Falun Gong
thumb|350px|right|Anhänger praktizieren die Falun-Gong-Übungen Falun Gong (法轮功, auch 法轮大法 Falun Dafa) ist eine aus China stammende neue religiöse Bewegung auf der Basis von Qi Gong. Falun Gong wurde erstmals 1992 in China in der Öffentlichkeit vorgestellt und hat sich seitdem weltweit verbreitet. Hauptwerk ist das vom Gründer Li Hongzhi verfasste Zhuan Falun.
Falun Gong wurde im Westen hauptsächlich durch das Verbot 1999 in China und die darauffolgende staatliche Verfolgung bekannt.
| Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Der Name 'Falun Gong' setzt sich aus 'Falun' (= 'Rad des Gesetzes') und 'Qigong' (traditionelle chinesische Übungen zur Kultivierung von Körper und Geist) zusammen.
Basis von Falun Gong ist das Buch Zhuan Falun, welches von Li Hongzhi verfasst und 1995 veröffentlicht wurde. Das Buch soll immer wieder und wieder gelesen werden, um sich auf dem Kultivierungsweg voranzubringen. Daneben hat Li noch über 20 weitere Bücher über Falun Gong geschrieben.
Das Emblem von Falun Gong zeigt einen roten Kreis mit einem großem goldenen Swastika-Symbol, der von einem orangefarbenen Ring mit vier weiteren Swastika-Symbole und vier Yin und Yang-Symbolen umschlossen ist. Falun Gong verwendet die Swastika in einer unsprünglich traditionellen Bedeutung, und will in keiner Weise auf das Hakenkreuz des Nationalsozialismus referieren.
Inhalte
Falun Gong stammt aus dem buddhistischen und daoistischen Kultivierungssystem. Falun Gong beinhaltet ähnliche Elemente, wie sie auch im Buddhismus, Daoismus, der traditionellen chinesischen Medizin, und dem Qigong vorkommen, enthält aber auch eigene Komponenten. Von Anhängern wird Li Hongzhi oft in chinesischer Tradition 'Meister Li' genannt.
Es werden im Rahmen von Falun Gong fünf Qigong-Übungen praktiziert. Dies sind im einzelnen:
- Buddha streckt 1000 Hände aus (Fo Zhan Qian Shou Fa): Der Körper wird gestreckt und entspannt.
- Gebotsrad-Pfahlstellung (Falun Zhuang Fa): Die Arme werden in vier verschieden Positionen kreisförmig für eine länger Zeit hochgehalten.
- Verbinden von Himmel und Erde (Guan Tong Liang Ji Fa): Die Arme werden ab- und aufwärts bewegt. Dadurch soll das Qi des Körpers mit dem des Kosmos vermischt werden.
- Gebotsrad-Himmelskreis (Falun Zhoutian Fa): Man streicht mit den Handflächen an bestimmten Linien nahe der Körperoberfläche entlang. Dies soll die Energie im Körper zum Fließen bringen.
- Verstärkung der übernatürlichen Kräfte (Shentong Jiachi Fa): Diese Übung wird im Gegensatz zu den vorherigen nicht im Stehen, sondern im Lotussitz ausgeführt. Hier werden Armbewegungen und Meditation ausgeführt.
Das Praktizieren der Übungen ist aber laut Li nur ein Teil des Weges. Zusätzlich soll man sich kultivieren, indem man Gutes tut und Schlechtes vermeidet. Dies schließt ein, dass man persönliche Bedürfnisse zurückstellt und sich stärker dem Gemeinwohl widmet. Dadurch erhöht man sein Xinxing (Geistige Natur), und damit letztendlich seine Kultivierungsenergie. Wenn man jedoch nicht auf die Kultivierung seines Xinxing achte, wird die Ausführung der Übungen keinen Erfolg zeigen.
Die Menschen sollen laut des Zhuan Faluns aufgrund ihrer Egozentrik von höheren kosmischen Ebenen vertrieben worden sein. Als letzte Chance verharren sie in dieser Welt, ohne von den anderen Welten zu wissen. Die früheren Untaten hätten sich in Form von Yeli, das heißt schlechtem Karma, angesammelt, und dieses müsse man abbauen, um zur Erlösung zu gelangen. Wenn man nicht egoistisch handelt oder denkt, und in Harmonie mit den drei kosmischen Eigenschaften lebt, schreite man auf dem Kultivierungsweg voran. Die kosmischen Eigenschaften sind dabei:
- 真 Zhēn – Wahrhaftigkeit (wörtlich: wirklich, wahr)
- 善 Shàn – Barmherzigkeit (wörtlich: gut, freundlich)
- 忍 Rěn – Nachsicht (wörtlich: dulden, ertragen)
Wenn man auf diesem Pfad voranschreitet, kann man laut dem Zhuan Falun besondere Fähigkeiten erlangen, Kultivierungsfähigkeiten genannt. Wenn man Falun Gong mit dem Ziel betreibt, diese Fähigkeiten zu erhalten, würde man ebenfalls nichts erreichen, da man dadurch in der Kultivierung nicht voranschreite.
Li Hongzhi beschreibt in einem Kapitel seines Buches Zhuan Falun, dass Wissenschaftler bei ihm einen um das 80-170fache erhöhten Ausstoss von Gammastrahlen und thermischen Neutronen messen konnten. Die Lehre von Li Hongzhi behauptet weiterhin, dass die Menschheit bereits 81mal ausgelöscht wurde, und jeweils von wenigen Überlebenden Menschen von der Urgesellschaft an wieder aufgebaut wurde. Als Beweis führt Li Hongzhi im Zhuan Falun ein 2 Milliarden Jahre altes Atomkraftwerk in Afrika und einen menschlichen Fussabdruck neben dem Fossil eines Trilobiten an.
Organisation
Falun Gong entstand in China und hatte dort zu Beginn der Verfolgung 1999 laut chinesischen Medien etwa 70 Millionen, laut Falun Gong 100 Millionen Anhänger. Genaue Zahlen ließen sich schon damals nicht nennen, da es keine offizielle Mitgliedschaft gibt. Stattdessen praktizieren Menschen die Übungen und kultivieren ihren Geist nach den Regeln von Falun Gong. Mit dem Verbot der Bewegung sind zuverlässige Zahlen noch schwieriger zu ermitteln. Derzeit soll es nach Angaben von der chinesischen Regierung 2 Millionen Anhänger in China geben. Falun Gong geht aber immer noch von 100 Millionen aus.
Übungsmaterialien werden kostenlos im Internet verbreitet, sogar das Zhuan Falun und die anderen Bücher kann man kostenlos im Internet lesen (siehe Weblink unten). Dies hat zur weltweiten Verbreitung von Falun Gong beigetragen. Nach Angaben der Bewegung soll es in über 60 Ländern Praktizierende geben. In Deutschland gibt es etwa 1000-2000 Anhänger und in der Schweiz 500-1000 Leute die Falun Gong praktizieren. In Taiwan gibt es schätzungsweise 300.000 Praktizierende.
Falun Gong behauptet unpolitisch und nur lose organisiert zu sein. Tatsächlich engagieren sich aber viele Anhänger, um auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam zu machen: durch Flugblätter, Webseiten, in politischen Foren und durch gewaltlose Aktionen, wie Sit-Ins. In vielen Ländern der Welt wurden Vereine gegründet. Falun-Gong-Anhänger verbreiten Drucksachen und betreiben ein weitverzweigtes Netz von Webseiten, um die Weltöffentlichkeit auf die Verfolgung in China und auf die Bewegung an sich aufmerksam zu machen. Die Organisation ist aber recht locker. Hauptziele solcher Vereine sind die Einstellung der Verfolgung in China und Unterstützung neuer Praktizierender durch das Anbieten von Kursen, der Verbreitung des Zhuan Falun und von weiteren Informationsmaterialien.
Einordnung
FG bezeichnet sich selbst als nicht religiös, sondern betrachtet sich als eine Qigong-Form, deren Ziel rein die körperliche und geistige Vollkommenheit ist. FG-Mitgliedern steht es frei, einer beliebigen Konfession anzugehören.
In der Außenbetrachtung wird FG jedoch häufig als Sekte, Kult oder neue religiöse Bewegung eingeordnet. Aus soziologischer Sicht ist eine Einordnung als Sekte jedoch nicht gerechtfertigt, da sich speziell die exklusive Mitgliedschaft, die für Sekten typisch ist, bei FG nicht findet. Als neue religiöse Bewegung wird FG bezeichnet, weil sie im Vergleich zu anderen Qigong-Formen einen deutlichen spirituellen Unterton hat und den Glauben an übernatürliche Kräfte verbreitet. In ihrem Zentrum steht mit Li Hongzhi eine charismatische Figur, was FG mit vielen anderen neuen religiösen Bewegungen gemein hat. Dazu kommt das Engagement, in einer sich schnell ändernden Gesellschaft Moral und Ethik zu stärken und Richtlinien für seine Mitglieder zu schaffen (Lit.: Chan, S.673ff).
Geschichte
Im Mai 1992 veröffentlichte Li Hongzhi erstmals die Lehren von Falun Gong in der Stadt Changchun. Dies geschah in Form öffentlicher Veranstaltungen, wie Übungsgruppen oder Vorlesungen. Aus seinen Vorträgen auf diesen Veranstaltungen entwickelten sich Übungsmaterialien und schliesslich das Buch Zhuan Falun, welches 1995 erschien. 1993 erhielt er den Titel "Beliebtester Qigong-Meister" und Falun Gong die höchste Auszeichnung auf einer staatlich organisierten Gesundheitsmesse.
Laut Li ist Falun Gong ein Kultivierungsweg der früher nur im Geheimen überliefert wurde. Li veröffentlichte Falun Gong laut eigener Aussage, weil er ein Absinken der gesellschaftlichen Moral erkannte, was zu vermehrten Leiden der Menschheit führt.
Im April 1999 erschien in der Universitätszeitung von Tianjin ein Qigong-kritischer Artikel von He Zuoxiu. Falun Gong fühlte sich durch den Artikel angegriffen, am 19. April wurden mehrere Mitglieder bei einem Sitzstreik verhaftet. Daraufhin versammelten sich 10.000 Anhänger am 25. April vor dem Petitionsbüro in Peking, um gegen die Verhaftungen der Praktizierenden eine Petition einzureichen. Als bekannt wurde, dass die Praktizierenden wieder freigelassen wurden, löste sich die Ansammlung auf.
Der Vorfall diente als Begründung für das Verbot von Falun Gong am 22. Juli 1999. Bereits am 20. Juli wurden 1000 namentliche bekannte Falun Gong Praktizierende verhaftet. Nach dem Verbot wurden über 10.000 Falun Gong Praktizierende die nach Peking gingen in Fussballstadien interniert, und im ganzen Land wurden bei Hausdurchsuchungen viele Hunderttausende Falun Gong Bücher beschlagnahmt und vernichtet. Zusätzlich gab es eine große Propagandakampagne gegen Falun Gong.
Verfolgung
thumb|220px|left|Zerstörung von Falun-Gong-Büchern Seit 1999 ist Falun Gong im Rahmen allgemeiner Verfolgung religiöser Gruppen verboten. Falun-Gong-Anhänger leiden in China unter massiven Repressionen. Auch eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen werden im Zusammenhang mit der Verfolgung beklagt.
In China wurden bis jetzt über 100.000 Falun-Gong-Praktizierende in Arbeitslager, Straflagern und psychiatrischen Anstalten inhaftiert. Im Mai 2005 waren 2234 Foltertote namentlich bekannt. Es ist in zahlreichen Fällen von Folterungen berichtet worden. Nur schon bei Verdacht auf Mitgliedschaft bei Falun Gong können diese Leute ohne Gerichtsurteil bis drei Jahre in die Zwangsarbeitslagern eingeliefert werden.
Die Verfolgung wird über spezielle Polizeistellen organisiert. Sie wurde am 10. Juni 1999 unter Anordnung von Jiang Zemin gegründet. Abgeleitet von diesem Datum (auf Englisch '6-10') wird diese Organisation kurz "Büro 610" genannt. Leiter ist Li Lanqing und Durchführungsbeauftragter ist Luo Gan. Beide sind inzwischen Mitglieder des Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
Bei einem Staatsbesuch von Jiang Zemin – dem damaligem Vorsitzenden der KPCh - im Jahr 2002 in Deutschland kam es unter anderem in Dresden zur Verhaftung einer Frau. Sie wurde von chinesischen Sicherheitsbeamten angegriffen und durch deutsche Beamte verhaftet.
Falun-Gong-Anhänger initiieren international Unterschriftensammlungen, um eine Menschenrechtsklage gegen Jiang Zemin zu erreichen. Im Januar 2004 wurden in 12 Ländern 16 Verfahren wegen Völkermord, Folter und Verbrechen gegen die Menschheit gegen Jiang und andere wichtige Führungspersönlichkeiten Chinas eröffnet, aufgrund der Rolle, die sie in der Verfolgung Falun Gongs gespielt haben. Auch in Deutschland wurde Jiang Zemin mittlerweile wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt.
Propaganda und Gegenpropaganda
Im Zuge der Verfolgung wirkt die chinesische Regierung mit Propaganda auf die Bevölkerung ein, um die Bewegung als gefährlich darzustellen. Medien, die Falun Gong nicht als Sekte darstellen, werden in China vom Staat unterdrückt. Dagegen ist die Verfolgung Falun Gongs in der chinesischen Bevölkerung weitgehend unbekannt oder wird verharmlost. Millionen Kopien der Bücher, Videos und Tonträger der Bewegung wurden öffentlich verbrannt.
Laut der von der Partei kontrollierten offiziellen Nachrichtenagentur "Xinhua" sollen am 23. Januar 2001 auf dem Tiananmen-Platz (eine Woche später änderte "Xinhua" die Zahl sieben) fünf Menschen damit gedroht haben, sich selbst zu verbrennen. Eine 36-jährige Frau kam ums Leben, ihre 12-jährige Tochter starb später im Krankenhaus. Die Staatsführung behauptete, es handelte sich dabei um Falun-Gong Praktizierende, während Reporter von CNN (welche laut der Chinesischen Regierung bei dem Vorfall anwesend gewesen sein sollen,) der U.N. Menschenrechtsausschuss, sowie Falun Gong Praktizierende dies bestreiten und der Regierung die Inszenierung dieses Vorfalls vorwerfen.
Die Selbstverbrennung auf dem Tiananmen-Platz wird von der chinesischen Regierung propagandistisch ausgeschlachtet. Sie dient als Beweis, dass die Bewegung gefährlich ist, und ihre Mitglieder in den Selbstmord treiben kann.
Im Ausland werden über die Chinesischen Botschaften eine Vielzahl von Chinesischen Vereinigungen, Politikern, Sektenbeuftragten mit Nachrichten über Falun Gong aus der Sicht der chinesischen Regierung versorgt.
Innerhalb Chinas hat Falun Gong kaum eine Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit, aber im Ausland ist die Bewegung sehr aktiv, um die westlichen Medien auf die Verfolgung aufmerksam zu machen. So wird immer sehr stark die Friedlichkeit und Harmlosigkeit der Bewegung betont. Falun-Gong-Anhänger haben viele verschiedene Webseiten aufgebaut, um ihren Standpunkt ausführlich darzustellen. In öffentlichen Web-Foren zeigt sich ebenfalls eine Aktivität von Anhängern der Bewegung.
Satellitenfernsehsender NTDTV
Falun Gong nutzt den in den USA statonierten Satellitenfernsehsender NTDTV (New Tang Dynasty TV) für Verbreitung eigener Programme. Etwa 20 % der Sendezeit werden zur Berichterstattung über Falun Gong und verwandte Themen verwendet. Dabei stellt Falun Gong den eigenen Standpunkt dar und greift vielfach die KPCh an.
Sandsturm
Falun-Gong-Anhänger haben den Spielfilm Sandsturm (vereinfacht: 沙尘暴; traditionell: 沙塵暴; Pinyin: shā chén bào) produziert, in dem die Verfolgung durch das Büro 610 thematisiert wird. Hauptfigur ist der Polizist He Tian Ying (Rong Tian), der mit der "Umerziehung" von Falun-Gong-Praktizierenden beschäftigt ist. Eine Praktizierende (Lily Liang) widersteht trotz aller Folter und sagt ihm, dass er sich durch seine schlechten Taten nur selbst schade, da diese auf ihn selbst zurückfallen. Auch die schlechte Moral der Gesellschaft als Ganzes werde sich in einer Katastrophe äußern. Dies entspricht der Philosophie von Falun Gong.
Es kommt zu einem starken Sandsturm, in dem viele Menschen sterben. Der Polizist und seine Frau Tong Mou (Zeng Ziyu) werden in ihrer Wohnung eingeschlossen, ohne Strom, Telefon und mit wenig Nahrung und Wasser. Ihre Tochter war an der Schule und wartete darauf abgeholt zu werden, ihr Schicksal ist ungewiss.
Während seine Frau langsam an einer Krankheit stirbt, reflektiert der Polizist über seine Taten und findet zu Falun Gong. Am Ende des Films erfährt er, dass seine Tochter von engagierten Falun-Gong-Anhängern zusammen mit vielen anderen Menschen gerettet wurde.
Sandsturm wurde auf mehreren kleineren Filmfestivals auf der ganzen Welt ausgezeichnet.
Gründe für die Verfolgung
Offiziell ist der Grund für die Verfolgung, dass Falun Gong eine schädliche Sekte sei. Anhänger würden manipuliert werden und in den Selbstmord getrieben.
Tatsächlich ist aber damit schwerlich die außergewöhnliche Härte des Vorgehens gegen einfache Praktizierende zu erklären. Deshalb gibt es einige Spekulationen zu den Gründen für die Verfolgung. Dies sind aber nur Theorien, da die chinesische Staatsführung ihre Verfolgung nicht tiefgehend begründet.
Historische Gründe
Bei Betrachtung der chinesischen Geschichte bietet sich eine mögliche Erklärung für das harte Vorgehen der Regierung gegen Falun Gong. In der Vergangenheit wurden immer wieder Aufstände und Unruhen durch Volksreligionen ausgelöst, obwohl diese nicht unbedingt primär politische Ziele verfolgten. Einige Kaiserdynastien wurden sogar durch solche religiösen Unruhen gestürzt. Beispiele sind Gelbe Turbane, Rote Turbane, Taiping-Aufstand und Boxeraufstand.
Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 gelang es ihnen erfolgreich die Bedeutung der Sekten und Religionsbewegungen zurückzudrängen. Dadurch setzte sich zunehmend eine Politik der Zurückhaltung gegenüber Religionsbewegungen durch.
Als jedoch im Jahr 1999 Falun Gong Tausende Menschen mobilisieren konnte schreckte dies die chinesische Staatsführung auf und das führte erneut zu einer stärkeren Verfolgung religiöser Bewegungen. Staatlich nicht anerkannte Religionsbewegungen unterliegen deshalb der Verfolgung.
Ein Vertreter dieser These ist der Religionswissenschaftler Hubert Seiwert (Artikel von ihm zu dem Thema).
Größe und Bedeutung
Falun Gong soll an ihrem Höhepunkt etwa 70-100 Millionen Anhänger in China gehabt haben. Dies sind mehr als die 60 Millionen Mitglieder der kommunistischen Partei.
Es mögen wohl die grosse Anzahl der Leute die Falun Gong praktizieren gewesen sein, die Jiang Zemin nicht akzeptieren konnte. So die Begründung von Falun Gong Praktizierenden.
weitere Theorien
China ist offiziell ein kommunistisch-atheistisches Land. Eine so große spirituelle Organisation steht in Widerspruch dazu.
Kritik und Unterstützung
Kritik kommt beispielsweise von Ingo Heinemann von der "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit" (AGPF). Hauptsächlich wird auf deren Webseite (siehe Weblinks) die Selbstdarstellung von Falun Gong bezweifelt. So werden die Aussagen, Falun Gong sei unpolitisch und keine Organisation, durch eine Reihe von Beispielen widerlegt. Weiterhin wird auf eine mögliche Sektentendenz hingewiesen.
Kirchliche Sektenbeauftragte oder eine Reihe von Reportern sehen neben dem Verfolgungsaspekt gewisse problematische oder gar sektenartige Züge bei der Bewegung. Jedoch bezeichnen nicht alle Falun Gong als Sekte, da es keine starke Organisation und entsprechende Bindung der Mitglieder gibt.
Kritisiert wird von verschiedenen Seiten vor allen Dingen der Anspruch auf absolute Wahrheit. Laut Falun Gong können bereits kleine Abweichungen von den Originalübungen den Effekt beeinträchtigen oder gar gefährlich umkehren. Es gibt auch Vorwürfe gegenüber Falun Gong wegen der Ablehnung von Homosexualität.
Falung Gong wird auch vorgeworfen, den Tod von mehr als tausend Anhängern mitverursacht zu haben. Grund hierfür sei die Ablehnung der Schulmedizin, und die Idee, dass Leiden und Krankheiten einen Grund haben und ertragen werden müssen, um das schlechte Karma abzubauen. Einige Anhänger sollen an ihren Krankheiten gestorben sein, andere durch Schmerzen in den Suizid getrieben worden sein.
Von Seiten der chinesischen Regierung wird ebenfalls die Beschuldigung geäussert, Anhänger durch Ablehnung der Schulmedizin in den Tod oder in den Selbstmord getrieben zu haben. Die angebliche Selbstverbrennung auf dem Tiananmen-Platz zählt als Haupbeispiel dafür. Li Hongzhi wird Geldgier vorgeworfen, laut Angaben der chinesischen Regierung soll er 1993 und 1994 allein 1,2 Millionen Yuan eingenommen haben.
Li Hongzhi lehnt in seinen Büchern jedoch Töten grundsätzlich ab, so auch der Selbstmord. In seinem Lehrvideo betont er sogar, dass wer sich schwer krank fühlt, der soll sich medizinisch Behandeln lassen. Es ist auch anzumerken, dass Falun Gong in der Tat kostenlos weitergegeben wird und dass die staatliche Qi Vereinigung früher die Kurse in China organisiert hat, und die Falun Gong Bücher vor der Verfolgung ebenfalls von der Regierung selbst herausgegeben wurden.
Auf der anderen Seite wird Falun Gong durch einige westliche Organisationen unterstützt, beispielsweise von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) [1] oder Religioustolerance. Laut Angaben Falun Gongs wurde Li Hongzhi von verschiedenen Seiten für den Friedensnobelpreis nominiert. Falun Gong bekam weltweit mehr als 1200 Auszeichnungen von verschiedenen Organisationen.
Literatur
- Cheris Shun-ching Chan: The FG in China: A sociological perspective. in The China Quarterly, Sept. 2004, S. 665ff
- Li Hongzhi: Zhuan Falun (Deutsche Version), Verlag Dexheimer, ISBN 3-932273-59-1 (Zhuan Falun im Web)
- Thomas Heberer: Falungong – Religion, Sekte oder Kult? Eine Heilsgemeinschaft als Manifestation von Modernisierungsproblemen und sozialen Entfremdungsprozessen, ISBN 3934601383 (als PDF)
- Danny Schechter: Falun Gong's Challenge to China: Spiritual Practice of "Evil Cult"?, ISBN 1888451270 (englisch)
Weblinks
Pro Falun Gong
- Falun-Gong-Seiten: deutsche Falun-Dafa-Seite, Seite über die Verfolgung von Falun Gong, FalunGong.de
- Artikel über Falun Gong
- Seite über Falun Gong und Analyse des Standpunktes der AGPF
Kritik zu Falun Gong
weitere Stimmen
- Artikel von Hubert Seiwert zu Falun Gong (PDF)
- Seite zu Falun Gong (englisch)
- Eintrag im Skeptics Dictionary (englisch)
