Flussmittel
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Wirkprinzip
Fast ausnahmslos werden Lötungen mit Lufteinwirkung ausgeführt. Schon während der Erwärmung der Lötstelle begünstigt der Sauerstoffanteil der Luft eine Oxidation der Oberflächen, die eine zuverlässige und damit erfolgreiche Lötung fraglich werden lassen.
Die zuvor metallisch blank gemachten Lötoberflächen werden mit dem Flussmittel versehen und dann bis auf die Liquidustemperatur des Lotes erwärmt.
Das Flussmittel ist somit ein Löthilfsmittel, das die mit Lot zu benetzenden Oberflächen frei von Oxiden halten soll. Das Flussmittel reduziert (entoxidiert) die Oberfläche beim Löten und soll die erneute Oxidbildung vor und während des Lötvorgangs verhindern, die sonst die Fließ- und Benetzungseigenschaften stark reduzieren würden, und weiterhin um Einschlüsse von Fremdstoffen zu verringern. Ein weiterer Effekt ist das Verringern der Oberflächenspannung des flüssigen Lotes.
In Spezialfällen, vor allem aus Kostengründen bei in der Großserienfertigung, wird unter Schutzgas und ohne zusätzliches Flussmittel gelötet. Das Schutzgas verhindert die Oxidation.
Korrosive Wirkung
Zu beachten ist die meist korrosive Wirkung der Flussmittel, die nicht durch den etwaigen Säuregrad oder der Flussmittelreste hervorgerufen werden muss. Die Zersetzungstemperaturen der aktiven Bestandteile spielen dabei eine entscheidende Rolle. Auch nicht-saure Flussmittel können durchaus korrosiv wirken. Die Bezeichnung säurefreies Flussmittel ist also irreführend und darf nicht angewendet werden.
"Universalflussmittel"
So genannte Universalflussmittel gibt es nicht. Die Eigenschaften und daher die Zusammensetzung müssen zu den Eigenschaften der zu lötenden Grundwerkstoffe passen.
Typ-Kennzeichen
Das Typ-Kennzeichen von Flussmitteln besteht aus dem Buchstaben F (Flussmittel), dem zwei weitere Buchstaben folgen. Der erste kennzeichnet den zu lötenden Werkstoff: S (Schwermetall), L (Leichtmetall); der zweite das Lötverfahren: H (Hartlöten), W (Weichlöten)
Flussmitteleinteilung
zum Hartlöten
Die Flussmittel unterscheiden sich nach ihrer Wirktemperatur und dem Korrosionsverhalten der Rückstände.
- für Schwermetalle
- F-SH 1: Wirktemperatur (550 ... 800) °C, Borverbindungen, komplexe Fluoride, im allgemeinen korrosiv, Rückstände abwasch- oder abbeizbar.
- F-SH 1 a: Wirktemperatur (550 ... 800) °C, Borverbindungen, komplexe Fluoride Chloride, korrosiv, Rückstände abwasch- oder abbeizbar.
- F-SH 2: Wirktemperatur (750 ... 1100) °C, Borverbindungen, im allgemeinen nicht korrosiv.
- F-SH 3: Wirktemperatur (1000 ... 1250) °C, Borverbindungen Phosphate, Silikate, nicht korrosiv.
- F-SH 4: Wirktemperatur (600 ... 1000) °C, Chloride, Fluoride ohne Borverbindungen, im allgemeinen korrosiv. Rückstände abwasch- oder abbeizbar.
- für Leichtmetalle
- F-SL 1: Wirktemperatur (500 ... 600) °C, hygroskopische Chloride und Fluoride, im allgemeinen korrosiv. Rückstände abwasch- oder abbeizbar.
- F-SL 2: Wirktemperatur (500 ... 600) °C, nichthygroskopische Fluoride, im allgemeinen nicht korrosiv.
zum Weichlöten von Schwermetallen
- Rückstände rufen Korrosion hervor. Die Rückstände dieser Flussmittel sind meist hygroskopisch. Durch die aufgenommene Feuchtigkeit werden diese aktiv und rufen Korrosionserscheinungen hervor. Beseitigung ist daher erforderlich.
- F-SW 11: Flüssigkeit. Basis ist Zink- und/oder andere Metallchloride und/oder Ammoniumchlorid in wässriger Lösung. Freie Salz-, Schwefel-, Salpeter- oder Fluorwasserstoffsäure. Für stark oxidierte Oberflächen, beispielsweise Dachrinnen aus Reinzink.
- F-SW 12: Basis ist Zink- und/oder andere Metallchloride und/oder Ammoniumchlorid. Flussmittelrückstände sind sorgfältig mit Wasser abzuwaschen. Anwendung als Flüssigkeit im Kühlerbau, für Klempnerarbeiten unter anderem an Kupfer, Tauchverzinnen. Als Pulver zum abdecken von Lot- und Zinnbädern. Als Lot-Flussmittelgemisch zum Weichverzinnen, beispielsweise von Gusseisen, Bronze oder Edelstahl.
- F-SW 13: Basis ist Phosphorsäure oder dessen chemische Derivate. Flussmittelrückstände sind mit geeigneten Reinigungsverfahren zu beseitigen. Anwendung als Flüssigkeit für Arbeiten an Kupfer, Kupferlegierungen oder Edelstahl.
- Rückstände wirken bedingt korrosiv. Als Trägersubstanz wird u.A. Alkohol, Brennspiritus, Mineralöle und -fette, höhere Alkohole, organische Lösungsmittel und Emulsionen verwendet.
- F-SW 21: Wirktemperatur (140 ... 450) °C, Zink- und/oder Ammoniumchlorid in organischer Zubereitung (z.B höhere Alkohole, Fette), bedingt korrosiv, für Kupfer und Kupferlegierungen.
- F-SW 22: Wirktemperatur (200 ... 400) °C, Zink- und/oder Ammoniumchlorid in organischer Zubereitung (z.B höhere Alkohole, Fette), ohne Ammoniumchlorid, bedingt korrosiv, für Kupfer und Kupferlegierungen, Trinkwasserinstallationen.
- F-SW 23: Wirktemperatur (200 ... 400) °C
- F-SW 24: Wirktemperatur (200 ... 400) °C
- F-SW 25: Wirktemperatur (200 ... 400) °C
- Rückstände rufen Korrosion hervor
- F-SW 26: Wirktemperatur (140 ... 450) °C
- F-SW 27: Wirktemperatur (140 ... 450) °C
- F-SW 28: Wirktemperatur (140 ... 450) °C
- Rückstände wirken nicht korrosiv. Die Flussmittelrückstände können ohne Korrosionsgefahr auf der Lötstelle verbleiben. Bei elektrischen Messgeräten u.ä. sind allerdings die elektrischen und mechanischen Eigenschaften fraglich; daher ist zu empfehlen, spröde Harzreste zu entfernen. Als Lösemittel kommen Alkohole, Brennspiritus und Trichlorethylen in Frage.
- F-SW 31: Wirktemperatur (200 ... 400) °C, Basis ist natürliches oder modifiziertes Harz Kolophonium ohne Zusätze. Flussmittelreste können auf der Lötstelle verbleiben. Anwendung als Pulver oder in Lötdraht eingearbeitet als Flussmittelseele in der Elektrotechnik, Elektronik, als Abdeckung von Lotbädern.
- F-SW 32: Wirktemperatur (200 ... 300) °C, Basis wie F-SW 31, aber mit organischen, halogenfreien Aktivierungszusätzen, beispielsweise Stearin-, Salizyl-, Adipinsäure, ohne Amine, Diamine oder Harnstoff. Anwendung als Pulver, in Lötdraht eingearbeitet als Flussmittelseele oder als Lot- Flussmittelgemisch in der Elektrotechnik, Elektronik, Miniaturtechnik (SMD), Leiterplatten.
- F-SW 33: Auf Basis synthetischer Harze mit organischen, halogenfreien Aktivierungszusätzen, jedoch ohne Amine, Diamine oder Harnstoff. Anwendung wie F-SW 32.
- F-SW 34: Basis sind organische, halogenfreie Säuren und natürliches Harz Kolophonium ohne Amine, Diamine oder Harnstoff. Anwendung als Flüssigkeit oder in Lötdraht eingearbeitet als Flussmittelseele in der Elektronik, Miniaturtechnik (SMD), Leiterplatten.
Diverses
Das Flussmittel wird während der Aufheißphase meist flüssig, und beginnt in der Nähe der Löttemperatur an zu qualmen. Die Dämpfe sind abhängig vom Flussmitteltyp gesundheitsgefährdend, so das eine gute Belüftung und bei längeren Arbeiten eine Absaugung sinnvoll ist.
Siehe auch: Löthonig
