Esel

Afrikanischer Esel
thumb|270px|none|Poitou-Esel
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Equus
Art: Afrikanischer Esel (Equus asinus)

Der Esel (Equus asinus, manchmal Equus africanus), zur Unterscheidung vom Asiatischen Esel oder Halbesel, auch Afrikanischer Esel oder Echter Esel genannt, ist eine Art aus der Gattung der Pferde. Nur der Afrikanische Esel ist eine Stammform des Hausesels. Der Asiatische Esel wurde dagegen wahrscheinlich nie domestiziert.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Anders als beim Pferd sind die Hufe des Esels einem steinigen, unebenen Untergrund angepasst. Sie geben sicheren Halt, sind aber weniger zum schnellen Rennen geeignet. Trotzdem kann ein Esel ausnahmsweise bis zu 50 km/h schnell werden. Die Fellfarbe ist grau oder braun bis schwarz, manchmal rötlich. Daneben gibt es auch gescheckte Esel. Sehr selten sind rein weiße Esel. Über den Rücken verläuft meistens ein Aalstrich, und die Beine sind manchmal zebraartig gestreift. Der Bauch ist weiß; ebenso der Bereich um das Maul und die Augen. Esel haben meist eine Stehmähne und einen in einer großen Quaste endenden Schwanz. Die Ohren sind viel größer als Pferdeohren. Esel haben je nach Rasse eine Schulterhöhe von 90-145 cm und sind mit 2 - 2½ Jahren geschlechtsreif. Im Prinzip ist eine Paarung ganzjährig möglich, in der Regel findet sie jedoch im Frühjahr statt. Nach einer Trächtigkeitsdauer von 12 Monaten wird gewöhnlich ein Junges, manchmal auch zwei geboren. Die Entwöhnung der Jungen dauert bis zur Eigenständigkeit etwa 6 bis 9 Monate. Esel können über 25 Jahre alt werden.

Besonderheiten

270px|right|thumb|Hausesel in einem Freigehege Neben den rein äußerlichen Unterschieden zu Pferden, verfügen Esel über einige Besonderheiten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Im Gegensatz zu Pferden besitzen Esel 5 statt 6 Lendenwirbel. Esel verfügen über 31 Chromosomenpaare, Pferde haben 32. Die Körpertemperatur ist bei Eseln etwas niedriger, sie beträgt durchschnittlich 37°C statt 37,5 - 38,2°C. Die Tragzeit ist bei Eseln länger als bei Pferden. Im Durchschnitt beträgt sie 365 – 370 Tage gegenüber 330 Tagen beim Pferd.

Wildesel

Wie auch beim Pferd muss man zwischen echten Wildeseln und verwilderten Hauseseln unterscheiden. In mehreren Unterarten war der Esel einst über Nordafrika und Vorderasien verbreitet. Durch die Domestikation starb er schon zur Römerzeit aus. In der Neuzeit gab es noch Wildesel in Äthiopien, Eritrea, Somalia und im Sudan; eine kleine Herde wurde außerdem in ein Wildreservat in Israel eingeführt. Die Population von Wildeseln wurde noch in den 1980ern auf tausend Tiere geschätzt, ist seitdem aber weiter dramatisch zurückgegangen. In Somalia wurde der Wildesel durch Bürgerkrieg und Anarchie im Lande inzwischen vermutlich ganz ausgerottet; auch in Äthiopien und im Sudan dürften wilde Esel kurz vor der Ausrottung stehen. Eritrea ist das einzige Land mit einer einigermaßen stabilen Wildesel-Population (etwa 400 Tiere).

Verwilderte Hausesel gibt es dagegen in vielen Regionen der Welt. Zu ihrem Verbreitungsgebiet gehören auch die Länder, in denen echte Wildesel beheimatet sind, was Anlass zur Sorge gibt, dass sich beide Bestände vermischen und die genetische Reinheit der Wildesel zerstören könnten. 1,5 Millionen verwilderte Hausesel durchstreifen das Innere Australiens. Im Südwesten der USA leben etwa 6000 verwilderte Esel, die hier burros genannt werden. Als historisches Symbol werden diese Burros geschützt; dies ist aber umstritten, da sie durch Konkurrenz bei Nahrungs- und Wassersuche einen Rückgang der einheimischen Dickhornschafe verursacht haben sollen.

Domestikation

thumb|Hausesel

Esel wurden viel früher als Pferde domestiziert. Schon 4000 v. Chr. hat man im Niltal Ägyptens den nubischen Wildesel zum Haustier gemacht. In Mesopotamien erfolgte die Domestikation kurz darauf. Schon vor dem klassischen Altertum gelangten Esel nach Europa. Die Etrusker hatten Hausesel, die vermutlich aus Kleinasien stammen. Nach Griechenland gelangten Hausesel etwa 1000 v. Chr.

Ursprünglich wurden Esel auch als Reittiere und zum Ziehen von Wagen verwendet. Später wurden sie von Pferden abgelöst, die schneller und kräftiger waren. Dass man den Esel trotzdem nicht aufgab und ihn vor allem als Packtier weiter verwendete, liegt an seiner Zähigkeit. Viel länger als ein Pferd kann ein Esel ohne Wasser und Nahrung auskommen.

Esel werden außerdem zur Fleischgewinnung, als Milchproduzenten (Eselsmilch) und zur Lederherstellung verwendet. Zur Herstellung von Pergament hielt man im Mittelalter Eselhaut für besonders geeignet.

Durch Kreuzung von Eseln und Pferden entstehen meist unfruchtbare Mischformen:

Symbolische und Mythologische Bedeutung

thumb|Der Esel auf dem Marktplatz von Biberach In der Fabel und im Volksmund wird der Esel als stures, oft auch dummes Tier beschrieben. Daraus resultiert auch die Verwendung des Wortes "Esel" als Schimpfwort. Im Gleichnis von Buridans Esel verhungert der Esel weil er sich nicht entscheiden kann bei welchem von zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen er zuerst fressen soll.

In allen Regionen Nordafrikas und des Fruchtbaren Halbmondes wurden wilde und domestizierte Esel als Götter oder Totemtiere verehrt. So wurde in Ägypten der Gott Seth mit Eselskopf dargestellt. Auch Horus hatte eine Esel-Inkarnation.

In Palästina gab es eine Gottheit, von den Römern Pales genannt, die gleichzeitig männlich und weiblich war und mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Esels abgebildet wurde.

Auch in der Bibel erscheinen Esel. Im Alten Testament spielt die Eselin des Bileam eine entscheidende Rolle. Jesus ritt gemäß des Berichten der Evangelien auf einem Esel zum Passahfest wenige Tage vor seiner Hinrichtung in Jerusalem ein.

Auch im Christentum hat der Esel als Symbolfigur überlebt. Im Mittelalter feierte man vielerorts in der Mitte des Winters die Eselsmesse (La Fête des Fous); diese war im Mittelalter eine Art Karnevalsveranstaltung mit religiösen, humorvollen und erotischen Aspekten.


Eine Eselsskulptur von Peter Lenk ziert den Marktplatz von Biberach an der Riß. Sie bezieht sich auf die Satire "Der Prozess um des Esels Schatten" von Christoph Martin Wieland.

Siehe auch: Eselsohr, Eselsbrücke

Weblinks

See also: Esel, 1000 v. Chr., 1980er