Erythropoietin
Erythropoietin (kurz auch EPO) ist ein zu mehr als 90 Prozent in den Nieren gebildetes Glykoprotein-Hormon, das u.a. zur Krebsbehandlung eingesetzt oder als Dopingmittel missbraucht wird.
Das Hormon fördert die Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Chronische Niereninsuffizienz aufgrund bestimmter Nierenerkrankungen führt deshalb zu Erythropoetinmangel. In der Folge kommt es zu einem Absinken der Zahl der roten Blutkörperchen und des Sauerstoff transportierenden roten Blutfarbstoffes, des Hämoglobins, was sich unter anderem in Blutarmut (Anämie) äußert. 1985 wurde das Gen für Erythropoetin kloniert, wodurch es möglich war, Patienten damit wesentlich nebenwirkungsärmer als mit Blutkonserven zu behandeln. Es wird vor allem bei Krebs- und Nierenpatienten eingesetzt (Präparat: NeoRecormon®). Seit einigen Jahren gibt es auch ein gentechnisch verändertes (Gentechnologie) Erythropoetin, Darbepoetin α (Aranesp®), das nicht mehr so oft appliziert werden muß.
Je mehr rote Blutkörperchen dem menschlichen Blutkreislauf zur Verfügung stehen, desto leistungsfähiger arbeitet der gesamte Organismus, weil entsprechend viel Sauerstoff den Zellen zur Verfügung steht. Aus diesem Grund wird Erythropoietin spätestens seit dem Jahr 1998 zu Doping-Zwecken missbraucht. Vor allem Ausdauersportler profitieren von der Wirkung; durch den erhöhten Anteil an roten Blutkörperchen im Blut steigt allerdings die Gefahr von Blutgerinnseln. Erythropoietin wurde mit der gewichtigen Nebenrolle, die es bei der Tour de France 1998 unter anderem durch Funde bei der Festina-Mannschaft erlangte, Inbegriff der leistungssteigernden, aber nicht nachweisbaren Sportdroge. Erythropoietin und Darbepoetin stehen auf der Dopingliste der internationalen Anti-Doping-Organisation WADA, ihr Einsatz ist also im Wettkampfsport verboten.
Ein erhöhter Erythropoietin-Wert lässt sich auch auf natürlichem Weg über Training erreichen, so dass der Nachweis des Dopings mit gentechnisch hergestellten EPOs früher recht schwierig war.
DynEpo® ist mittels Genaktivierung aus menschlichen Zellkulturen hergestelltes Erythropoetin und wird vermutlich 2006 in den Handel mit der Zulassung für renale Anämie kommen. Es könnte anfänglich sehr schwierig werden, es als Dopingmittel nachzuweisen.
Siehe auch: Myelodysplastisches Syndrom
