Erwin Piscator

Erwin Piscator (* 17. Dezember 1893 in Greifenstein-Ulm, Hessen, † 30. März 1966 im bayrischen Starnberg) war ein deutscher Regisseur und Theaterleiter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

[[Bild:Metropol Schöneberg.JPG|thumb|Das Theater am Nollendorfplatz, Heimat der Piscator-Bühne (heute: Metropol, ab November 2005: Nachtclub Goya)]]

Erwin Piscator war einer der wichtigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts und der bedeutendste Vertreter des politischen Theaters. 1920/1921 gründete und leitete er das erste Proletarische Theater in Berlin, daneben inszenierte er im Auftrage der KPD politische Revuen. 1924 avancierte er zum Oberregisseur der Volksbühne in Berlin. Sein eigenes Theater, die Piscator-Bühne, eröffnete er 1927 am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg. Dem Piscator-Kollektiv gehörten zeitweilig Bertolt Brecht, Walter Mehring, Erich Mühsam, John Heartfield, George Grosz und Edmund Meisel an. 1929 erschien Piscators in zahlreiche Sprachen übersetzte programmatische Schrift "Das politische Theater".

1931 ging Piscator in die Sowjetunion und produzierte dort seinen einzigen Spielfilm nach einer Novelle von Anna Seghers, Der Aufstand der Fischer von St. Barbara (1934). 1936 emigrierte der Regisseur nach Paris, 1939 in die USA. Zwischen 1940 und 1951 leitete er die Schauspielschule "Dramatic Workshop" an der New School for Social Research in New York (1949 Ablösung von der New School). Zu Piscators US-Schülern zählen Marlon Brando, Tony Curtis, Judith Malina und Walter Matthau. 1951 kehrte er nach Deutschland zurück und kam 1962 an die Freie Volksbühne in West-Berlin, die er bis zu seinem Tode als Intendant leitete.

Piscators Ehrengrab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf.

Theatergeschichtliche Bedeutung

Zahlreiche bühnentechnische Neuerungen gehen auf Piscators Theaterpraxis der Weimarer Republik zurück, darunter der ausgiebige Einsatz von Bildprojektionen und insbesondere von Filmeinspielungen ab 1925 sowie aufwändiger Gerüstkonstruktionen („Simultanbühnen“). Mit Kontrastierungstechniken erzielte er scharfe politisch-satirische Effekte und nahm die Kommentierungsformen des „epischen Theaters“ vorweg. Piscator profilierte sich als Produktionsdramaturg, der vorliegende Dramen, Romane und historische Stoffe szenisch bearbeitete. In der Bundesrepublik erlebte Piscators interventionistisches Theater eine späte zweite Blüte. Piscators Bühnenfassung von Leo Tolstois Krieg und Frieden wurde seit 1955 in 16 Ländern aufgeführt. Mit aufrüttelnden Inszenierungen, die vom Engagement für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und gegen die atomare Aufrüstung geprägt waren, wurde er ab 1963 zum Auslöser und Impulsgeber des Gedächtnis- und Dokumentartheaters.

Inszenierungen

(Auswahl)

Literatur

Weblinks

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Personendaten
Piscator, Erwin
deutscher Regisseur und Theaterleiter
17. Dezember 1893
Greifenstein-Ulm, Hessen
30. März 1966
Berlin

See also: Erwin Piscator, 17. Dezember, 1893, 1920, 1921, 1924, 1926, 1927, 1928