Fachwerk
[[Bild:Fachwerk-Konstruktion-2004.jpg|thumb|250px|Freigelegte Konstruktion mit Gefachen aus Holzgeflecht und Lehmbewurf sowie Gefachen aus Lehmziegeln in ]] Fachwerk ist eine gewichtsparende Stabkonstruktion, die vor allem bei der Konstruktion von Häusern (Schweizerisch: Riegelhaus), Brücken, Türmen und im Flugzeugbau eingesetzt wird. Als Baustoff wird Holz oder Metall verwendet.
| Inhaltsverzeichnis |
Konstruktion
Das Fachwerk ist ein besonderes statisches System, bei welchem keine Biegemomente auftreten. Alle Verbindungen sind als Biegegelenke ausgeführt. Es treten nur Normalkräfte (Längskraft im Stab) und Querkräfte auf. Beim Hausbau werden die Wände durch ein Gerüst aus Holz gebildet, dessen Zwischenräume (Gefache) ein Holzgeflecht mit Lehmbewurf ausfüllt. Man unterscheidet dabei zwischen dem mittel- und oberdeutschen Firstsäulenbau sowie dem niederdeutschen Zweiständerbau bzw. dem Vierständerhaus. Der Fachwerkbau ist ein Skelettbau.
Als Holzart wird zumeist Stieleiche oder Traubeneiche verwendet, da sie witterungs- und faulbeständig ist.
Geschichte
Seit dem hohen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war der Fachwerkbau die am weitesten verbreitete Bauweise für Hochbauten nördlich der Alpen. Fachwerkbauten sind jedoch auch aus den holzreichen Gegenden des ehemaligen osmanischen Reiches von Bulgarien bis Syrien bekannt. Der Lehm als Ausfachungsmaterial ließ sich einfach und kostengünstig vor Ort ausgraben (oft aus der Baugrube). Auch Holz war meist eher verfügbar als geeignete Steine und ließ sich vor allem leichter transportieren (auf dem Wasserwege geflößt). Grundsätzlich lassen sich zwei Arten der Verzimmerung unterscheiden: der ältere Ständerbau (auch Geschossbau oder Säulenbau genannt), bei dem die Wandständer von der Schwelle bis zum Traufrähm durchgehen und der jüngere Stockwerksbau, bei dem jedes Stockwerk als in sich geschlossene "Kiste" hergestellt und diese "Kisten" übereinander gestapelt werden. Neben senkrechten und waagerechten Hölzern sind auch schräg verlaufende Hölzer notwendig, um das Gefüge zu stabilisieren. Besonders in der Anordnung der schrägen Hölzer kam es in jüngerer Zeit (seit dem 15. Jahrhundert) zu schmuckartigen Gestaltungen. Gestaltungsmöglichkeiten boten darüber hinaus geschnitzte Reliefs, Muster oder Inschriften.
Mithilfe der Dendrochronologie (naturwissenschaftliche Methode der Holzaltersbestimmung) konnte in den letzten Jahrzehnten das Alter zahlreicher Fachwerkbauten exakt bestimmt werden, wobei die ältesten erhaltenen Bauten in Süddeutschland aus dem 13. Jahrhundert und in Norddeutschland aus dem 15. Jahrhundert stammen.
Gegenwart
Die Fachwerkbauweise wird heute wieder bei Fertighäusern benutzt, allerdings werden die Gefache heute meist mit Ziegeln oder so genannten Sandwich-Konstruktionen ausgefüllt. Eine Weiterentwicklung ist die Holztafelbauweise oder System-Holzbau / Ingenieur-Holzbau.
Fachwerkhäuser sind sehr zeitbeständig, vor allem wenn der so genannte "Konstruktive Holzschutz" zur Anwendung kommt, d.h. dass verschiedene Hölzer entsprechend ihrer Eigenschaften eingesetzt werden, oder ein Holzschutz durch bauliche Maßnahmen erreicht wird. Beispiel: Für Außenverkleidungen aus Holz werden gerne sehr harz- oder paraffinhaltige Hölzer verwendet und Fassadenschutz kann baulich durch große Dachvorsprünge verbessert werden. Auch können sie abgebaut und wieder aufgebaut werden.
Einige Ansichten
Bild:Fachwerk Altheim Detail.jpg | Bild:Fachwerk.jpg | Bild:Weberhaus.jpg | Bild:20021022 1618 Bad Mergentheim.jpg |
Bild:kassel-harleshausen-fachwerkhaus-ahnatalstrasse-v-nw.jpg | Bild:Wiehl Kirche und Haeuser.jpg | Bild:Fachwerkhaus Braunschweig 600x800.jpg | Bild:Bruch-9k.jpg |
Bild:Schirgiswalde Umgebindehaus mit Fachwerk.jpg | Bild:Buxtehude Heimatmuseum BMK.jpg |
Siehe auch
Literatur
- Herbert Nicke, Bergisches Fachwerk. Ein Streifzug durch Architektur und Geschichte des rechtsrheinischen Fachwerkbaus, Martina Galunder-Verlag: Wiehl 1996, ISBN 3-931251-10-1
