Finnischer Bürgerkrieg
Der finnische Bürgerkrieg wurde zwischen Januar und Mai 1918 ausgekämpft. In Finnland trägt er auch die Bezeichnungen Freiheitskrieg oder Brüderkrieg.
Hintergründe und erste Kriegshandlungen
Der Bürgerkrieg steht in Zusammenhang mit dem Zerfall des russischen Zarenreiches, dem ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution. Letztere führte in Finnland zum verstärkten Willen nach Unabhängigkeit. So erklärte sich das Land am 6. Dezember 1917 unter der Leitung von Pehr Evind Svinhufvud für selbstständig. Diese wurde später von der sowjetischen Regierung anerkannt doch ein Großteil der russischen Truppen blieb aufgrund des fortwährenden ersten Weltkrieges im Lande.
Die finnischen Sozialisten mit ihren "Roten Garden" (auch als Rote Befreiungsarmee bekannt) strebten einen Staat nach russischem Vorbild an und standen bald in Opposition zum bestehenden Senat und deren "Weißen Schutzkorps", die eine neue Monarchie errichten wollten. Am 27. Januar 1918 gab der Befehlshabende der roten Garden, Kullervo Manner, Order die bestehende Regierung zu arretieren. Mit der Einrichtung eines sozialistischen Volkskommissariats galt die Revolution als abgeschlossen.
Das weiße Schutzkorps konnte aber die Macht in den nördlichen Teilen Finnlands behaupten. Daraufhin griffen die roten Truppen in breiter Front an, konnten aber keine nennenswerten Fortschritte erzielen. Die folgende Gegenoffensive ging vom 25. Februar bis zum 11. März und wurde im typischen Stil des ersten Weltkrieges mit Artillerie und Schützengräben durchgeführt.
Weiße Hauptoffensive und Abschluss
Mittlerweile erhielten die weißen Truppen eine entschiedene Verstärkung. Zu ihnen stieß das 27. Jägerbataillon welches vorher eine Ausbildung in der deutschen Armee erhalten hatte. Das Bataillon bestand aus finnischen Männern, die vorher freiwillig für die deutsche Armee an deren Ostfront gekämpft hatten.
Die entscheidende Schlacht begann am 15. März bei Tampere und endete mit der Einnahme der Stadt durch das weiße Schutzkorps am 5. April. Gleichzeitig griffen am 3. April deutsche Truppen Helsinki an. Die roten Garden verteidigten die Stadt mit Leibeskräften und zögerten eine Kapitulation bis zum 13. April hinaus. Nach der Kapitulation flüchtete das revolutionäre Kommissariat nach Wyborg (finnisch: Viipuri) in Karelien. Doch auch da wurden die Revolutionäre bald aufgespürt, so dass sie ihre Flucht nach Russland fortsetzten. Die letzten roten Einheiten kapitulierten am 5. Mai.
Im Verlaufe des Krieges gab es 3.400 Gefallene auf der roten Seite und 3.100 Gefallene auf der weißen Seite. Insgesamt gab es etwa 30.000 Opfer in der finnischen Bevölkerung. Die etwa 75.000 gefangenen Sozialisten wurden größtenteils im Laufe der folgenden Jahre wieder freigelassen. Die Behandlung dieser Menschen in Gefangenschaft zählt aber zu den schwarzen Kapiteln in der finnischen Geschichte.
