Fabian (Roman)

Fabian. Die Geschichte eines Moralisten ist ein Roman von Erich Kästner mit autobiografischen Zügen. Das 1932 erschienene Buch entwirft ein Gesellschaftsbild Berlins am Vorabend der „MachtergreifungAdolf Hitlers.

Handlung

Der Held des Romans ist der Germanist Dr. phil. Jakob Fabian, der sich als Werbetexter durchschlagen muss und später arbeitslos wird. Er lässt sich mehr oder weniger freiwillig durch das Nachtleben der Großstadt Berlin treiben. Man findet ihn in Bordellen, Unterweltkneipen, Künstlerateliers. Er bleibt distanzierter Beobachter, der die wüsten Geschehnisse ironisierend zur Kenntnis nimmt.

Im Gegensatz zu seinem Studienfreund Labude, der der Illusion anhängt, man könne die Menschheit bessern, bleibt Fabian Realist, der daran glaubt, – wenn überhaupt – nur sich selbst bessern zu können. Die Strudel der politischen Wirren, die Kämpfe zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, das hemmungslose Nachtleben, die psychotischen Charaktere, die ihm immer wieder begegnen, drehen sich um ihn, er will sich aber nicht mit ihnen drehen. Als sein Freund Labude Selbstmord begeht, weil er – durch eine Intrige betrogen – glaubt, seine Habilitationsschrift sei abgelehnt worden, gerät auch Fabians Welt ins Wanken. Er verlässt Berlin und kehrt in seine Heimatstadt Dresden zurück, aber auch hier wird er enttäuscht. Er ertrinkt schließlich bei dem Versuch, einen in die Elbe gefallenen Jungen zu retten.

Fabian als moralistischer Roman

Der Autor und seine Hauptfigur sind Moralisten, das heißt sie gehen davon aus, dass die Handlungen der Menschen auf ethischen Prinzipien beruhen sollen, die ihrerseits auf bürgerlichen Freiheitsrechten und zwischenmenschlicher Solidarität gegründet sind, von der Gesellschaft ihrer Zeit jedoch nicht beachtet werden (Totalitarismus, Nationalsozialismus, Kommunismus). Die Moralisierung erfolgt aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern vor allem mit dem Mittel der Ironie. Der Roman galt den Nationalsozialisten als entartet; aufgrund dieses Romans wurden die Werke Erich Kästners anlässlich der Bücherverbrennung 1933 unter dem Vorwurf der Pornografie verbrannt. Zwar wird die sexuelle Freizügigkeit der 1920er und frühen 1930er Jahre behandelt, der Vorwurf der Pornografie ist jedoch nicht zu begründen.

Interpretation

Das gleichnishafte Ende des Romans sollte zeigen, dass es Fabian als Moralisten unmöglich war im Strom der Amoral mitzuschwimmen. Der ursprüngliche Titel dieser Satire lautete: Der Gang vor die Hunde. Er wurde jedoch von den Verlegern abgelehnt. Damit sollte nach Kästners eigener Aussage „schon auf dem Buchumschlag deutlich werden, dass der Roman ein bestimmtes Ziel verfolgte: Er wollte warnen". Vermutlich war das der ausschlaggebende Grund für die Verbrennung des Buches unter dem Regime der Nationalsozialisten.

See also: Fabian (Roman), 1932, Adolf Hitler, Autobiografie, Berlin, Bordell, Dr. phil., Dresden, Elbe, Erich Kästner