an die Physik voll erfüllten.

Mach beschäftigte sich neben der Philosophie auch mit der Analyse der Grundlagen der Mechanik und warf dabei einige Fragen im Zusammenhang mit dem Machschen Prinzip auf, die ihn zum Wegbereiter der Allgemeinen Relativitätstheorie machten. Einstein selbst bezeichnete sich anfangs als "Schüler" Machs, später distanzierte er sich allerdings von dessen philosophischen Ansichten.

Weiterhin wies Mach den Doppler-Effekt experimentell nach.

Machsches Prinzip

Statt nun einen bewegten Körper auf den Raum (auf ein Koordinatensystem) zu beziehen, wollen wir direkt sein Verhalten zu den Körpern des Weltraumes betrachten, durch welches jenes Koordinatensystem allein bestimmt werden kann. Voneinander sehr entfernte Körper, welche in bezug auf andere ferne festliegende Körper sich mit konstanter Richtung und Geschwindigkeit bewegen, ändern ihre gegenseitige Entfernung der Zeit proportional... Die eben angestellten Betrachtungen zeigen, dass wir nicht nötig haben, das Trägheitsgesetz auf einen besonderen absoluten Raum zu beziehen. Vielmehr erkennen wir, dass sowohl jene Massen, welche nach der gewöhnlichen Ausdrucksweise Kräfte aufeinander ausüben, als auch jene, welche keine ausüben, zueinander in gleichartigen Beschleunigungsbeziehungen stehen, und zwar kann man alle Massen als untereinander in Beziehung bestehend betrachten... auch ich erwarte, dass astronomische Beobachtungen zunächst nur sehr unscheinbare Korrektionen notwendig machen werden, so halte ich es doch für möglich, dass der Trägheitssatz in seiner einfachen Newtonschen Form für uns Menschen nur örtliche und zeitliche Bedeutung hat.

siehe auch: Mach-Band-Effekt


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Personendaten
Mach, Ernst
Physiker und Philosoph
18. Februar 1838
Tuřany (Turas) bei Brünn
19. Februar 1916
Haar

See also: Ernst Mach, 18. Februar, 1838, 19. Februar, 1916, 1966, Albert Einstein, Aufklärung, Brünn