Ezechiel

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Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Buch Ezechiel (Hesekiel) ist eine im Zeitraum von ca. 600-560 v.Chr. in Babylonien entstandene Schrift des Alten Testaments der Bibel, die seit dem Mittelalter in 48 Kapitel unterteilt wird. Es schildert die Visionen und symbolischen Handlungen des Propheten Ezechiel, der zur ersten Gruppe der im Rahmen der babylonischen Gefangenschaft verschleppten Israeliten gehörte. Ezechiel war ein israelitischer Priester.

Das Buch gliedert sich in vier Teile.

  1. Im ersten Abschnitt (Kapitel 1-24) tadelt Ezechiel das Volk wegen Götzenanbetung und zahlreicher anderer Sünden. Da sich die gesamte Nation von Gott abgekehrt und den Bund mit Gott verlassen habe, prophezeit er, dass Juda fallen, Jerusalem zerstört und die Menschen in Gefangenschaft geraten würden.
  2. Im zweiten Abschnitt (Kapitel 25-32) prophezeit Ezechiel den Untergang der Feinde Judas: Moabiter, Edomiter, Philister, Ammoniter, Tyre, Sidon und Ägypter. In diesem Teil werden die Allmacht und Allgegenwart Gottes offenbart, der nicht bloß der Gott des Reiches Juda, sondern der Herr aller Nationen sei. Somit wird im zweiten Teil das im ersten Abschnitt entwickelte Thema wiederaufgegriffen und durch den Traum von Gottes Thronwagen weiter ausgeführt.
  3. Ezechiel spendet hingegen im dritten Abschnitt (Kapitel 33-39) denjenigen Trost, die sich im Exil befinden. Er weissagt den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels und prophezeit die Rückkehr Gottes. Ezechiels Traum vom Tal der verdorrten Gebeine (37:1-14), einer der berühmtesten Abschnitte des Alten Testaments, veranschaulicht, dass die Gegenwart Gottes den entscheidenden Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten ausmacht.
  4. Der letzte Abschnitt (Kapitel 40-48) enthält eine Ankündigung des Beginns der messianischen Zeit und eine detaillierte visionäre Beschreibung eines zukünftigen, überwiegend theokratischen Gemeinwesens der Juden. Dieser Abschnitt hat christlichen Auslegern oft Probleme bereitet, da er sich nur sehr schwer mit christlichen Zukunftsvisionen vereinbaren lässt.

Ezechiel zeigt viele Parallelen mit der Tora bzw. dem Pentateuch (z.B. Kap. 27; 28:13; 31:8; 36:11, 34; 47:13, usw.). Es besteht eine große Nähe zu den Büchern von Hosea (Kap. 37:22), Jesaja (Kap. 8:12; 29:6), mit Amos (u.a. Priesterkritik) und Jeremiah (Kap. 24:7, 9; 48:37).

Die bilderreichen Prophezeiungen Ezechiels sind reich an Symbolen, Metaphern und Allegorien. Sie bieten viel Raum für fantastische Deutungen und Interpretationen bis hin zur Mystik. Da hier die Gefahr von Missinterpretation hoch ist, dürfen im Judentum nur Menschen über 30 Jahre dieses Buch lesen. Vielleicht, soweit eine etwas randständige theologische Deutung, erklärt sich damit der Umstand, dass der Rabbiner Jesus seine Verkündung erst nach seinem 30ten Lebensjahr begann, mit Kenntnis und Deutung der letzten Propheten.

Gottes Thronwagen

Das erste Kapitel beschreibt, wie Gott auf seinem Thronwagen, mit den Cherubim, dem Ezechiel erscheint; dies ist bei weitem die ausführlichste derartige Beschreibung in der Bibel. Dieser Text spielt eine herausragende Rolle in der jüdischen Kabbala, in der mündlichen jüdischen Überlieferung und in der christlichen Mystik.

Religiöse Weiterentwicklung

Das Babylonische Exil stellt in religiöser Hinsicht eine Phase der Weiterentwicklung und Reformation dar. Neu ist z.B. der ins Säkulare weisende Gedanke, dass Palast und Tempel, Politik und Religion nicht mehr eine strikte Einheit bilden sollen. Bemerkenswert ist auch, dass Ezechiel als Beispiel für Rechtschaffende allein auf Ijob, Jona und Daniel verweist.

Da der Tempelkult des Jerusalemer Tempels im Exil nicht mehr auszuüben ist, wird nunmehr gesagt, dass Gott seinem Volk in allen Ländern dient (34:11-16) und es heim führen wird:

Die Sippenhaft wird endgültig abgeschafft (18:20):

Die Heilsverkündung bekommt ein humanistisches Ziel (18:23):

Aus diesem Grunde werden bestimmte Satzungen als Fehler kritisiert (20:25-26):

Engen Vorstellungen kultischer Abstammungsreinheit der Israeliten hält Ezechiel entgegen (16:3):

Er warnt vor Arroganz und Selbstzufriedenheit (16:15-62):

Moral bei Ezechiel

Der Schwerpunkt der Gebote und Verbote verschob sich bei Ezechiel weg von den Tempelsatzungen und Reinheitsvorschriften hin zu gelebter Mitmenschlichkeit. Die Gebote der Mitmenschlichkeit sind bei Ezechiel:

Die Taten der Gottlosigkeit, vor denen Ezechiel warnt, sind:

Priesterkritik

Modern wirkt Ezechiel darin, dass er die Priesterkaste im Kapitel 34:1-5 deutlich zu kritisieren wagt:

Damit erklärt Ezechiel die Ursachen der Diaspora.

Die Kritik Jesu an den religiösen Führern seiner Zeit, wie sie etwa in Mt 23 anklingt, wirkt von Ezechiel beeinflußt.

Landverheißung auch an Fremde

Bemerkenswert am Buch Ezechiel ist neben den Gerechtigkeitsvorstellungen auch die von ihm aus den Satzungen Moses abgeleiteten Vorstellungen zur Landverheißung, die im Rahmen des Nahostkonfliktes eine gewisse religiöse Bedeutung haben. Im Kapitel 48 steht:

Mit dem " Fremden" ist hier der sogenannte Beisasse gemeint, ein nicht-jüdischer Einwohner, der sich im Herrschaftsbereich israelischer Stämme befindet. Das Losverfahren soll sicher stellen, dass niemand bevorzugt oder benachteiligt wird.

Anekdote

Ezechiel ist auch nicht Bibelkundigen häufig ein Begriff. Dies ist einem größtenteils fiktiven Zitat in Quentin Tarantinos Kultfilm Pulp Fiction zu verdanken. Näheres im entsprechenden Artikel.

Weblinks


Kategorie:altes Testament

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