Flüssiggas

Als Flüssiggas (auch Autogas oder LPG (Liquefied Petroleum Gas) genannt) bezeichnet man ein Gemisch aus Propan und Butan. Es kann sich aber auch um reines Propan oder reines Butan handeln. Anstelle von Flüssiggas wird auch häufig der Begriff „Treibgas“ benutzt. Flüssiggas besteht aus leicht verflüssigbaren Kohlenwasserstoff-Verbindungen (CmHn) mit 3 oder 4 Kohlenstoff-Atomen. Es kann sich dabei um eine einzelne Verbindung oder um eine Mischung mehrerer Verbindungen handeln.

Die Hauptbestandteile von Flüssiggas sind:

Es ist im gasförmigen Aggregatzustand schwerer als Luft. Es wird aber unter Druck transportiert und gelagert. Bereits unter sehr geringem Druck (etwa 8 bar) wird es bei Normaltemperatur flüssig. Es ist leicht brennbar und verbrennt explosionsartig. Die Explosionsgrenzen liegen je nach Mischungsverhältnis zwischen (1,5 ... 9) % Anteil in der Luft. Der Siedepunkt liegt bei ca. -10 bis 0 °C.
Bei Transporten muss es eine Kennzeichnung nach ADR haben, und zwar mit einer UN-Nummer 1965 und der Kemler-Zahl 23.

Inhaltsverzeichnis

Verwendung

für Heiz- und Kochzwecke

In ländlichen Gegenden, wo es keine Erdgasversorgung gibt. Dazu wird das Flüssiggas in Tanks gelagert, wo es mit Tankfahrzeugen angeliefert wird.
In kleineren Mengen wird es in Gasflaschen oder in Gaskartuschen im Campingbereich eingesetzt.
Zum Grillen im Freien mit Gasgrills wird meist dieses Gas in 5l oder 11l Gasflaschen verwendet.

Feuerzeuggas

Das Gas wird vielfach in handelsüblichen Feuerzeugen eingesetzt.

Kraftstoff

Flüssiggas findet auch Anwendung als Kraftstoff für Ottomotoren. Bereits in den 1970er war es in Italien sehr verbreitet und ist es geblieben. Auch die gesamte Autobusflotte der Wiener Verkehrsbetriebe fährt seitdem mit Flüssiggas. Es verbrennt umweltfreundlicher als Benzin. Der Schadstoffausstoß von Stickoxiden beträgt etwa 20 %. Zuerst war es bei den Taxis, später auch im privaten KFZ-Bereich, in den 1980er Jahren in Österreich durch günstige Preise sehr verbreitet. Durch die höhere Besteuerung wurde es in Österreich aber wieder uninteressanter.

Heute ist Flüssiggas als Treibstoff in den europäischen Nachbarländern (wie BE, NL, GB, PL, IT, F ...) etabliert. In Deutschland hat es eine stark zunehmende Bedeutung. Eine Umrüstung der PKW auf Flüssiggas (LPG) ist relativ unkompliziert, da das Leergewicht nur 25 kg beträgt und fast jedes Fahrzeug mit Benzinmotor für ca. 1.500 bis 2.800 Euro umgebaut werden kann. Der Tank findet seinen Platz entweder in der Reserveradmulde (40 bis 72 Liter) oder im Kofferraum (60 bis 120 Liter). Die Reichweite beträgt je nach Verbrauch bis zu 1.000 km. Beim Umbau bleibt der Benzintank erhalten, so dass das Fahrzeug wahlweise mit Benzin oder Flüssiggas betrieben werden kann (bivalenter Antrieb). Das Umschalten zwischen Benzin- und Flüssiggasbetrieb kann wahlweise während der Fahrt erfolgen. Mit dem Einbau ist also auch eine erhebliche Reichweitenerhöhung verbunden, sofern auch noch entsprechend Benzin mitgeführt wird.

In Deutschland gibt es mit Stand Mai 2005 ca. 757 Autogastankstellen und es werden immer mehr. In anderen europäischen Ländern (Niederlande, Belgien, Italien, Polen, Frankreich usw...) besteht ein fast flächendeckendes Netz. Die Preise für Autogas liegen in Deutschland bei ca. 0,43 bis 0,63 €/l, im Ausland bei ca. 0,30 - 0,60 €/l Bei dem Preisvergleich mit Benzin muss allerdings noch berücksichtigt werden, dass der Literverbrauch bei Flüssiggasbetrieb um etwa 20 % steigt, da Flüssiggas im Vergleich zum Benzin eine erheblich geringere Dichte und somit einen geringeren Energieinhalt hat. Grob kann man von einer Halbierung der Treibstoffkosten ausgehen beim Vergleich Benzin/Super zu Flüssiggas. Bei einem Verbrauch von 8Liter/100km und einem Benzinpreis von 1 Euro pro Liter Benzin/Super sind die Installationskosten nach etwa 50000 km wieder eingespart.

Zum Thema Sicherheit schreibt der ADAC: "Es gibt keine Hinweise aus der Praxis, dass bei diesen Fahrzeugen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht, auch nicht aus jenen Ländern, wo relativ viele Autogasautos zugelassen sind. Crash- und Brandtests zeigen, dass Autogasautos nicht gefährlicher sind als vergleichbare Benzinfahrzeuge."

Durch die rückstandsfreie Verbrennung werden häufig auch Gabelstapler in der Industrie mit Flüssiggas betrieben und ersetzen somit Dieselstapler, die Ruß emittieren. Flüssiggasbetriebene Gabelstapler dürfen als einzige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in geschlossenen Räumen betrieben werden. Da bei der Verbrennung 80 Prozent weniger Schadstoffe entstehen als bei herkömmlichen Verbrennungstechniken, spricht man hier auch nicht mehr von Abgasen, sondern von "Abluft".

Erdgaskraftstoff

siehe Erdgas

Kältemittel

Verwendung in Klimaanlagen als FCKW-ersatz

Eigenschaften

Flüssiggas hat einen Energieinhalt von 12,9 kWh/kg und eine Dichte von 0,54 g/cm³ (Propan 0,51 g/cm³ und Butan 0,58 g/cm³)

Sicherheitsbestimmungen

Generell ist beim Betrieb von Flüssiggasanlagen von einer Explosionsgefahr auszugehen. In Deutschland sind Hinweise zum sicheren Betrieb unter anderem in den Technischen Regeln Flüssiggas (TRF) enthalten, des Weiteren gelten Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften (Flurförderfahrzeuge, Flüssiggas).

Besondere Maßnahmen sind erforderlich bei Arbeiten unter Erdgleiche (Keller u.ä.), da Flüssiggas schwerer als Luft ist und sich als "See" sammeln kann. Auch Bodenöffnungen (Kanaldeckel, Luken, Kellerabgänge) sind in die Sicherheitsbetrachtung einzubeziehen.

Literatur

Weblinks

See also: Flüssiggas, 1970er, 1980er, Aggregatzustand, Autobus, Brennbar, Butan, Camping, Druck (Physik), Erdgas