Erziehungsgehalt
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Ein weiteres Ziel war, mehr Partnerschaft in der Elternschaft zu erreichen. Das Ziel bestand hier darin, die noch immer umfassende gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen zu beseitigen. Damit eine Partnerschaft unter gleichen Bedingungen möglich ist, müssen entsprechende äußere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Last but not least sollten mehr gesellschaftliche Investitionen in der häuslichen und außerhäusliche Erziehungsarbeit getätigt werden. Bildung und pädagogische Begleitung wird immer wichtiger. Das Erziehungsgehalt sollte als ein Bestandteil der Investitionen in die nachwachsende Generation gesehen werden. Gleichzeitig sollte aber auch ermöglicht werden, teilweise aus dem Berufsleben aussteigen zu können.
Um zu verdeutlichen, ob dieses Modell die genannten Ziele erreichen kann, gilt es, die Vor- und Nachteile kritisch gegenüberzustellen. Da der Grundgedanke war, die derzeitige familiäre Situation insbesondere im finanziellen, partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich zu verbessern, stellt sich zuerst die Frage, was die Vorteile wären. Erziehungsarbeit ist kein privates Gut. Kinder sind unser Zukunftskapital. Zur Zeit ist sie einem Kollektivgut wie z.B. Umweltschutz gleichgestellt. Auch den Kindern selbst würde somit wieder mehr Bedeutung beigemessen. Ein weiterer Punkt ist, dass durch das Erziehungsgehalt eine materielle Gleichwertigkeit von familiärer Erziehungsarbeit und Erwerbsarbeit hergestellt wird. Ab sofort würden eben nicht mehr nur Betreuungspersonen im außerhäuslichen Bereich, sondern auch die familiäre Erziehungsarbeit entlohnt werden. Somit wäre diese nicht mehr selbstverständlich, sondern auch eine Leistung (Leistungsausgleich). Der Wert der Familien- und Erziehungsarbeit wird in der Öffentlichkeit und gerade von den Männern oft deshalb so niedrig eingeschätzt, weil sie unbezahlt bleibt und deshalb keine Leistung zu sein scheint. Nicht zuletzt sollte es auch den Männern einen wirtschaftlichen Anreiz geben, sich mehr an dieser Arbeit zu beteiligen. Zusätzlich wollte man bei Einrichtungen wie Kindertagesstätten in Zukunft von der Objektförderung auf eine Subjektförderung, in Form eines nicht zu versteuernden Erziehungsgutschein, umstellen. Somit förderte man die außerhäusliche Betreuung. Studien belegen nämlich, dass ein Aufenthalt in Kindertagesstätten die Entwicklung der Kinder jeden Alters enorm vorantreibt. Ihr soziales Verhalten sei besser ausgeprägt als bei Kindern, die nur in der Familie aufgewachsen sind. Dieser Erziehungsgutschein würde außerdem die Wahlfreiheit der Eltern bei der Auswahl des Betreuungsplatzes erhöhen und ihre Nachfrageposition stärken. Diese Umschichtung von Fördermitteln stellte eine wichtige Säule für die solide Finanzierung dieses Modells dar. Des weiteren hätten die Eltern mit dem Erziehungsgehalt die Entscheidungsfreiheit, ob sie ihre Kinder zum Teil außerhäuslich betreuen ließen oder dies selbst übernehmen wollten. Ein anderes Argument für das Erziehungsgehalt ist, dass die Mütter auf ein zusätzliches Einkommen nicht mehr angewiesen wären. Dadurch könnten sie sich mehr und besser um die Kinder kümmern. Außerdem müssten Familien mit zu geringem Einkommen nicht mehr länger Sozialhilfe und andere soziale Leistungen beziehen. Dies würde nicht zuletzt zu einer Steigerung ihres Selbstbewusstseins führen. Auch dadurch werden nicht unerhebliche Mittel für die Finanzierung des Modells freigesetzt. Einer der wesentlichen Vorteile des Erziehungsgehalts ist die dauerhafte Grundsicherung; auch oder gerade nach der Volljährigkeit der Kinder; sie gewährleistet, dass die Mütter nach einem langen Ausstieg aus dem Erwerbsleben abgesichert sind, falls sie an ihren alten Arbeitsplatz nicht zurückkehren können und auch sonst keine andere geeignete Arbeit finden.
Folgende Nachteile bzw. Kritikpunkte bringt dieses Modell mit sich: Kritiker führten an, dass es sehr fraglich sei, ob sich die zum Teil heute immer noch bestehende Ansicht, dass die Mutter für die Erziehungsarbeit zuständig ist, durch diese Modell ändern werde und ob dadurch wirklich mehr Männer diese Arbeit übernehmen würden. Nicht zu übersehen ist auch, dass die Männer durch die Übernahme der Erziehungsarbeit sicherlich einen gewissen Statusverlust befürchten würden. Außerdem leidet nach Meinung der Gesellschaft das Mutter-Kind-Verhältnis, wenn Frauen nach der Geburt der Kinder erwerbstätig bleiben. Auch die Umstellung von der Objekt- auf die Subjektförderung würde für die Eltern zu einer hohen finanziellen Belastung führen. Der Betreuungsplatz wird dann nicht mehr staatlich unterstützt, sondern muss von der Familie selbst finanziert werden. Der Erziehungsgutschein deckt nur einen Teil dieser Kosten. Alleinerziehende wären unter Umständen gezwungen, aus finanziellen Gründen auf eine außerhäusliche Betreuung zu verzichten. Des weiteren wird angemerkt, dass das Erziehungsgehalt in erster Linie den erwerbslosen Frauen zu Gute kommt. Besser verdienende Mütter würden ihre berufliche Karriere nicht unterbrechen und das Erziehungsgehalt voll für eine Betreuung außer Haus verwenden. Das Ziel, dass sich die Mütter wieder mehr selbst um die Kinder kümmern können, wäre somit verfehlt. Ein wichtiger Kritikpunkt ist auch, dass die dreijährige Ausfallzeit durch den derzeitigen Erziehungsurlaub schon jetzt den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben erschwert. Da es durch das Erziehungsgehalt zu einer Ausfallzeit von 7 oder mehr Jahren kommen kann, würde ein Wiedereinstieg so gut wie unmöglich werden. Eine Regelung zum Kündigungsschutz fehlt bei diesem Modell völlig. Ein nicht zu übersehendes Argument ist auch, dass sich allein durch das Erziehungsgehalt das Verhalten der Eltern gegenüber ihren Kindern noch lange nicht verändert. Nur weil sie mehr Zeit zur Verfügung haben, heißt das nicht, dass diese auch den Kindern zu Gute kommt. Das hat viel mit der Einstellung der einzelnen zu tun. Nicht selten widmen sich voll Erwerbstätige sehr intensiv ihren Kindern. Andere, die genügend Zeit zur Verfügung hätten, verbringen diese anderweitig. Die Qualitätskontrolle bei der Erziehung ist nicht gegeben. Man befürchte auch eine Art „Verstaatlichung“ der Kindererziehung. Wenn der Staat bzw. die Gesellschaft die Familien finanziell unterstützt, dann würde er/sie als Gegenleistung etwas erwarten. Das könnte bedeuten, dass an die Familien überzogene Ansprüche in der Kindererziehung gestellt werden. Andererseits werden durch das staatliche Erziehungsgehalt unterhaltsverpflichtete Eltern von ihrer finanziellen Eigenverantwortung entbunden. Die wirtschaftlichen Lasten der Kindeserziehung haben der Staat und damit die Gesamtheit der Bürger zu tragen. Auch die Annahme, dass dadurch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt, sei fraglich. In ähnlichen Situationen (wie z.B. Gehaltserhöhungen, Steuerermäßigungen) hat sich gezeigt, dass die Bevölkerung vor einem Konsumverhalten zuerst das Sparverhalten aktiviert. Die Idee dieses Modells basiert auch auf der Tatsache, dass sich immer weniger Menschen einer Generation der Aufgabe widmen, Kinder aufzuziehen und damit zur Aufrechterhaltung des Generationenvertrages beizutragen. Dies zeigt, dass bei der Entwicklung des Konzepts nicht nur die Verbesserung der Familiensituation, sondern auch die prekäre finanzielle Lage der Rentenversicherung im Vordergrund stand. Last, but not least, ist das Problem der Finanzierung des Erziehungsgehalts 2000 nicht zu unterschätzen.
