Formatkrieg

Ein Formatkrieg ist eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen den Anbietern von verschiedenen kommerziellen, nicht ohne weiteres kombinierbaren technischen Standard-Lösungen für ein gemeinsames Sachproblem. Viele Formatkriege enden sehr schnell mit dem Rückzug der meisten konkurrierenden Angebote.

Inhaltsverzeichnis

VHS (JVS), Betamax (Sony) oder Video 2000 (Philips) - Welches ist/war das bessere System?

VHS und Beta erschienen etwa gleichzeitig am Markt, Video 2000 etwas später. VHS bot gegenüber den anderen Systemen eine schlechtere Bildqualität, andererseits längere Cassettenlaufzeiten und (anfangs) robustere Rekorder.

Das eigentliche Urpatent von Sony, welches das VHS-System überhaupt erst möglich machte, wurde von der Firma JVC erworben, da Sony seine eigene Erfindung als zu schlecht erachtete.

Wer sich die technischen Daten dieser drei konkurrierenden Videosysteme anschaut, wird schnell erkennen, dass Betamax die Nase vorne hatte, dicht gefolgt von Video 2000; das Schlusslicht gab VHS ab. Betamax lieferte die bessere Bildqualität, bot aber auch -- so lange es noch Mono-Ton gab -- die etwas schlechtere Tonqualität. Dieses hing ganz einfach mit der relativ geringen Bandgeschwindigkeit des Betamaxsystems zusammen, da der Ton in Mono längs und nicht mit der Video-Schrägspur aufgezeichnet wird. Im übrigen sind auch die Betamax-Cassetten wesentlich kleiner und handlicher als bei VHS, der Nachteil von Betamax hierbei ist jedoch die niedrigere maximale Laufzeit (3h20min bei der L-750-Kassette für PAL-Systeme). Später konnte dann Sony als erster mit Stereo- und HiFi-Ton auftrumpfen, aber dies hatte lizenzrechtliche Gründe und lag nicht etwa daran, dass JVC technisch nicht dazu in der Lage gewesen wäre.

Marketing von JVC

Alle Firmen, die unter ihren eigenen Namen Videorecorder vertreiben wollten und weder Patente auf noch Produktionskapazitäten für Videorecorder hatten, legten mit JVC lediglich ihr Firmen-Layout und eventuelle Besonderheiten fest und dann wurden vorerst alle Videorecorder, egal für welche Firma, unter deren jeweiligem Logo von JVC in Japan produziert.

Marketing von Sony

Die Firma Sony bestand dagegen bei seinen außerjapanischen Partnern darauf, dass diese eigene Produktionsstätten in jeweiligem Vertriebsland aufbauten, was naturgemäß lange Produktions-Anlaufzeiten schaffte. Unverständlich an der ganzen Sache war auch die Preispolitik, denn Sony bot mehr Leistung für weniger Geld. Wer 1979 einen Sony Videorecorder kaufen wollte, musste oft suchen, dagegen gab es immer VHS-Recorder zu kaufen.

Die Vorgeschichte zu Video 2000

Philips war der Pionier in Sachen Heimvideosysteme gewesen; ihr 1974 eingeführtes VCR-System (Video Cassette Recorder) bot damals zwei übereinanderliegende Wickelkerne in einer kompakten quadratisch geformten Kasettengehäuse an, die eine Laufzeit von maximal 32 Minuten zuließ. Damit war das Format kleiner und praktischer als das damals übliche U-Matic-System von Sony, welches insbesondere in Schulen und Universitäten populär war. Tatsächlich konnte sich VCR nie richtig im Heimbereich etablieren. Mit dem Aufkommen des VHS-Systems in USA und Japan, wurde Philips gewahr, dass für den Heimbereich eine Laufzeit von rund 2 Stunden notwendig war, um
a) den Konsumenten einen echten Mehrwert zu bieten (z.B. Aufzeichnen eines Spielfilms) und
b) der Konkurrenz aus Japan identische Laufzeiten entgegen zu setzen.
So wurde durch das Herabsetzen der Bandgeschwindigkeit des VCR-Systems schließlich VCR-LP geboren. Da JVC aber 1978 bereits eine E-240 (in USA/Japan: T-240) mit einer Laufzeit von vier Stunden ankündigte, entwickelte Grundig aus einer Panikstimmung heraus das SVR-System (Super Video Recording), welches auch auf der VCR-Cassette aufbaute, aber die Bandgeschwindigkeit wiederum um die Hälfte reduzierte und somit eine Laufzeit von vier Stunden anbieten konnte. Leider plagte SVR allerlei Kinderkrankheiten und etablierte sich nicht am Markt. Das Grundig-Management spielte damals mit dem Gedanken, sich der japanischen Konkurrenz geschlagen zu geben und eine VHS- oder Betamax-Lizenz zu beziehen, als der niederländische Partner mit einem konzeptionell neuen System aufwartete, welches dann als ein nicht vollständig ausgereiftes System auf den heiß umkämpften Markt geworfen wurde: Video 2000.

Warum Video 2000 von Philips und Grundig eine Totgeburt war

Die Folgen zeigten sich wenig später: Obwohl die Leistungsmerkmale von Video 2000 unbestritten zu den besten gehörten, war es die Reparaturanfälligkeit der Geräte, die legendär wurde. Eines der größten Übel war Bandsalat im Allgemeinen und Bandrisse durch Umspulen im Besonderen. Die Bildqualität hingegen konnte sich ohne weiteres mit der von Betamax messen, ebenso war der Ton besser als der von beiden anderen Systemen. Bemerkenswert ist auch die bis zu 8 Stunden betragende Spieldauer der Video-2000-Kassette – nach 4 Stunden wurde sie einfach umgedreht und konnte weitere 4 Stunden bespielt werden.

Was kosteten 1978/1979/1980 Videorecorder oder Cassetten?

Zwischen 1978 und 1982 kostete z.B. eine E240 VHS-Cassette umgerechnet etwa €27 bis €35 eine L195 Betamax-Cassette ca. €24 bis €27 und eine Video-2000-Cassette €31 bis €40.

Abgesehen davon gab es kaum Cassetten mit den genannten Spielzeiten: leicht verfügbar waren je nach System bei VHS die E180 (180 Min), bei Betamax die L500 (120 Min), und je 2x 180 Min bei Video-2000.

Zum Vergleich: Philips bot noch 1978 s/w-Spulenbänder mit einer Spieldauer von nur 30 Min. für sagenhafte € 50 (DM 98,-) an.

Bei den Videorecordern hielten sich fast alle Verkäufer (bis 1980) an die von den Herstellern empfohlenen Verkaufspreise. Diese lagen nicht unter € 1.500 (DM 2.950,-), meist sogar weit darüber.

Beispiel aus dem Quelle-Winterkatalog 1978/79

See also: Formatkrieg, 2005, Blu-ray Disc, HD-DVD, Heimcomputer, Linux, Mac OS, Microsoft Windows, Standard, Videorekorder