Ezra Pound
right|thumb|Ezra Pound, um 1913
Ezra Pound (* 30. Oktober 1885 in Hailey, Idaho; † 1. November 1972 in Venedig) war ein amerikanischer Dichter. Mit T.S. Eliot gilt er als bedeutendster Lyriker der englischsprachigen Moderne.
Leben
1900-1905 studierte Pound vergleichende Literaturwissenschaft und Romanistik an der University of Pennsylvania und am Hamilton College im Staate New York. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit William Carlos Williams und Hilda Doolittle (besser bekannt unter ihren Initialen H.D.). 1908 siedelte er nach Europa über, wo er zuerst in Venedig lebte. Während seines Studiums und weiter in Europa beschäftigte er sich intensiv mit provenzalischer Literatur und schuf eine Reihe von Übersetzungen und Nachdichtungen.
Von 1909-20 lebte er mit Unterbrechungen in London, wo er mit den bedeutendsten englischsprachigen Literaten seiner Zeit, u.a. mit James Joyce, Ford Madox Ford und Wyndham Lewis verkehrte. Während seiner ersten Zeit in London gehörte er den Imaginisten an, einer literarischen Bewegung, die mit verknappter lyrischer Sprache experimentierte und von fernöstlicher Literatur, u.a. den japanischen Haikus, beeinflusst wurde. Im Sprachrohr dieser Gruppe, der Zeitschrift The egoist konnte Pound auch Einiges veröffentlichen.
Aus der Begegnung mit dem Bildhauer Henri Gaudier-Brzeska ergab sich die Gründung der Bewegung des Vortizismus, einer am italienischen Futurismus orientierten Richtung. Die Zeitschrift der Bewegung, Blast, erlebt jedoch nur drei Ausgaben.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Pound als Privatsekretär seines Vorbilds William Butler Yeats in Irland. 1914 heiratete er die Künstlerin Dorothy Shakespeare. In dieser Zeit lernte er Japanisch und beschäftigte sich eingehend mit ostasiatischer Lyrik und dem japanischen Theater. 1915 begann er an seinem Hauptwerk, den Cantos (Gesängen), an denen er bis zu seinem Tod arbeitete.
1920-24 lebte er in Paris. In dieser Zeit lernte er die Violinistin Olga Rudge kennen, mit der er und seine Ehefrau bis zu seinem Tode eine prekäre ménage à trois führten. 1922 redigierte er T.S. Eliots Gedicht The Waste Land, das neben seinen eigenen Cantos das bedeutendste lyrische Werk der englischsprachigen Moderne ist.
1924 ließ Pound die Metropolen hinter sich und ließ sich im italienischen Rapallo nieder. Dort wurde er bald zum Fürsprecher Mussolinis. Mit seiner Begeisterung für den italienischen Faschismus und seinem zunehmenden Antisemitismus isolierte er sich zusehends in der literarischen Szene.
Pound blieb auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Italien und verbreitete über Radio Rom antiamerikanische bzw. profaschistische Propagandareden. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wurde er 1945 festgenommen (es wurde berichtet, dass er sich selbst stellte) und einige Zeit in Pisa in einem eigens angefertigten Käfig ,der für Todeskandidaten vorgesehen war,gefangen gehalten. In dieser Zeit entstand der berühmteste Teil seiner Cantos, die Pisaner Cantos, für die er 1948 den Bollingen Prize erhielt. Einer Anklage wegen Hochverrats - und damit der Todesstrafe - entging er nur, indem er sich von einem Gutachter für geisteskrank erklären ließ. Die nächsten zwölf Jahre verbrachte er im St. Elizabeth's-Krankenhaus, einer staatlichen Heilanstalt in Washington, D.C..
1958 wurde er auf Betreiben seiner einstigen Freunde - darunter u.a. Ernest Hemingway - freigelassen. Er kehrte nach Italien zurück und ließ sich in Meran, später in Venedig nieder.
Werk
Pounds Frühwerk ist von seiner Beschäftigung mit dem Werk der englischen Präraffaeliten und mittelalrelicher Literatur, insbesondere der provenzalischen Troubadoure und Dantes geprägt.
Seine spätere Faszination mit der ostasiatischen Dichtung führte zu einer Wende in seinem Schaffen. Er versuchte sich an der Übersetzung chinesischer Gedichte und experimentierte mit Gedichtsformen wie dem Haiku. Eines seiner berühmtestes Gedicht In a Station of the Metro ist ein solcher Zweizeiler.
1914 begründete er mit der Anthologie Des Imagistes die literarische Bewegung des Imagismus, der die zentrale Bedeutung eines kraftvollen, präzisen Bildes für ein Gedicht propagierte.
Vorbild für sein Hauptwerk, die Cantos, war zunächst Dantes Göttliche Komödie, in späteren Jahrzehnten integrierte er zahlreiche andere Formen und eine enzyklopädische Fülle von Motiven, die oft okkulter oder mystische Natur sind. Zentral sind die "Pisaner Gesänge", die er während und nach seiner Internierung in Italien verfaßte.
Neben seinem eigenen Werk war Pound bedeutend als Förderer großer Talente. U.a. verdanken ihm T.S. Eliot und James Joyce zahlreiche Anregungen und wichtige Möglichkeiten zur Veröffentlichung.
Pounds Literatur hatte Einfluß auf zahlreiche spätere Autoren und Autorinnen.
Links
Biographie und einige Gedichte (auf englisch)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pound, Ezra |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | amerikanischer Dichter |
| GEBURTSDATUM | 30. Oktober 1885 |
| GEBURTSORT | Hailey, Idaho |
| STERBEDATUM | 1. November 1973 |
| STERBEORT | Venedig |
