Flugabwehrrakete
thumb|Russische Bodenluftrakete SA-5 Gammon
Die Flugabwehrrakete (kurz FlaRak) ist eine Rakete zur Bekämpfung von Luftzielen vom Erdboden aus.
Für dieses Einsatzszenario ist die Rakete besonders geeignet, da sie bei angepasster Konstruktion über folgende Attribute verfügt:
- Hohe Endgeschwindigkeiten bei verhältnismäßig geringer Beschleunigung,
- Hohe Nutzlast und
- Gute Steuerbarkeit
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Entwicklungsgeschichte
Die ersten Boden-Luft-Raketen wurden während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland entwickelt. Die Entwicklung begann 1941, die ersten Probeflüge fanden im Herbst 1944 statt. Es wurden parallel entwickelt:
- Die Henschel Hs 117 "Schmetterling", eine funkgelenkte, entweder optisch oder über Radar verfolgte, zweistufige, 420 kg schwere Rakete mit 16 km Reichweite und einer Gipfelhöhe von 11.000 Metern. [1]
- Alternativ dazu die Messerschmitt "Enzian-Rakete", eine umgebaute Messerschmitt Me 163 "Komet" mit 1,8 Tonnen (davon 300 kg Sprengkopf) und etwas größerer Gipfelhöhe und Reichweite und dem gleichen Zielsystem wie die Henschel Hs 117. [2]
- Ebenfalls gab es den "Wasserfall", entwickelt von der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) und den Elektromechanischen Werken Karlshagen (Triebwerk), eine verkleinerte A4, die mit einer Höhe von 20.000 Metern das vom Bediener am Boden bediente Zielsystem völlig überforderte. [3]
- Zudem gab es die Feuerlilie, deren Triebwerke von Rheinmetall-Borsig in Berlin-Marienfelde und die Zellen von den Ardelt-Werken hergestellt wurden, in folgenden Varianten:
- Die Unterschallversion R25 war 1,80 m lang und hatte eine Reichweite von 5 km. Erste Versuchsstarts erfolgten 1944, Einstellung im gleichen Jahr.
- Die Überschallversion R55 mit Spiritus-Flüssigsauerstofftriebwerk. Sie hatte eine Reichweite von 10 km. Erster Versuchsstart Mitte 1944. [4]
Es wurden auch Überlegungen zu einer automatischen Radarverfolgung angestellt. Alle Systeme waren ihrer Zeit weit voraus und kamen zu spät, um noch wirkungsvoll eingesetzt zu werden.
Ein tragbares Luftabwehrraketensystem war ebenfalls schon im Truppenversuch:
- Die Fliegerfaust-A wurde 1944 von der Firma HASAG (H. Schneider AG, Leipzig) entwickelt und war als Waffe gegen Tiefflieger gedacht und bestand aus einem Rohrbündel von je vier 90 g schweren 2-cm-Geschossen, die durch Raketenantrieb starteten.
- Die Fliegerfaust-B, auch Luftfaust genannt, besaß neun Rohre von 1.500 mm Länge. Die neun Granaten (90 g schwere Sprenggranaten mit 2-cm-Kaliber, die 19 g Sprengstoff trugen) wurden in zwei Salven mit 0,2 Sek. Abstand verschossen und bildeten in 500 m Entfernung einen Trefferkreis von etwa 60 m Durchmesser.
- Die 6,5 kg schwere Luftfaust wurde einfach mit dem hinteren Teil auf der Schulter aufgelegt, einen Rückstoß gab es nicht. Im März 1945 lief ein Auftrag über 10.000 Waffen mit 4 Millionen Schuß Munition an. Im Truppenversuch haben sich Ende April aber nur 80 dieser Waffen befunden.
In der Entwicklung war angeblich noch eine im Kaliber vergrößerte Sechsrohr-Version, die einfach Fliegerfaust (ohne das Suffix A oder B) heißen sollte. [5]
Nachkriegszeit
Eine wichtige Rolle spielte die SAM-2 im Vietnamkrieg 1964-1975. Sie wurde in Einsatzhöhen von 7.500 bis 16.000 Metern eingesetzt und hatte ein radargelenktes automatisches Lenksystem und stellte erstmals eine Bedrohung für die inzwischen düsengetriebenen Militärflugzeuge dar.
Die FlaRak-Systeme Nike Ajax und Herkules waren für den Einsatz gegen hochfliegende, überschallschnelle, auch multiple Ziele konzipiert. Um diese zu bekämpfen, waren neben den herkömmlichen auch zwei unterschiedlich große Nuklearsprengköpfe vorgesehen. Diese wurden auch bei den Systemen der Deutschen Luftwaffe bereitgehalten (zu letzt als Option für den Boden-Boden-Einsatz). Durch die Radarlenkung war dieses System recht zielgenau.
Aktuelle Situation
Durch ständige Weiter- und Neuentwicklungen gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Boden-Luft Raketen, von der NATO "SAM" (Surface-to-Air Missile) genannt. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Systeme erheblich je nach Einsatzgebiet. Das Spektrum reicht dabei von schultergestützten Systemen, die von einem Mann bedient werden, bis hin zu Raketen bis 100 km Reichweite, die im Verbund mit Zielerfassungs- und Zielfolgeradarsystemen eingestzt werden.
Die Zielerfassung und -verfolgung erfolgt über
- aktives Radar, die Rakete hat ein eigenes Radarsystem
- passives Radar, das Leitradar am Boden sendet, die Rakete empfängt nur die Radarimpulse
- Infrarot, hier wird der Abgasstrahl erfasst
- optisch
mobile Systeme
- Russland (ex Sowjetunion):
- SA-2 Guideline Luftverteidigung/Luftwaffe
- SA-3 Goa Luftverteidigung/Luftwaffe
- SA-4 Ganef (Reichweite bis 72 km) Heer
- SA-5 Gammon Luftverteidigung/Luftwaffe
- SA-6 Gainful (Reichweite bis 24 km) Heer
- SA-8 Gecko (Reichweite bis 12 km) Heer
- SA-9 Gaskin (Reichweite bis 7 km) Heer
- SA-10 Grumble / S-300P Luftverteidigung/Luftwaffe (teilweise auch Heer)
- SA-11 Gadfly (Reichweite bis 32 km) Heer
- SA-12 Gladiator/Giant Heer
- SA-13 Gopher (Reichweite bis 8 km) Heer
- SA-15 Gauntlet Heer
- SA-17 Grizzly Heer
- SA-19 Grisom Heer
- SA-20 Growler (Reichweite bis 400 km) Luftverteidigung/Luftwaffe
- USA
- MIM-23 Hawk
- MIM-72 Chaparral
- MIM-104 Patriot
- ADATS
- Frankreich
- Roland
- Crotale
- Großbritannien
- Rapier FSC
- Starstreak HVM
Stationäre Systeme
Stationäre Systeme sind meist Überbleibsel des Kalten Krieges, sie wurden beziehungsweise werden zum Objektschutz eingesetzt. Diese Systeme haben sehr gute technische Eigenschaften(gegenüber den mobilen Systemen) aber schwer verlegefähig. Diese Systeme werden z.Zt. (2004) durch mobile Systeme ersetzt. Dabei wird neueste Technologie umgesetzt. SA-2, 3, 4, 5, 6, 8 sind technologisch veraltet. Der SA-3 erlebt z.Zt. eine technologische Aufwertung und wird modernisiert.
Zur Infanterie zugeordnet
Zur Selbstverteidigung gegen Luftbedrohungen verfügen Infanterie-Einheiten über schultergefeuerte Boden-Luft-Raketen:
- Russland:
- SA-7 Grail
- SA-14 Gremlin
- SA-16 Gimlet
- SA-18 Grouse
- USA
- FIM-43 Redeye
- FIM-92 Stinger
- Deutschland
- Fliegerfaust 1 (entspricht FIM-43)
- Fliegerfaust 2 (entstpricht FIM-92)
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