Frauenhaus
Unter Frauenhäusern werden heute in westlichen Industrieländern Einrichtungen verstanden, die Frauen (und ihren Kindern) - beispielsweise im Falle von häuslicher Gewalt - Hilfe, Beratung und vorübergehend eine geschützte Unterkunft anbieten. Aus Sicherheitsgründen werden die Adressen der Gebäude nicht in öffentlichen Verzeichnissen publiziert; Männern (außer Geistlichen) wird meist grundsätzlich der Zutritt verweigert.
Eine Beratung erfolgt durch Psychologen, Rechtsanwälte und Sozialarbeiter, häufig ehrenamtlich. In der Regel werden Frauenhäuser von Vereinen geführt und durch öffentliche Zuwendungen finanziell unterstützt oder auch vollständig getragen.
In Europa waren Frauenhäuser ursprünglich Erziehungsanstalten für "verwahrloste" Frauen und "gefallene Mädchen", in denen die Insassinnen meist unter kirchlicher Aufsicht mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Moderne Frauenhäuser entstanden im Zuge der Frauenbewegung der 1970er-Jahre. Das erste moderne Frauenhaus in Europa wurde 1971 in Großbritannien gegründet, das erste deutsche 1976 in Berlin. In der Schweiz wurde die erste "Notunterkunft für geschlagene Frauen" 1977 in Zürich eingerichtet, Bern und Genf folgten 1980, Basel 1981, St. Gallen 1982, Brugg 1983, Luzern und Winterthur 1984. Getragen wurden die Schweizer Frauenhäuser vorerst ohne die öffentliche Hand, sondern ausschliesslich von autonomen Frauengruppen. Finanziert wurden sie privat über Spenden.
Weblinks:
- Arbeitsgemeinschaft Deutscher Frauen- und Kinderschutzhäuser
- Zentrale Informationsstelle für autonome Frauenhäuser
Andere Verwendung
In der Ethnologie werden als Frauenhäuser Gemeinschaftshäuser bezeichnet, in denen junge Mädchen zur Vorbereitung auf ihre Hochzeit leben - meist unter Aufsicht älterer Frauen, zum Beispiel in Indien und Ostafrika. Sie stellen das Gegenstück zu den weiter verbreiteten Männerhäusern dar.
