Freischwinger
Ein Freischwinger ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche unter dem Gewicht einer Person federnd nachgibt ("schwingt") und leicht nach hinten absinkt. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, der wegen seiner starren Konstruktion diesen federnden Sitz nicht hat, wird nicht zu den eigentlichen Freischwingern gezählt. In diesem Fall spricht man allgemeiner von einem Kragstuhl (von kragen = überstehen; englische Bezeichnung: cantilever chair freitragender Stuhl; der Freischwinger ist demnach eine Variante des Kragstuhls).
Neben Stühlen gibt es auch Hocker, Sessel, Liegen und Sofas in der Form eines Freischwingers.
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Geschichte
[[Bild:FREISCHWINGER.JPG|thumb|Freischwinger B55
Entwurf: Marcel Breuer
Rahmen: verchromtes Stahlrohr
Sitzfläche/Rückenlehne: Eisengarnbespannung
Armlehnen: lackiertes Holz]]
Beim Freischwinger handelt es sich um ein markantes Beispiel modernen Möbeldesigns. 1926 wurde von dem Architekten Mart Stam unter der Bezeichnung Kragstuhl ein erster Stuhl ohne Hinterbeine entwickelt, der allerdings noch auf einer recht starren Rohrkonstruktion ruhte. Ludwig Mies van der Rohe zeigte 1927 mit einem eigenen Entwurf für die Weißenhofsiedlung erstmals diesen Stuhltyp in einer breiteren Öffentlichkeit, der hier bereits eine größere Elastizität besaß. Marcel Breuer verbesserte den Kragstuhl bezüglich Elastizität und anderem weiter und entwickelte während seiner Zeit am Bauhaus zahlreiche Varianten aus Stahlrohr. Viele weitere namhafte Designer und Architekten schufen eigene Versionen des Freischwingers. Die Rechte an der Urheberschaft wurden 1932 vom Deutschen Reichsgericht Stam zuerkannt.
Konstruktion
Der klassische Freischwinger besitzt einen tragenden Rahmen aus einem einzigen gebogenen Metallrohr in "Schlittenform", die Vorderbeine knicken unten und oben nach hinten weg. Unten läuft der Rahmen auf dem Boden wie Kufen weiter bis zum hinteren Rand des Möbels, oben verläuft er parallel zu den Kufen und dient als Träger für die Sitzfläche. Gewöhnlich knickt der Rahmen am hinteren Teil der Sitzfläche noch einmal nach oben ab, um an ihm die Rückenlehne zu befestigen, oder die Rohre werden zu Armlehnen umbebogen. In diesen Rahmen sind Sitzflächen/-polster und Rückenlehen eingehängt oder eingespannt.
Ohne Rahmen kommen gewöhnlich Freischwinger aus Kunststoff aus. Bei diesen sind Rückenlehne, Sitzfläche, "Beine" (Verbindungsstück zwischen Sitzfläche und Fuß) und Fuß eine einzige, zusammenhängende Kunststofffläche.
Physik
[[Bild:FREISCHWINGER_SESSEL.JPG|thumb|left|Freischwinger Sessel S411 von Thonet
Rahmen: Stahlrohr
Polsterbezug: Leder
Armlehnen: lackiertes Holz]]
Die Statik (Stabilität) ist trotz der fehlenden Hinterbeine dadurch gegeben, dass die entstehenden Kräfte über die Spannung in den Vorderbeinen auf die Bodenkufen bzw. Füße umgeleitet werden. Die Kufen, die bis zum hinteren Ende des Stuhls laufen, bilden eine weite Bodenauflage und verhindern das Umkippen des Stuhls nach hinten.
Setzt sich jemand in den Freischwinger, so geben die Vorderbeine durch ihre Elastizität nach und die Sitzfläche senkt sich leicht nach unten und hinten. Dadurch entsteht beim Sitzen ein angenehmes Schaukeln, der Stuhl reagiert federnd auf Bewegungen der Person.
Bekannte Typen
- Metallrahmen
- S43. Designer: Mart Stam und/oder Marcel Breuer (nicht abschließend geklärt)
- B42. Designer: Mies van der Rohe
- Ceska. Designer: Marcel Breuer
- Holz
- Modell Nr. 31. (verleimtes Schichtholz) Designer: Alvar Aalto (link)
- Kunststoff
- Panton Chair. Designer: Verner Panton
Literatur
- Stuhlmuseum Burg Beverungen (Hrsg.): Der Kragstuhl. The Cantilever Chair. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1999 ISBN 3883753513
