Fernand Braudel

Fernand Braudel (* 24. August 1902 in Luméville-en-Ornois, Département Meuse; † 28. November 1985 in Cluses, Département Haute-Savoie) war ein französischer Historiker der Annales-Schule.

Innerhalb der "École des Annales" gehörte Braudel zur zweiten Generation, wobei er ab den 50er Jahren, zum einen durch sein direktes Schülerverhältnis zu den Gründervätern Marc Bloch und Lucien Febvre und zum anderen durch sein umfangreiches eigenes Werk, zur bestimmenden Figur dieser Phase der Annales-Schule wurde.

Sein Hauptwerk, das in deutscher Kriegsgefangenschaft entstand und 1949 als Habilitationsschrift veröffentlicht wurde, ist La Méditerranée (et le monde méditeranéen à l'epoque de Philippe II). Darin entwirft Braudel eine Universalgeschichte des Mittelmeerraumes zur Zeit Philipps II. von Spanien. Das monumentale Werk von über 1200 Seiten ist dabei in drei Teile gegliedert. Jeder dieser Teile entspricht einer bestimmten Zeitebene mittels derer sich Braudel je verschieden der Vergangenheit zu nähern sucht. Während der erste Teil sich mit der Geschichte des Menschen in der Landschaft, in seiner Beziehung zu einem geographischen Milieu, beschäftigt, geht Braudel im zweiten Teil auf die Geschichte größerer Strukturen wie Staaten, Gesellschaften, Kulturen, usw. ein. Der dritte Teil orientiert sich an der traditionellen Geschichtsschreibung mit ihrer Betonung der politischen und militärischen Ereignisse, wobei Braudel selbst immer wieder die Bedeutung individueller menschlicher Handlungen relativiert.

Insgesamt unterscheidet damit Braudel drei Zeitebenen. Die unterste Schicht wird gebildet von einer langsam fließenden Geschichte, in der Veränderungen kaum wahrnehmbar sind, einer "histoire quasi immobile", die Braudel auch "géohistoire" nennt. Diese Zeit ist die der Naturerscheinungen, in der alle Bewegungen in einem Kreislauf an ihren Ausgangspunkt zurückkehren. Es ist dies die Geschichte der Täler und Gebirge, der Inseln und Küsten, des Klimas, der Land- uns Seewege. Die darüberliegende Schicht ist jene, welche später besonders mit dem Begriff der longue durée verbunden wurde. Es ist die Zeit der in langsamen Rhythmen verlaufenden Geschichte, der größeren sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Strukturen, die einen Zeitraum von ein, zwei Jahrhunderten umfassen können. Ganz an der Oberfläche befindet sich letztlich die Geschichte der Ereignisse, die "histoire événementielle". Geschichte lässt sich nach Braudel nicht verstehen, wenn nur diese letzte Ebene betrachtet wird, vielmehr erscheinen die menschlichen Ereignisse wie bloße Wellen auf der Oberfläche des Stroms der Geschichte, ohne deren tieferen Grund zu berühren.

Sein Hauptinteresse gilt somit nicht der Ereignisgeschichte, sondern er orientiert sich an der fast unbeweglichen Zeit der Naturerscheinungen. Er konzentriert sich also auf zeitlose Phänomene und beschreibt etwa, dass in der Regel Bergbewohner konservativer sind als die Bewohner der Ebenen oder dass die Adria immer eine Kulturscheide war.

Für diese langsamen Zeitabläufe prägt Braudel den Begriff der longue durée. Diese Bezeichnung wurde auch von anderen Annales-Historikern aufgegriffen, ohne aber damit immer dasselbe zu meinen wie Braudel.

Werke

eine Auswahl:

Sekundärliteratur

Weblinks

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Personendaten
Braudel, Fernand
französischer Historiker
24. August 1902
Luméville-en-Ornois, Département Meuse, Frankreich
28. November 1985
Cluses, Département Haute-Savoie, Frankreich

See also: Fernand Braudel, 1902, 1985, 24. August, 28. November, Adriatisches Meer, Annales, Annales-Schule