Ethologie

Als Ethologie wird im deutschen Sprachraum traditionell die "klassische" vergleichende Verhaltensforschung bezeichnet, gelegentlich aber auch ganz generell die Verhaltensbiologie.

Die Ethologie ist somit ein Teilgebiet der Biologie und eng verbunden mit den Arbeiten von Oskar Heinroth, Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, dem Entwurf einer Instinkttheorie sowie mit dem ehemaligen Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie.

Wissenschaftshistorisch betrachtet ist die Ethologie eine Nachbardisziplin der Psychologie.

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Inhaltsverzeichnis

Wortbedeutung

Der Begriff "Ethologie" ist abgeleitet von den griechischen Wörtern Ethos (= Charakter, Geist, Moral) und Logos (= Wort, Sprache, Vernunft). Übersetzt bedeutet "Ethologie" somit die Lehre vom Verhalten oder schlicht Verhaltensforschung.

Außerhalb des deutschen Sprachraums steht “Ethologie” (engl.: ethology) meist ganz allgemein für "Verhaltensbiologie".

Historischer Hintergrund: Vitalisten und Mechanisten

Schon Charles Darwin hatte aufgrund jahrelanger eigener Zuchtexperimente (u. a. an Tauben) erkannt, dass die häufig sehr komplexen Verhaltensweisen der Tiere aufgrund der gleichen Gesetzmäßigkeiten entstanden sein müssen wie ihre anatomischen Merkmale: also aufgrund von zufälliger Variabilität der einzelnen Merkmale und deren Bedeutung im Überlebenskampf ihrer Träger.

Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein hielten sich aber u. a. so genannte vitalistische Anschauungen, die angeborenes Instinktverhalten zwar nicht leugneten und sogar dessen Zweckmäßigkeit aufzeigten. Sie beantworteten jedoch die Frage nach dem Entstehen dieser Zweckmäßigkeit mit der Annahme einer Lebenskraft (daher: Vitalismus), einer Naturkraft oder der göttlichen Lenkung. Diese Unterstellung letztlich übernatürlicher Kräfte blockierte lange Zeit jede naturwissenschaftliche Ursachenforschung. Ein prominenter Vertreter dieser Richtung war Alfred Russel Wallace. Wallace gilt neben Darwin als der Begründer der modernen Evolutionstheorie; er entfernte sich aber weit von allen evolutionsbiologischen Denkweisen, sobald es um die Entstehung der Instinkte ging.

In scharfem Gegensatz zu den vitalistischen Richtungen standen die so genannten Mechanisten, die alles Verhalten als das gleichsam passive Reagieren auf Außenreize deuteten, als eine Kette von Reflexen ("Reflexkettentheorie"). Ihre Anschauungen fußten vor allem auf den Forschungsergebnissen des Nobelpreisträgers Iwan Pawlow und verneinten oder ignorierten innere Antriebe. Ein prominenter Vertreter dieser Richtung war neben Pawlow der US-amerikanische Psychologe Burrhus Frederic Skinner, der prominenteste Forscher des Behaviorismus.

Die klassische ethologische Instinktforschung

Eine grundlegende Wendung nahm die Verhaltensforschung durch Oskar Heinroth, in dessen 1910/11 publizierten Studien erstmals auch das Wort “Ethologie“ im heutigen Sinne verwendet wurde. Heinroth hatte zunächst das Verhalten von diversen Gänse- und Entenarten studiert und dabei festgestellt, dass bestimmte Bewegungsweisen (beispielsweise bei der Balz) von Tieren gleichen Geschlechts und gleicher Art mit immer denselben Gesten und Körperhaltungen ausgeführt werden. Heinroth nannte solche formkonstanten Bewegungen arteigene Triebhandlungen und konnte aufzeigen, dass verwandte Arten mehr oder weniger starke Abwandlungen solcher Verhaltensweisen besitzen. Von diesen genauen Verhaltensbeobachtungen zu einer evolutionären Deutung ihres Entstehens war es dann weder für Heinroth noch für dessen späteren Schüler Konrad Lorenz ein großer Schritt.

Das ethologische Instinktkonzept besagt, dass Instinktbewegungen im Erbgut verankert sind und durch Schlüsselreize ausgelöst werden können, solange eine innere aktionsspezifische Energie vorhanden ist. Die Zweckmäßigkeit dieses Ineinandergreifens von äußerem Auslöser, Handlungsbereitschaft und spezifischer Verhaltensweise habe sich im Prozess der Evolution entwickelt und diene letztlich der Arterhaltung.

Weitere Fachbegriffe der Instinkttheorie sind u. a. Angeborener Auslösemechanismus, Appetenz, Leerlaufhandlung, Übersprungbewegung sowie das Prägungskonzept.

Kennzeichnend für die ethologische Instinktforschung ist zum einen die Betonung der Freilandforschung, also das Beobachten des Verhaltens unter natürlichen Umweltbedingungen. Kennzeichnend sind zum anderen sogenannte Ethogramme: Das sind Verhaltensprotokolle, in denen alle möglichen Verhaltensweisen exakt beschrieben und in ihrer zeitlichen Abfolge aufgelistet werden (z.B.: Nahrungsaufnahme, Schlafen, sich putzen, schnell weglaufen, eintragen von Jungtieren zum Nest). Hierdurch wird es möglich, sowohl die Häufigkeit als auch das Aufeinanderfolgen von Verhaltensweisen qualitativ und quantitativ zu beschreiben.

Kontroversen

Mit dem Begriff Instinktbewegung war bis Ende der 1960er-Jahre die Auffassung verbunden, es handele sich bei den so gedeuteten Verhaltensweisen um rein angeborene Aktivitäten. Inzwischen hat die Forschung aber immer mehr Anhaltspunkte dafür gefunden, dass solche starren Reaktionen auf externe Reize ein Ausnahmefall sind, dass Erbe und Umwelt auch in Bezug auf einzelne Verhaltensweisen eng miteinander verzahnt sind - viel enger jedenfalls, als zuvor vermutet.

Verhaltensökologie und Soziobiologie statt Ethologie?

Das Konzept des Instinktverhaltens in drei Phasen (ungerichtete Appetenz, Taxis, Endhandlung) ist zwar zur Beschreibung des Nahrungserwerbes von Beutegreifern geeignet, versagt aber schon bei Pflanzenfressern.

Angeboren oder erlernt?

Schwierig zu klären (und womöglich ganz unsinnig gestellt) ist eine Grundfragestellung der klassischen Ethologie ob Verhalten angeboren oder erlernt ist. Die dazu entwickelten Untersuchungsmethoden liefern nur selten eindeutige Ergebnisse. Möglicherweise muss man davon ausgehen, dass jegliches Verhalten genetische Grundlagen hat und stets zugleich durch Umwelteinflüsse moduliert werden kann.

Literatur

Wichtige Vertreter der Ethologie

Der niederländische Schriftsteller Maarten 't Hart war, bevor er sich vollständig dem Schreiben widmete, als Dozent für Ethologie tätig.


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See also: Ethologie, 1960er, Alfred Russel Wallace, Anatomie, Angeborener Auslösemechanismus, Antagonist, Anthropologie, Appetenz, Appetenzverhalten, Behaviorismus